Das Bundesgericht hat eine Beschwerde von VCS und WWF Aargau gegen das 36,5-Millionen-Franken-Projekt gutgeheissen. Was heisst das für Mellingen?

Bruno Gretener: Abwarten und Tee trinken! Nein, im Ernst: Ein Stück weit haben wir damit gerechnet, dass es so weit kommt, denn wir tauschen uns regelmässig aus mit dem Kanton. So auch am Mittwoch, als die Beschwerdeführer das Urteil publik machten. Da wir aber nicht Bauherr sind, können wir leider nicht sehr viel tun.

Verspüren Sie Wut gegenüber den Beschwerdeführern?

Das nicht. Aber ich finde es sehr scheinheilig, wenn der VCS und der WWF Aargau sagen, dass sie die Umfahrung nicht verhindern, sondern sich für ein umweltverträgliches Projekt einsetzen wollen. Doch das ist es nach unserer Meinung bereits. Bisher haben diese beiden Verbände noch keinen konstruktiven Vorschlag eingebracht. Mein Gefühl sagt mir, dass sie die Umfahrung vielmehr aus ideologischen Gründen gänzlich verhindern wollen.

Ist es nicht auch im Interesse der Bevölkerung, dass man eine umweltverträgliche Lösung findet?

Selbstverständlich und es sind ja auch zahlreiche Aufwertungsmassnahmen geplant, die die unvermeidbaren Eingriffe bei einem solchen Projekt mehr als kompensieren. Leider wird dies von VCS und WWF Aargau aber nie erwähnt und entsprechend anerkannt.

Nun muss der Kanton das Projekt erneut überarbeiten. Was halten die Mellinger von diesem Hin und Her?

Ein Grossteil der Bevölkerung versteht nicht, wie man das Projekt derart verhindern und verzögern kann. Nur noch wenige haben Verständnis für die Anliegen der Beschwerdeführer.

Weil täglich rund 17 000 Fahrzeuge mitten durch die Altstadt fahren und diese Zahl in Zukunft noch weiter ansteigen wird?

Ja, der Zustand im Städtli ist schon lange nicht mehr tragbar. Doch mittlerweile glauben viele Mellinger gar nicht mehr daran, dass es mit der Umfahrung überhaupt einmal klappen wird.

Das Leben geht aber trotzdem weiter. So schlimm kann es ja gar nicht sein mit dem Verkehr.

Das sehen wir ganz anders. Gerade in den Hauptverkehrszeiten staut sich der Verkehr bis weit vor die Stadttore. Leider sinkt dadurch auch die Aufenthalts- und Lebensqualität in unserem wunderschönen Städtli und die geplante Aufwertung der Hauptgasse kann nicht umgesetzt werden. Das ist mehr als bedauerlich. Es wünschen sich viele, dass VCS und WWF Aargau auch einmal an die im und ums Städtli wohnenden Menschen denken würden, statt die längst nötige Realisierung der Umfahrung weiterhin mit unehrlichen Begründungen zu blockieren.

Haben Sie noch Hoffnung, dass das im Jahr 2011 vom Volk genehmigte Projekt realisiert wird?

Ich bin immer noch zuversichtlich, ja! Denn entgegen der Meinung der Umweltverbände glaube ich nicht, dass sich das Projekt wieder auf Feld Eins befindet. Die Regierung wird nun das Projekt bearbeiten und bis Anfang 2017 für die umstrittenen Punkte gute Lösungen finden.

Was macht die Gemeinde in der Zwischenzeit?

Wir werden am kommenden Montag an der Gemeinderatssitzung die Lage analysieren und schauen, wie wir den Kanton bei der Ausarbeitung – soweit es uns möglich ist – unterstützen können.