Letztes Wochenende eroberte der Badener Boxer Ando Hakob in Genf den Schweizer-Meister-Titel. Er schlug Cedric Kassongo nach Punkten. Mit diesem Sieg schrieb der Boxer aus Baden Schweizer Boxgeschichte: Noch nie war um eine Schweizer Meisterschaft im Super-Leichtgewicht geboxt worden.

Die Anzeichen standen nicht von Anfang an auf Sieg. Mit sieben Jahren war er mit seiner Familie aufgebrochen, um in Westeuropa eine bessere Zukunft zu finden. Ihr Weg führte sie über Weissrussland, Polen, Deutschland, Frankreich und Spanien. Erst im Jahr 1999 brachte der Zufall die Familie nach Genf und anschliessend nach Muri (AG). Schliesslich landeten sie in Ennetbaden und konnten dort Fuss fassen.

Die Erinnerungen an diese Zeit auf der Wanderschaft haben sich bei Hakob fest eingegraben. «In Polen lebten wir zu fünft auf zehn Quadratmetern, die Wände waren voller Schimmel, und die Kakerlaken waren überall. Ich kann mich an jedes Detail von dieser Unterkunft zurückerinnern. Wenn ich mich heute über etwas beschweren möchte, muss ich einfach an dieses Zimmer zurückdenken. Gleichzeitig ist dieses Erlebnis ein Treiber für mich: Ich will nie mehr in einer solchen Situation sein», betont Hakob.

Neben der Schule und seiner KV-Lehre bot der Sport Möglichkeiten, sich zu integrieren und Erfolge zu erringen. «Im Boxen habe ich mein Talent entdeckt. Schon bald wusste ich, dass in diesem Sport richtig gut werden kann. Ich habe dann meinen Fokus im Boxsport auf die Technik gelegt. Ich will meinen Zuschauern immer eine aussergewöhnliche Performance bieten», sagt Hakob.

Nächster Kampf steht schon an

Nach dem Erfolg in Genf soll das Jahr 2018 nun das Sprungbrett für die internationale Bühne sein. Mit dem Wohler Alfred Kqira (3 Kämpfe, 3 Siege) und Alain Chervet (17 Kämpfe, 14 Siege) sind zwei weitere Schweizer Profis im Super-Leichtgewicht aktiv. Ein Highlight wäre der Kampf gegen Alain Chervet. Dieser könnte sich zum ersten Mal einen Schweizer-Meister-Gürtel umschnallen und zweitens Revanche für seine Niederlage gegen Hakob bei den Amateuren nehmen.

Zuvor muss jedoch ein Holländer bezwungen werden. Diesen Samstag wird Ando im Sportzentrum Pfaffenholz in Saint-Louis seinen elften Profikampf bestreiten. Sein Gegner ist der Holländer Innocent Anyanwu, der in Amsterdam lebt und ein eindrückliches Palmarès aufweist: 55 Kämpfe, davon 25 Siege, 27 Niederlagen und 3 Unentschieden. Zudem konnte er nur fünfmal vorzeitig besiegt werden. Für internationales Aufsehen sorgte der Holländer, als er den in England trainierenden Florin Cardos damals mit 14 Kämpfen ungeschlagen und aktuell die Nummer 125 der Welt vorzeitig besiegte.

Eine Niederlage wäre für den Boxer aus Baden ein herber Rückschlag und würde das Schweizer Jahr mit einem grossen Kampf gegen Alain Chervet aus Bern und damit auch der Sprung an die Weltspitze infrage stellen. (az)