Werner Scherer ist kein Mann fürs Gewöhnliche. Im Mai wollte der SVP-Grossrat Präsident des Aargauer Staatspersonalverbands werden – normalerweise eigentlich ein Posten für Personen linker Gesinnung. Tatsächlich wurde Scherer das Amt verwehrt, für die Personalvertreter war er in der falschen Partei. Ein «Sargnagel» wäre es gar für den Verband, ihn zu wählen, sagte damals der Aargauer Oberrichter Viktor Egloff.

Werner Scherer ist seit 2014 Gemeindeammann von Killwangen und sitzt seit 2017 für die SVP im Grossen Rat. Er wird nach der laufenden Legislatur nicht mehr als Gemeindeammann antreten, das hat er bereits mehrfach kommuniziert. Sein Rücktritt könnte jetzt aber schon viel früher kommen, denn Werner Scherer kandidiert für das Gemeindepräsidium von Märstetten im Kanton Thurgau.

Die Findungskommission der Gemeinde Märstetten hat ihn als einen ihrer zwei Favoriten bereits im Juni der Bevölkerung vorgestellt, in seiner Gemeinde hat er kürzlich über sein Vorhaben informiert. Der erste Wahlgang in Märstetten findet am 25. November statt, der zweite am 10. Februar 2019, Amtsantritt für den neu gewählten Gemeinderat und den Gemeindepräsidenten ist am 1. Juni 2019. In Killwangen dauert die Legislatur aber noch bis zum 31. Dezember 2021.

Der einzige auswärtige Kandidat

Werner Scherers Gegner sind SVP-Grossrat Andreas Zuber aus Märstetten und die parteilose Märstetter Gemeinderätin Susanne Vaccari-Ruch. Letztere wurde von der Findungskommission nicht vorgeschlagen, kandidiert aber trotzdem. Scherer ist der einzige Auswärtige. Wie ursprünglich 14 weitere Interessierte hat er sich für das Amt quasi beworben. Er war nie in Märstetten wohnhaft, sein Bezug zur Gemeinde limitiert sich auf seine aktive Militärzeit und darauf, dass er Bekannte und Verwandte in der Gegend hat.

Würde er gewählt, könnte er in einem Pensum von 100 Prozent das Gemeindepräsidium ausüben und wäre Geschäftsführer der Technischen Gemeindewerke. Diese Kombination habe einen hohen Stellenwert beim Entscheid für seine Bewerbung gehabt, sagt er. Er könne sein Wissen und seine Erfahrung der letzten Jahre in Killwangen gut nutzen und einsetzen.

Satt habe er Killwangen aber keineswegs, sagt Werner Scherer. «Als Killwanger Ortsbürger liegt mir Killwangen am Herzen und ich stehe ein für das Wohl der Einwohner, dies als jetziger Gemeindeammann und künftig auch als Werner Scherer», betont er. Er werde sein Amt in Killwangen bis zum Ende mit «sehr viel Herzblut» ausüben, die Zusammenarbeit mit seinen Kollegen, Mitarbeiterinnen und der Bevölkerung gefalle ihm immer noch gut. Aber: Wichtige Projekte, wie etwa das Schulhaus, die Gemeindefusion oder verschiedene Überbauungen, seien unter Dach und Fach, verworfen worden oder stünden kurz vor dem Abschluss und darum sei es für ihn an der Zeit, neue Projekte zu starten und sich neuen Herausforderungen zu stellen. Dabei sei es nicht zwingend, dass er weiterhin Gemeindepräsident sei, «wie bei allem im Leben müssen verschiedene Faktoren erfüllt sein», sagt er.

Rücktritt derzeit kein Thema

Werner Scherer bleibt den Killwangern und dem Kanton Aargau aber so oder so noch eine Weile erhalten. Grundsätzlich gilt im Thurgau Wohnsitzpflicht für vom Volk gewählte Personen, allerdings kann nach der Wahl eine angemessene Übergangsfrist dafür festgesetzt werden. «Bei einer allfälligen Wahl werde ich innerhalb der Frist über meinen Wohnsitz entscheiden», sagt Scherer. Das Verlassen des Grossen Rates stehe für ihn deswegen momentan nicht zur Diskussion.