Baden

«Hope» vermietet sieben Wohnungen an Randständige

Daniela Fleischmann, Leiterin des«Hope», und Röbi Peter, Koch und Leiter der sogenannten Wohnexternate.

Daniela Fleischmann, Leiterin des«Hope», und Röbi Peter, Koch und Leiter der sogenannten Wohnexternate.

Das christliche Sozialwerk hat für elf Menschen ein Dach über dem Kopf gefunden – schwierig ist die Suche nach Vermietern.

Wer am Rand der Gesellschaft lebt, hat schlechte Karten bei der Wohnungssuche. Gassenleute, alleinerziehende Mütter, die Sozialhilfe beziehen, oder Menschen, die von der Invalidenrente leben, sind auf günstigen Wohnraum angewiesen. Eine bezahlbare Wohnung in Baden zu finden, ist schwierig.

Richtig kompliziert wird es, wenn Beitreibungen vorliegen. Um solchen Menschen unter die Arme zu greifen, mietet das «Hope» Wohnungen und vermietet diese weiter. Seit die ersten zwei Mieter im Februar 2014 in ihre Wohnungen gezogen sind, haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Sozialwerks für weitere neun Personen ein Dach über dem Kopf gefunden. «Das ist ein Erfolg», zieht Daniela Fleischmann, Leiterin des christlichen Sozialwerks, Bilanz, «denn das Vertrauen der Vermieter zu gewinnen, ist nicht einfach». Röbi Peter, der die sogenannten Wohnexternate leitet, geht auch auf die Vermieter zu: «Die Reaktionen sind unterschiedlich. Die einen blocken sofort ab. Bei anderen dürfen wir uns bewerben, erhalten die Wohnung aber trotzdem nicht», erklärt er. Erfolgreich war er bei der Genossenschaft Lägern Wohnen und bei den Verwaltungen Ambassador, Arealis und Roth Immobilien. Vier von den sieben Wohnungen sind in Baden, zwei in Wettingen und eine in Turgi.

Dass grosse Vorbehalte gegenüber Sozialhilfebezügern und Gassenleuten bestehen, kann Röbi Peter nur teilweise verstehen. «Es ist das Sozialwerk, das die Wohnungen mietet. Damit schaffen wir Sicherheit für Mieter und Vermieter», sagt er. Das Auswahlverfahren ist übrigens streng: Die Personen, die für eine Wohnung infrage kommen, leben zuerst ein halbes Jahr im Wohnzentrum. Wer sich für eine Wohnung bewirbt, muss bereit sein, mit dem «Hope» zusammenzuarbeiten – denn ohne Betreuung gibt es keine Wohnung. Die Bewerberinnen und Bewerber müssen über minimale Deutschkenntnisse, eine Aufenthaltsbewilligung und eine Privathaftpflichtversicherung sowie über einen Beistand oder Betreuer beim Sozialamt verfügen. Menschen mit Suchproblemen werden nicht vermittelt. Wie die az gestern berichtet hat, gib es im Kanton Aargau keine Auffangstation für Obdachlose oder Drogensüchtige.

«Unser System funktioniert einwandfrei. Wir garantieren den Mietzins und sind Ansprechpartner des Vermieters bei Schwierigkeiten», sagt Röbi Peter. Und Schwierigkeiten habe es bisher noch keine gegeben. Die Zusammenarbeit mit Mietern, Vermietern und Sozialämtern verlaufe sehr gut. «Sollte es Probleme geben, haben wir im Wohnheim ein Notfallzimmer.» Für Röbi Peter geht die Wohnungssuche weiter: Denn bereits drei Personen, die noch im Wohnzentrum leben, kommen für eine Wohnung infrage.

Das Miet-Projekt, das Ende 2013 mit einem NAB-Award von 15 000 Franken belohnt wurde, entstand quasi aus der Not heraus: Das Wohnzentrum des christlichen Sozialwerks, das Menschen in Not für sechs Monate ein Dach über dem Kopf bietet, platzte in den letzten Jahren aus allen Nähten, die Wartelisten waren lang. Durch den Erfolg mit dem neuen Projekt hat sich die Lage im Wohnheim etwas entspannt. «Wir haben im Moment sogar ein freies Zimmer», sagt Fleischmann. Das könne sich aber schnell ändern.

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