Bremgarten

Im Reich der Lichter und Düfte

Der 16. Bremgarter Weihnachts- und Christchindli-Märt ist bei Schnee und klirrender Kälte besonders weihnächtlich: Nicht ohne Kappe, Handschuhe oder Glühwein, heisst die Devise beim 16. Bremgarter Christchindli-Märt.

Gut seien sie am Freitagabend schon früher gekommen, meinte ein Besucher zu seiner Frau. Sonst sei an dieser Stelle ja kein Durchkommen. Mit einem Kinderwagen, antwortete diese, würde sie trotzdem nicht an den Markt kommen wollen. «Es hat schon jetzt ein ziemliches Gedränge.» Sie lacht und bleibt bei einem Stand stehen, bewundert Weihnachtsengel. Ihr Mann zieht derweil den Schal enger um den Hals. Kalt ist es eben doch an diesem Freitagabend.

Einer, der schon jeden Bremgarter Christchindli-Märt mitgemacht hat ist der Marktfahrer Hans-Jürg Schär aus Studen bei Biel. Es sei diesmal schon kälter als sonst, meint er. Das merke er auch am Kaufverhalten. Diesmal würden seine Geschäfte weniger gut laufen als sonst, «die Leute mögen halt die Jacke nicht ausziehen, bei diesen Temperaturen hat man einen schweren Stand, wenn man Textilien verkauft.»

Seiner guten Stimmung tut das dennoch keinen Abbruch. «Dafür ist die Atmosphäre hier am Markt noch schöner und einmaliger als sonst. Das ist doch auch etwas.» Eine besondere Taktik, wie er die Kälte aushält, hat er nicht. «Als Marktfahrer bin ich das ganze Jahr draussen, da gewöhnt man sich dran.»

Vier Tage lang die Besucher mit Glühwein versorgen

Ebenfalls von Anfang an mit dabei ist Martin Pfister aus Hittnau, der wie jedes Jahr vor dem Spittelturm Gschwellti mit Sour Cream und Wintertee anbietet. Er denkt, dass wegen der tiefen Temperaturen weniger Leute als sonst gekommen seien. «Gerade Familien bleiben lieber zu Hause.» Sein Trick, die vier Tage in der Kälte auszuhalten: Bodenheizung und Wärme vom Ofen, in dem er seine Kartoffeln zubereitet.

Gutgelaunt verkaufen Käthi und Madleine Glühwein. Sie sind bereits zum zweiten Mal als ehrenamtliche Helferinnen im Einsatz. Dass ihnen das heisse Getränk nicht ausgeht, dafür sorgt unter anderem Yves Wyss, der Sohn von Dora Wyss, die den Glühwein bereits zum 16. Mal zubereitet. Was seine Motivation sei, wie jedes Jahr vier Tage lang als ehrenamtlicher Helfer unterwegs zu sein?

«Ich habe die Eltern mal überredet, weiter zu machen, jetzt kann ich selber schlecht kneifen», lacht er. Ob er diesmal mehr zu tun habe als in anderen Jahren? «Der Glühwein läuft immer gut, ob es regnet, warm oder winterlich ist», schmunzelt er und muss schon wieder weiter.

Styropor als Isolation gegen den kalten Boden

Warme Getränke bieten auch Jonas, Alimir, Aljoscha und sein Bruder Juri an. Mit ihrem Stand, an dem es auch Kuchen und Guetzli zu kaufen gibt, sammeln die Schüler der 3. Sek a aus Bremgarten Geld für ihr Abschlusslager. Juri hilft mit. Eine Standbewilligung hätten sie ohne Probleme erhalten, erzählen sie, und alles selber gebacken, «ganz ehrlich». Wie sie die Kälte überstehen? Ganz professionell erzählen sie, sie hätten sich nicht nur warm eingepackt, sondern hätten am Boden Styropor ausgelegt, um nicht auf dem kalten Boden stehen zu müssen.»

Trotz Kälte ist am Markt einiges los, hat es viele Besucher. Ganz anders die Atmosphäre in der reformierten Kirche Bremgarten. «Sound the Trumpet» heisst das Weihnachtskonzert von Christine Müller, Sopran, Sabine Geiger, Alt, Sonja Tüchle, Klarinette und Erich Eder, Klavier. Das schöne Konzert mit Stücken von Bach, Mozart, Purcell, Vivaldi und anderen kann gratis besucht werden, wie auch andere kulturellen Angebote. Weihnachtsgefühle müssen am Christchindli-Märt nicht immer etwas kosten.

Am Samstag ging das Wintermärchen weiter, zum Schnee gesellte sich die Sonne.

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