Würenlos

Grosse Hilfsbereitschaft: Möbel aus der halben Schweiz für Asylsuchende im «Wiemel»

Inzwischen leben 26 Asylsuchende im Wiemel. Die Bevölkerung zeigt nicht nur Hilfsbereitschaft bei materiellen Gütern. (Archiv)

Inzwischen leben 26 Asylsuchende im Wiemel. Die Bevölkerung zeigt nicht nur Hilfsbereitschaft bei materiellen Gütern. (Archiv)

Mit einem Aufruf hat die Gemeinde Würenlos Möbel für die Asylunterkunft im «Wiemel» gesucht. Die Resonanz war nicht nur in der Gemeinde riesig.

Anfang Februar machte die Gemeinde Würenlos einen Aufruf und suchte nach Möbeln für die Asylunterkunft in der Zivilschutzanlage Wiemel.

Doch statt nur zwei Sofas, Sessel und Salontischchen sowie eine Festgarnitur, wie die Gemeinde suchte, erhielt Ernst Habegger, Mitarbeiter der Bauverwaltung, ein «überwältigendes Angebot an Möbeln aus der halben Schweiz», wie Habegger erzählt.

«Die Hilfsbereitschaft der Leute ist sensationell.» Habegger war fast zwei Tage nur damit beschäftigt, auf Angebote zu antworten – und dankend abzulehnen. Dabei habe es sicher auch Angebote gegeben, bei denen die Leute lediglich froh gewesen wären, ihre alten Möbel loszuwerden. «Aber bei den meisten stand die Hilfsbereitschaft klar im Vordergrund.»

Bereits als die Unterkunft 2016 in Betrieb genommen wurde, sei die Solidarität der Bevölkerung gross gewesen, erinnert sich Habegger. «Überhaupt machen wir gute Erfahrungen mit solchen Aufrufen – beispielsweise auch für den Jugendtreff.» In Zeiten, in denen die Gemeinden sparen müssten, biete sich dieses Vorgehen an, ist Habegger überzeugt.

Inzwischen leben 26 Asylsuchende im Wiemel. Die Bevölkerung zeigt nicht nur Hilfsbereitschaft bei materiellen Gütern. Seit einigen Wochen organisieren Würenloserinnen und Würenloser regelmässig am Sonntagnachmittag einen Treff im «Wiemel».

«Sie lernen mit den Asylsuchenden auf spielerische Art Deutsch und helfen bei den Hausaufgaben», sagt Gemeindeschreiber Daniel Huggler. Es handle sich um ein ehrenamtliches Engagement, das aus der Bevölkerung heraus entstand.

Jeweils sieben bis zehn Asylsuchende würden an den Treffen teilnehmen. «Da die Warteliste des Kantons für Deutschkurse sehr lang ist, wollen wir versuchen, ergänzend ein Angebot in der Gemeinde auf die Beine zu stellen.»

Denn die Sprache sei die erste Hürde bei der Integration. «Letztlich können wir auf diese Weise Hand bieten, damit Asylsuchende, die eine Aufenthaltsbewilligung erhalten, den Weg in den Arbeitsmarkt finden und nicht von Sozialhilfe leben müssen.»

Beschäftigungsprogramm geplant

Die Gemeinde will denn auch ein Beschäftigungsprogramm im Bereich Littering organisieren. «Wir führen derzeit Gespräche mit der verantwortlichen Betreuungsfirma ABS, um abzuklären, wie wir ein solches Programm organisieren können», sagt Huggler.

Das Beschäftigungsprogramm müsse mit den personellen Ressourcen der Gemeinde tragbar sein und idealerweise müssten abwechselnd mehrere Asylsuchende daran teilnehmen können, sagt Huggler.

Seit die Unterkunft in Betrieb genommen wurde, habe es keine Beanstandungen oder negativen Meldungen gegeben, sagt Huggler. Für Diskussionen sorgten einzig im vergangenen Dezember die Mietkosten, welche die Betreuungsfirma ABS einem vorläufig Aufgenommenen verrechnete, der einer Arbeit nachging.

550 Franken musste er der Firma für Unterbringung und Betreuung zahlen, wobei die Mieteinnahmen an die Gemeinde weitervergütet wurden. «Dem Gemeinderat war dieser Mietzins zu viel für eine unterirdische Unterkunft, wie die Zivilschutzanlage es ist.» Deshalb hat der Gemeinderat mit der Firma ABS einen neuen Mietzins inklusive Betreuungskosten von 345 Franken festgelegt.

Meistgesehen

Artboard 1