Hirsebreifahrt

Geri Müller empfängt mit Kutsche und Kostüm Zürcher Stadtrat

Alle zehn Jahre wiederholt eine Zürcher Delegation die Hirsebreifahrt von 1456, die auf dem Wasserweg ins Elsass führt. In Baden haben die Bootpassagiere, darunter Zürichs Stadtpräsidentin Corine Mauch, gestern einen Halt gemacht. Stadtammann Geri Müller empfing sie, wie es die Tradition verlangt, in historischem Kostüm. Per Kutsche wurden die Politiker vom Stauwehr Aue in die Stadt gefahren.

Empfang im Kostüm

Alle zehn Jahre wiederholt eine Zürcher Delegation die Hirsebreifahrt von 1456, die auf dem Wasserweg ins Elsass führt. In Baden haben die Bootpassagiere, darunter Zürichs Stadtpräsidentin Corine Mauch, gestern einen Halt gemacht. Stadtammann Geri Müller empfing sie, wie es die Tradition verlangt, in historischem Kostüm. Per Kutsche wurden die Politiker vom Stauwehr Aue in die Stadt gefahren.

Auf ihrer traditionellen Hirsebreifahrt ins Elsass wurde die Zürcher Delegation bei ihrem Zwischenstopp in Baden vom Stadtrat und der Zunft zur St. Cordula empfangen. Wie es die Tradition verlangt, trugen alle Beteiligten historisches Kostüm.

Alle zehn Jahre wird jener legendären Flussschifffahrt gedacht, die 1456 einige Zürcher Zünfter und Schützen auf dem Wasserweg nach Strassburg brachte.

Die Zürcher waren mit ihren reformierten Bündnispartnern aus dem Elsass die Wette eingegangen, im Falle von Kriegswirren innerhalb nur eines Tages zu Hilfe eilen zu können.

Den Beweis erbrachten sie mit einer Bootsfahrt zu einem Strassburger Schützenfest, wobei der mitgebrachte Hirsebrei bei der Ankunft immer noch warm war – Beweis genug, dass die Fahrt nicht lange gedauert haben konnte.

Ankunft eines Bootes beim Badener Aue-Stauwehr

Ankunft eines Bootes beim Badener Aue-Stauwehr

Am Mittwochmittag startete die 30-köpfige Mannschaft mit 54 Passagieren an Bord – darunter auch die Zürcher Stadträte – mit vier Schiffen zur traditionellen Hirsebreifahrt.

Weil im Gegensatz zum Mittelalter auf der Limmat inzwischen viele Hindernisse im Weg stehen wie Wehre, Kraftwerke und Schleusen, muss die Fahrt immer wieder unterbrochen werden, so auch in Baden.

Kurz vor halb sechs Uhr traf die Delegation beim Stauwehr Aue ein, wo sie mit Böllerschüssen, von der Badener Zunft zur St. Cordula und vom Badener Stadtrat empfangen wurde.

Sämtliche Beteiligte waren in historischem Kostüm gekleidet, was dem Anlass eine ebenso würdige wie lockere Note verlieh. In seiner Stimmung erinnerte der Hirsebreifahrer-Empfang ein klein wenig an das Zürcher Sechseläuten.

Umzug in der Stadt mit Trommelmusik

Umzug in der Stadt mit Trommelmusik

Erstmals in der Geschichte der traditionellen Schifffahrt machte der Zürcher Stadtrat am Mittwoch nicht bloss einen kurzen Halt in Baden, sondern übernachtete gar in der Stadt.

Als einziges Regierungsmitglied war André Odermatt (SP) in Zürich zurückgeblieben, um das Stadthaus zu hüten.

So begaben sich die Hirsebreifahrer von der Aue über die Holzbrücke via Stadthaus zum Cordulaplatz, wobei der Badener Stadtammann Geri Müller (Team/Grüne), die Zürcher Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) sowie St. Cordula-Zunftmeister Mario Delvecchio in den Genuss einer Kutschenfahrt kamen.

Zusammenkunft auf dem Badener Cordulaplatz

Zusammenkunft auf dem Badener Cordulaplatz

Auf dem Cordulaplatz hielten Geri Müller und Corine Mauch je eine kurze Ansprache. Müller erinnerte daran, dass es keine Selbstverständlichkeit sei, dass die Zürcher wie diesmal in freundschaftlicher Gesinnung nach Baden kämen; er nahm damit Bezug auf das Jahr 1712, als die Zürcher das Badener Schloss Stein beschossen und zur Ruine machten, die sie heute noch ist.

Balsam für die Badener Seele waren die Worte Corine Mauchs, die ihr Unverständnis darüber äusserte, dass Baden in einem kürzlich publizierten Städteranking hinter Aarau zurückfiel. Sie habe in Aarau die Kantonsschule besucht und wisse darum, wovon sie spreche, sagte sie, wofür die Zuhörer sie mit Applaus bedachten.

So wie die Ansprachen von Leichtigkeit geprägt waren, wird der gesamte Hirsebreiempfang als fröhlicher Anlass in Erinnerung bleiben.

Wiewohl die Chronisten nicht mehr an der anschliessenden Zusammenkunft der Hirsebreifahrer, Zünfte und Stadträte im Bäderquartier zugegen waren, so darf davon ausgegangen werden, dass es dort so zu und herging, wie ein Zünftler vor dem Abmarsch unverblümt zu Protokoll gab: «Wir werden jetzt Wein trinken und Sprüche klopfen.»

Einen Wermutstropfen mussten die Hirsebreifahrer am Abend hinnehmen: Der hohe Wasserstand der Limmat verunmöglicht morgen Donnerstag die Weiterfahrt per Boot.

Zu gefährlich wären die Passagen bei den Wehren. Die Boote werden darum per Lastwagen nach Rheinfelden gebracht, erst dort wird die Reise als Schifffahrt fortgesetzt. Am Samstag wird die Zürcher Delegation im Elsass erwartet. (pkr)

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