Musik ist ein faszinierendes Phänomen. Schwingungen erzeugen Töne, die wir Menschen beliebig aneinanderreihen und so Melodien erschaffen. Die einen kreieren solche Töne durch das Vibrierenlassen von Saiten, andere, indem sie den Strom der Luft beeinflussen. So entlockt auch Jörg Frei seinem Instrument die Klänge: Der 60-Jährige ist begnadeter Panflötenspieler.

«Viele denken, auf einer Panflöte spielt man nur Weihnachtslieder. Dabei kann ich damit so viel mehr», sagt er augenzwinkernd. Entgegen der allgemeinen Annahme sei das Instrument nämlich sehr vielseitig: Frei hat sein Instrument schon mit Schweizer Folklore, einem Didgeridoo oder gar Heavy Metal gepaart.

Um die Panflöte aber so vielseitig nutzen zu können, braucht es viel Übung. «Bei einem Klavier muss man nur eine Taste drücken, um ihm den Ton zu entlocken. Bei der Panflöte muss man ihn selber erschaffen.» Dies, indem man die Lippen spitzt und die Luft am Mundstück entlangströmen lässt. In den unterschiedlich langen Bambusrohren erzeugt die hineinströmende Luft dann die verschieden hohen Töne. «Nach etwa einem Jahr Üben schafft man einfache Melodien.»

Seit den Anfängen mit dabei

Die Leidenschaft für die spezielle Flöte gibt Frei seit 35 Jahren weiter. Mittlerweile unterrichtet er sowohl in Baden als auch in Bern, Basel und Langnau am Albis. Mit seinen knapp 100 Schülern leitet er auch alljährliche Konzerte. Die nächsten Konzerte finden am Sonntag, 12. Mai, ab 17 Uhr in der Katholischen Kirche in Nussbaumen AG und am Freitag, 24. Mai, ab 17 Uhr im Kantonsspital Baden statt.

Eine dieser Schülerinnen ist Karin Blaser. Sie ist praktisch seit den Anfängen mit dabei und hat seither kein einziges Konzert verpasst. Zu ihrem Hobby fand die 82-Jährige im Jahr 1988. Dabei hatte diese Zeitung sogar ihre Finger mit im Spiel: «Ich bin durch ein Inserat im Badener Tagblatt auf die Panflöte gestossen», erzählt die Untersiggenthalerin und lacht. «Damals gefiel mir, dass das Instrument klein und handlich ist. Ich konnte es überall hin mitnehmen.» Auch jetzt noch übe sie fleissig. Auch wenn sie gerne etwas mehr Zeit dafür hätte.

Das Üben zahlt sich aber aus. Gemeinsam spielen Blaser und Frei das Stück «Halleluja». Während des gesamten Lieds fällt Freis Blick nicht eine Sekunde lang auf die Noten, seine Lippen bewegen sich automatisch an den Rohren entlang. Ein Radio mimt die Begleitung, die Flötisten schwingen ihre Körper sanft zur Musik mit, die Melodie ist gefühlvoll. Wie das zarte Instrument mit Heavy Metal gepaart werden soll, wirkt in diesem Moment schleierhaft.

Auftritt von 450 Panflötisten

Ebenfalls unvorstellbar wirken die beiden grösseren Konzerte, an denen Frei mitgewirkt hat. Einerseits ist das ein Auftritt von 450 Panflötisten im Zürcher Hauptbahnhof, andererseits ein Benefiz-Konzert mit 330 Panflötenspielern im Grossmünster in Zürich. Um eine Übersicht über all die Spielenden zu erhalten, benötigte Frei zum Dirigieren eine Hebebühne. «Das war schon eine Herausforderung», erzählt der Panflötist lachend. Der Aufwand habe sich im Nachhinein aber gelohnt: «Wenn so viele Menschen mit der gleichen Leidenschaft zusammenkommen, ist das ein sehr schöner Moment für mich.»

Freis Panflöte stammt übrigens aus seinen eigenen Händen. 2015 übernahm er das Dajoeri-Atelier in Langnau. Ursprünglich erlernte der 60-Jährige den Beruf des Orgelpfeifenmachers. «Die Bauweisen sind sich ähnlich, deshalb konnte ich mein Handwerk übertragen.» Eine einzige Panflöte nimmt dabei bis zu 25 Stunden Arbeit in Anspruch. Damit den Bambusrohren Töne entlockt werden können, müssen die Rohre intoniert, also richtig in Form und Position gebracht werden. Im Anschluss daran schleift Frei die einzelnen Rohre und Mundstücke so lange, bis sie denn die gewünschten Töne freigeben und solch gefühlvolle Melodien entstehen können.