Ehrendingen

In ihrem Buch rechnet Gabrielle Allmendinger mit ihrer Vergangenheit ab

Heute kann sie lachen: Gabrielle Allmendinger veröffentlichte vor kurzem ihren ersten Kriminalroman.

Heute kann sie lachen: Gabrielle Allmendinger veröffentlichte vor kurzem ihren ersten Kriminalroman.

Für Gabrielle Allmendinger ist ihr erster Regionalkrimi ein Befreiungsschlag. Denn ihre alles andere als einfache Vergangenheit hat sie geprägt.

«Kaltes Herz – Regionalkrimi us de Stadt Bade» heisst Gabrielle Allmendingers Erstlingswerk. Obwohl der mörderische Kriminalroman, der an Badener Schauplätzen spielt, weitgehend fiktiv ist, rechnet die Autorin darin mit ihrer schicksalhaften Vergangenheit ab.

«Nach monatelangem Mobbing war ich mit meinen Nerven am Ende und dachte: Diese Frau bringe ich um», sagt die 53-jährige Gebenstorferin. Sie meint das rein hypothetisch. Entspannt lehnt sie sich in das antike Sofa im Hotel Blume zurück. Ihr Blick ist entschlossen, gleichzeitig strahlt sie etwas Fragendes und Verletzliches aus. Gabrielle Allmendinger erzählt von ihrer letzten Stelle als Leiterin in einer Schulverwaltung, aus der sie nach einer heftigen Meinungsverschiedenheit mit einem Behörde-Mitglied herauskatapultiert wurde: «Mein Selbstwertgefühl war auf den Nullpunkt. Ich suchte einen konstruktiven Umgang mit all meinem Frust und dann keimte in mir plötzlich eine Idee auf: Ich ermorde diese Person in einem Krimi.» So kam die gebürtige Gebenstorferin zu ihrem ersten eigenen Buch «Kaltes Herz – Regionalkrimi us de Stadt Bade», das im Novum-Verlag erschienen ist.

Das Opfer heisst im Plot Aylin Schmid und wird nach einer Badenfahrt tot vor dem Grand Casino gefunden. Deren Umfeld wie auch die Ermittler, Verdächtigen und andere Figuren der wendungsreichen Handlung sind allerdings Fantasiegeburten. «Natürlich flossen meine Erfahrungen und mein Charakter mit ein. Das Meiste ist aber reine Fiktion – vor allem, wenn es brutal wird. So konnte ich beim Schreiben meinen Aggressionen freien Lauf lassen. Das hat gut getan», gesteht die Allmendinger. Sie lebt heute mit ihrem dritten Ehemann in Ehrendingen und hat privat endlich Ruhe gefunden.

Das Buch war ein Zufallsprodukt

Ihre alles andere als einfache Vergangenheit hat die Autorin geprägt. Mit 19 traf sie die Liebe wie der Blitz. Ein attraktiver Zürcher Lebenskünstler hatte ihr Herz beim Urlaub in Arosa im Sturm erobert. Bald wurde geheiratet und Allmendinger gebar zwei Kinder. Doch ihr Gatte entwickelte sich gemäss ihren Schilderungen zum Tyrannen, misshandelte und schlug sie. «Ich ging 7 Jahre durch die Hölle, bis ich mich endlich befreien konnte», sagt sie erstaunlich ruhig und distanziert. Genauso spricht sie auch darüber, wie sie mit Sohn und Tochter – ohne Job und Zukunftsperspektiven – auf der Strasse stand und aus Not wieder bei ihren Eltern einzog. In der zweiten Partnerschaft fand sie Sicherheit und fing wieder an, Kraft für sich selber zu schöpfen. Sie machte Weiterbildungen, und stieg Schritt für Schritt die Karriereleiter hoch. Mit 35 wurde Allmendinger als erste und jüngste Frau zur Abteilungsleiterin Bildung in Schlieren gewählt. 2003 hatte sie die zweite Scheidung hinter sich und machte sich als Beraterin für Non-Profit-Organisationen selbstständig. 2014 kam dann der Job mit dem unrühmlichen Ende auf sie zu. Und heute? «Ich habe wieder eine leitende Funktion bei der Schulverwaltung Kilchberg-Rüschlikon», sagt 53 Jährige. Sie sei froh um die neue Chance.

Ihr erstes Buch sei ein Zufallsprodukt gewesen. Sie gesteht, dass sie ihren Schreibstil, der zurzeit noch etwas unkoordiniert wirkt, erst noch finden müsse. «Ich ging emotional total geladen an die Sache ran und wusste bis ganz am Ende nicht, wer der Mörder in meiner Handlung sein sollte», sagt sie. Als Racheakt möchte Gabrielle Allmendinger «Kaltes Herz – Regionalkrimi us de Stadt Bade» nicht bezeichnet sehen, eher als Befreiungsschlag.

Auf dem Umschlag unten rechts steht: «1. Fall». Diesem will sie bald Weitere folgen lassen. «Im nächsten Buch rechne ich mit meinem ersten Ehemann ab», meint sie entschlossen. Ihr schwebt eine ganze Reihe unter dem Titel «Regionalkrimi us de Stadt Bade» vor. «In jedem Band wird jemand um die Ecke gebracht, der mir im Leben etwas zuleide getan hat», erläutert sie ihre Idee und lacht.

Dann geht es zwecks Rekognoszierung runter an die Limmat. Allmendinger sucht für ihren «2. Fall» noch eine Stelle, wo ihre nächste Leiche angeschwemmt werden soll.

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