Untersiggenthal

«Im Alter von sieben Jahren habe ich einen Brief an Saddam Hussein geschrieben»

Grossrätin und Nationalratskandidatin Kim Schweri (Grüne).

Schon mit sieben Jahren bewies Kim Schweri ihren Sinn für Gerechtigkeit, indem sie an einen Diktator schrieb. Jetzt kandidiert die Untersiggenthalerin für die Grünen als Nationalrätin. Eine ihrer Stärken sei es, nicht nur bei ihrer eigenen Partei Gehör zu finden.

Das Interesse für Politik zeigte sich bei Kim Schweri schon früh: «Im Alter von sieben Jahren habe ich einen Brief an Saddam Hussein geschrieben», erzählt die Politikerin und lacht. Sie habe es ungerecht gefunden, dass die Bevölkerung unter seinem Regime so leiden musste. «Eigentlich wollte ich ihm einen vergifteten Apfel schicken, aber mein Mami meinte, das gehe nicht, weil er wahrscheinlich Vorkoster habe.» Wie sie den Brief damals adressiert hat, weiss die Untersiggenthalerin heute nicht mehr. Aber wie sie ihn in Begleitung ihrer Mutter einwerfen durfte, das vergesse sie nie. Jetzt kandidiert die 35-Jährige für die Grünen als Nationalrätin.

Schweris ausgeprägter Sinn für Gerechtigkeit prägt ihren Alltag auch im Erwachsenenalter: Lange hat sie mit Menschen mit Behinderung gearbeitet, heute ist sie im Verwaltungsrat der Spitex Limmat-Aare-Reuss tätig. Seit 2016 gehört sie zudem dem Grossen Rat an. Dort konnte sie sich in ihren drei Jahren Amtszeit schon einige Male einbringen. «Es ist schön, zu sehen, dass ich mit meinen Ideen etwas bewegen kann», sagt die Untersiggenthalerin. Auch als Präsidentin der Finanzkommission ihrer Wohngemeinde fühlt sie sich wohl: «Die Arbeit in der Gemeinde ist greifbar. Das Engagement kommt denen zugute, denen ich täglich begegne.»

Stimme für die Bevölkerung

Nicht nur privat und beruflich, sondern auch politisch will sich die Nationalratskandidatin für die Bevölkerung einsetzen. «Ich möchte da wirken, wo Leute ihre eigene Stimme nicht einbringen können.» Aber auch der Umweltschutz liegt ihr am Herzen: «Unsere Umwelt kann sich nicht selbst verteidigen, das müssen wir für sie übernehmen.» Nebst für die sozial und wirtschaftlich Benachteiligten sowie für die Umwelt will Schweri auch für Lohngleichheit und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie eintreten. Als Grossrätin ist sie verpflichtet, an den Sitzungen teilzunehmen. Längere Absenzen sind im Falle einer Mutterschaft aus praktischen und rechtlichen Gründen aber unumgänglich. Als Mutter eines bald zweijährigen Sohnes spürte die Untersiggenthalerin diesen Konflikt schon am eigenen Leib: Während des Mutterschaftsurlaubs hat Schweri ihren Sohn Noé einmal in den Grossen Rat mitgenommen. Zuerst wartete sie auf der Tribüne auf die Abstimmungen, dann nahm sie ihren schlafenden Buben im Tragtuch mit in den Saal. «Das störte zum Glück niemanden», sagt Schweri. Zu diesem Thema arbeitete sie eine Motion für eine Stellvertretungsregelung im Grossen Rat aus. Es ist ein Vorstoss, der nicht nur bei den Grünen Anklang findet: «Ich habe aus vielen Fraktionen Frauen gefunden, die die Motion mittragen.»

Das sei ein Beispiel dafür, weshalb sie in der Politik Erfolg habe: «Es gelingt mir, mehrheitsfähige Vorstösse auszuarbeiten.» In der Politik sei es essenziell, dass man alle Parteien für eine gute Sache begeistern kann und sich die Themen in die richtige Richtung entwickeln. Bereits in der Vergangenheit konnte Schweri beweisen, dass ihre Vorstösse bei allen Parteien Gehör finden: So findet nebst der Stellvertretungsregelung auch ihre Motion bezüglich eines Ausreisezentrums für Asylsuchende im Kanton Aargau bei vielen Anklang. «Meine Stärke ist, dass ich nicht nur mit meiner eigenen Partei zusammenarbeite, sondern auch mit Politikerinnen und Politikern aus allen Fraktionen.» Und das sei auch im Nationalrat wichtig. Denn: «Politik macht man niemals alleine.»

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