Baden

Im Outdoor-Geschäft Yanacocha gibts zum Wanderschuh Kaffee

Die zwei Betreiber ziehen mit einem neuen Konzept zurück an den Theaterplatz

Der Geruch nach frischem Teer erfüllt die Luft, ein Reinigungsunternehmen putzt die staubigen Fenster. Noch gibt es ein paar letzte Arbeiten am Odd Fellows Haus am Theaterplatz zu erledigen. Doch nach zwei Jahren steht der Neubau und im Erdgeschoss herrscht bereits wieder reges Treiben. Schlafsäcke und Wanderschuhe werden ausgepackt, Rucksäcke in die Regale geräumt, Schaufensterpuppen angezogen und die ersten Kunden bedient. Dem gesamten Laden wird Leben eingehaucht.

Wegen den Umbauarbeiten zogen Mario Stanco (42) und Daniela Holdener (37) mit ihrem Outdoor-Geschäft Yanacocha Mitte 2017 provisorisch an den Schlossbergplatz. Die Rückkehr an den Theaterplatz stand aber bereits vor dem Abriss des alten Gebäudes fest. «Es war schon ein Schuss ins Blaue», sagt Stanco. «Schliesslich wussten wir nicht, ob es uns danach überhaupt noch gibt.»

Denn die Jahre im Provisorium setzten dem Geschäft zu. «Der Standort war nicht optimal. Vor allem wegen der Baustelle», fügt Holdener an. «Aber wir sind dankbar, überhaupt Räumlichkeiten gefunden zu haben. Die Stadt hat uns sehr gut unterstützt.» Heute zeigt sich: Es gibt das «Yanacocha» noch. Und es baut aus. Jetzt stehen den Betreibern rund doppelt so viel Ladenfläche als vor zwei Jahren zur Verfügung. «Das gibt uns die Möglichkeit, neue Marken und Produkte ins Sortiment zu nehmen», sagt Holdener.

Das neue Odd-Fellows-Haus am Theaterplatz.

Odd Fellows Haus

Das neue Odd-Fellows-Haus am Theaterplatz.

Sozialen Kontakt stärken

Die Konkurrenz aus dem Internet mache es den Läden im heutigen Zeitalter schwierig, weiterhin zu bestehen. «Deshalb müssen wir etwas bieten, was das Internet nicht hat: Persönliche und kompetente Beratung aus eigener Erfahrung und ein spürbares Ambiente», sagt Stanco. Denn Konkurrenz habe auch sein Gutes: So sahen sich die zwei Outdoor-Experten gezwungen, sich in ein bisher unbekanntes Gebiet zu wagen und innovativ zu bleiben.

Nebst den Freizeit-Artikeln gibts deshalb neu auch Kaffee, Sandwiches, kalte Suppe oder gar Vollkorn-Sonnenblumenkern-Gipfeli. Und zwar im Café, das sich die Räumlichkeiten mit den Outdoor-Produkten teilt. Hinter der Theke im Ladeninneren steht eine Barista-Kaffeemaschine, die Platten des Tresens haben die Betreiber selbst verlegt. Dunkle Holztische und schwere Ledersessel verleihen dem Café ein industrielles Flair. An schönen Tagen werden Tische und Stühle auch draussen aufgestellt. «Das Café soll zum Verweilen einladen und den sozialen Kontakt zur Kundschaft stärken», sagt Holdener.

Damit eben nicht nur Reisende oder Wanderer ins Geschäft kommen, sondern auch Stadtbummler. «So kann man nach dem Kauf eines Rucksacks für eine Tour durch die Anden bei einem Kafi auch gleich die bevorstehende Reise planen», sagt Stanco. Die Betreiber erzählen auch gerne von ihren eigenen Reisen und geben ihre langjährige Erfahrung an ihre Kundschaft weiter. «Das Café ist unser zweites Herzstück», sagt Holdener. Trotzdem werde das Augenmerk weiterhin auf dem Verkauf von Freizeitartikeln liegen. Für den Betrieb haben die Ladenbesitzer eine zusätzliche Aushilfskraft angeheuert. Die Öffnungszeiten decken sich mit denjenigen des Ladens.

Grosse Vorfreude bei Kunden

«Es ist wirklich ein Glück, dass wir wieder zurück an diesen Standort konnten», sagt Mario Stanco. «Wir zahlen faire Mietpreise und die Lage ist hervorragend.» Der Austausch mit den Odd Fellows funktioniere sehr gut. «Der ganze Verein freute sich mit uns auf die Eröffnung», fügt Daniela Holdener an. Am vergangenen Samstag war es dann so weit: «Nach der ganzen Vorarbeit wurde es Zeit, dass endlich wir den Vorhang ziehen und unseren Kunden unsere ganze Arbeit zeigen konnten.» Die Freude der Ladenbetreiber ist spürbar. «Es ist ein schönes Gefühl, im fertigen Laden zu stehen und nicht mehr länger alle Pläne nur auf Papier zu haben», fügt Stanco an. «Vor allem weil wir sehr viel Herzblut in alles reingesteckt haben.» Die Vorfreude war auch bei den Kunden gross: «Wir mussten im Vorfeld schon fast Absperrungen aufstellen», sagt Stanco und lacht. «Die Kunden waren so gespannt, dass sie uns schon vor der Eröffnung fast die Türen einrannten.»

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