Die Meldung sorgte vor gut zwei Jahren für Aufsehen: Die Gemeinde Wettingen führte im Februar 2016 im gesamten Siedlungsgebiet eine Leinenpflicht für Hunde ein. Schnell formierte sich Widerstand. Die neu gegründete «IG Hundehalter Wettingen» legte Einsprache ein und argumentierte, eine artgerechte Haltung nach dem Tierschutzgesetz sei so nicht möglich.

Wenn Hunde nicht auch einmal frei laufen oder mit Artgenossen spielen dürften, leide ihr Sozialverhalten. Wettinger Hundehalter hätten zwangsläufig ins Eigi, ins Tägerhard oder in andere Gemeinden ausweichen müssen.

Jetzt geht der Gemeinderat auf die IG Hundehalter zu: Ihre Einsprache wird teilweise gutgeheissen. In der Ratssitzung vom 25. Juli wurden neue Zonen ausgewiesen, in denen die Leinenpflicht gelten soll. Dazu zählen alle Wettinger Schul- und Sportanlagen sowie Spielplätze.

Das Klosterareal und der Friedhof Brunnenwiese sollen ebenfalls «Leinenzonen» sein, genauso wie die Sportanlage Altenburg und auch der angrenzende Gottesgraben und der Bächliweg. Vorfälle an diesen beiden Spazierwegen waren nämlich die Auslöser für die Pläne des Gemeinderates.

Hier gab es immer wieder Reklamationen von Anwohnern wegen Hundekot oder freilaufender Hunde. Die grösste nun vorgesehene Zone mit einer Leinenpflicht ist aber das Zentrum zwischen Zentralstrasse und Schartenstrasse, von der Grenze zu Baden bis hin zur Märzengasse und zur Halbartenstrasse.

Willkommene Hundewiese

Ist jetzt alles gut? Auf Facebook schreibt die IG: «Der Gemeinderat hat entschieden: Jein zur Leinenpflicht!» Mitgründer Leonardo Curcuruto ist nur bedingt zufrieden. Für ihn ist es völlig klar, dass es rund um die Schulhäuser, Kindergärten und Spielplätze eine Leinenpflicht geben muss.

Auch für die Zone am Gottesgraben und am Bächliweg hat er Verständnis, denn diese beiden Fusswege dienen als Schulweg zum Altenburg-Schulhaus.

Dass es nach wie vor eine grosse Zone im Zentrum geben soll, in der die Hunde ebenfalls an die Leine müssen, irritiert Curcuruto: «Es ist ja logisch, dass man Hunde an viel befahrenen Strassen oder auf gut besuchten Plätzen nicht frei laufen lässt.» Er sagt, er habe grundsätzlich Mühe mit flächendeckenden «Leinenzonen» und appelliert viel mehr an die Eigenverantwortung der Hundehalter.

Was bei vielen Hundebesitzern sehr gut ankommt, ist der Plan einer eigenen Hundewiese in Wettingen. «Das finde ich ein tolles Angebot», sagt Curcuruto. Ein Platz dazu muss aber erst noch gefunden werden. Für dieses Angebot und die teilweise Aufhebung der Leinenpflicht bedankt sich die IG Hundehalter explizit auf Facebook beim Gemeinderat.

Zum Vergleich: Im Aargau ist die absolute Leinenpflicht keine Seltenheit. In der Kantonshauptstadt Aarau etwa gibt es diese schon seit Jahren. Die Stadtpolizei weist dort uneinsichtige Hundehalter auf ihr Fehlverhalten hin, bei notorischen Wiederholungstätern verteilt sie Bussen von 100 Franken. Auch rund um den Hallwilersee herrscht seit 2009 Leinenpflicht. Sie wurde eingeführt, weil dort wiederholt Jogger von Hunden belästigt oder gebissen wurden.

«Ein guter Kompromiss»

Gemeindeammann Roland Kuster (CVP) sagt zum Beschluss: «Das Gespräch mit der IG Hundehalter war konstruktiv.» Das nun vorliegende Ergebnis entspreche in weiten Teilen auch den Anliegen der IG Hundehalter. «Die in Aussicht genommene Lösung ist in den Augen des Gemeinderates ein guter Kompromiss.» Der Entscheid des Gemeinderates sei aber noch nicht rechtskräftig. Im Sinne eines laufenden Verfahrens stünde den Parteien der Rechtsmittelweg noch offen.

Ob er gegen den Entscheid Beschwerde einlegen werde, will sich Leonardo Curcuruto noch überlegen. Denn: «Ich befürchte, dass das Beispiel Wettingen mit flächendeckenden Leinenzonen landesweit Schule machen könnte.»