Die Tage des Pfyfferhuus am Bahnhof Wettingen sind gezählt: Seit zwei Jahren besitzt die KMP Architektur AG eine rechtsgültige Abbruchbewilligung. Nun macht sie von diesem Recht Gebrauch und bricht das Haus ab. Sie plant auf dem Areal ihren neuen Geschäftssitz.

Das Vorhaben war schon vor zwei Jahren bei breiten Bevölkerungskreisen auf wenig Gegenliebe gestossen. Doch die rechtlichen Versuche, die Abbruchbewilligung zu verhindern führten nicht zum Erfolg. Im Rahmen des laufenden Baubewilligungsverfahrens ist der Widerstand gegen den Abbruch wieder aufgeflammt.

Offener Brief gegen Abbruch

In einem Brief fordern nun rund ein Dutzend Personen, darunter Vertreter der Quartiervereine, die Bauherrin nochmals auf, ihr Projekt zu ändern und das Haus stehen zu lassen. «Die Zerstörung dieses für Wettingen unverzichtbaren Kulturguts ist für uns unakzeptabel», schreiben sie.

Mit ihrem Brief wollen sie zeigen, dass die Zerstörung von wertvollen, inventarisierten Kulturgütern von der Bevölkerung nicht einfach so hingenommen werde, denn: «Es gibt genug alte Häuser, die bedenkenlos abgerissen werden können, ohne dass jemand protestiert.» Sie vergleichen den Abbruch mit einem «Anschlag auf die kulturhistorische, historische und ästhetische Integrität der Gemeinde Wettingen».

Das Haus passt zum Bahnhof

Das Pfyfferhuus wurde 1905 von Margrit Schweri als Post- und Telegrafenstation erstellt. Später diente es als Apotheke, aus dieser Zeit hat es seinen Namen. Das Gebäude ist nicht nur für sich etwas Besonderes, sondern auch im Kontext mit benachbarten Anlagen der SBB.

Dort stehen eine der wenigen noch existierenden Drehscheiben und ein Lokdepot, das für die ersten Elektrolokomotiven ebaut worden war. Es ist sowohl im Band 7 der «Kulturgüter der Schweiz» sowie im Kurzinventar der kantonalen Denkmalpflege aufgeführt.

Trotzdem besass es keinen kommunalen Schutzstatus. Dies gilt auch für weitere Gebäude in Wettingen. Einwohnerrätin Marie-Louise Reinert hat deshalb bereits früher Motionen zum Thema eingereicht. Sie sollen im Zusammenhang mit der Revision der Wettinger Bau- und Nutzungsordnung behandelt werden.