Murihof in Wettingen

Historisches Bauernhaus teilweise abgerissen: Das Strafverfahren läuft

1640 vom Kloster Muri gebaut: Der Murihof in Wettingen.

1640 vom Kloster Muri gebaut: Der Murihof in Wettingen.

Der schützenswerte Murihof in Wettingen steht neun Monate nach dem unbewilligten Teilabriss immer noch leer. Wann die Bauarbeiten für die Neubauten beginnen, ist unklar. Einige Wohnungen seien aber bereits verkauft, sagt der zuständige Immobilienvermittler.

Der Ärger und das Unverständnis waren gross bei Behörden, Denkmalschützern und Anwohnern: Im vergangenen Oktober wurde der historische Murihof an der Wettinger Dorfstrasse zu grossen Teilen ohne Bewilligung abgerissen.

Lange war unklar, wie es beim Murihof weitergeht. Seit dieser Woche nun liegt ein Abbruchgesuch bei der Bauverwaltung im Wettinger Rathaus auf. Allerdings geht es im Gesuch allein um die nachträgliche Abbruchbewilligung für den Anbau aus dem 19. Jahrhundert, der nicht schützenswert war und bereits komplett verschwunden ist.

Das Bauernhaus selbst stammt aus dem Jahr 1640 und ist als schützenswertes Gebäude im Wettinger Bauinventar eingetragen. Es steht damit nicht unter Denkmalschutz, darf aber auch nicht ohne Bewilligung abgerissen oder verändert werden. Bereits drei Jahre vor dem Abbruch hatte der Aargauer Heimatschutz gegen das Baugesuch Einsprache erhoben, laut dem der Murihof umgebaut und daneben zwei Neubauten erstellt werden sollten. Zusammen mit der Gemeinde wollte man eine Lösung finden, um den Hof sanft zu sanieren. So weit kam es nicht, die Abrissmaschinen waren schneller. Der Bauherrschaft – der Firma Atai AG mit Sitz in Zug – wurde im Herbst nach einem sofort verfügten Baustopp eine Frist von 20 Tagen gegeben, um eine Stellungnahme einzureichen und die Überreste des Gebäudes vor dem Winter wetterfest zu schützen.

In der Folge wurde eine provisorische Bretterwand hochgezogen, die das Haus bis heute teilweise schützt. Rundherum liegen immer noch Trümmer vom Abbruch, eine Ecke des Hauses steht offen. Die Gemeinde Wettingen erstattete im Dezember bei der Staatsanwaltschaft Strafanzeige wegen des Abbruchs.

Umbau des Murihofs ist weiter blockiert

Wie Gemeindeschreiber Urs Blickenstorfer mitteilt, ist immer noch unklar, wie es weitergeht: «Das nachträgliche Abbruchgesuch betrifft den später erstellten, bereits abgerissenen östlichen Teil der Liegenschaft und ist gemäss den Sondernutzungsvorschriften Gestaltungsplan Dorf vorgeschrieben.» Der Entscheid über einen Wiederaufbau, eine Rekonstruktion oder einen eventuellen Neubau sei im Rahmen des laufenden Verfahrens ausstehend, sagt Blickenstorfer. Der Umbau des Murihofs ist somit weiter blockiert, der Fall liegt bei der Staatsanwaltschaft. Das Strafverfahren läuft, wie Elisabeth Strebel von der Staatsanwaltschaft auf Anfrage bestätigt.

Hinter dem Murihof wurde derweil das Fundament für die beiden geplanten Neubauten betoniert. Für diese lag die Baufreigabe im letzten Herbst vor, dort hätte die Bauherrschaft bauen dürfen. Wie ein Vertreter der Bauherrschaft auf Nachfrage sagt, sollen die Baumeisterarbeiten für die Neubauten im Laufe des Septembers losgehen. Der verbliebene Murihof soll später mit einem neuen Anbau im gleichen Erscheinungsbild erweitert werden, wie er zuvor aussah.

Laut dem Vertreter war die abgebrochene Substanz des Gebäudes nicht mehr zu retten. Im Haus hätten sich Hausschwamm und Schimmel ausgebreitet. Die abgebrochenen Gebäudeteile hätten nicht zum schützenswerten Bestand gehört, sagt er. Auch der Dachstock der Scheune sei nicht in der Entstehungszeit des Murihofs, sondern erst im 19. Jahrhundert entstanden.

Wer steht hinter dem Bauprojekt?

Die Zuständigkeiten bei den Vorgängen rund um den Murihof sind mehr oder weniger undurchsichtig. Rolf Hunziker aus Suhr, der im Handelsregister als einziger Zeichnungsberechtigter für die Atai AG eingetragen ist, betont auf Nachfrage, er sei nur Verwaltungsrat der Firma und wolle zudem seine Anteile jetzt abgeben. Zum Bauprojekt habe er keine Detailkenntnisse gehabt.

Laut dem Wettinger Immobilienvermittler Max Selinger, der für die Vermarktung zuständig ist, seien einige Neubauwohnungen bereits verkauft, der Verkauf laufe weiter. Ob die Bauarbeiten tatsächlich bald beginnen, dürfte auch mit der Bewilligung für das jetzt vorliegende Gesuch zusammenhängen. Dem Vernehmen nach wird es dagegen Einsprachen aus der Nachbarschaft geben. Das Gesuch liegt noch bis zum 19. August öffentlich auf.

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