Baden
Früh verlorene Kinder: Hier trauern und hoffen Eltern

Vor 10 Jahren wurde die Gedenkstätte für früh verlorene Kinder eingeweiht: Das Kantonsspital Baden (KSB) erinnert mit einer schlichten Feier daran.

Elisabeth Feller
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An der Gedenkstätte für früh verlorene Kinder im Kantonsspital Baden können Eltern Abschied nehmen.

An der Gedenkstätte für früh verlorene Kinder im Kantonsspital Baden können Eltern Abschied nehmen.

Alex Spichale

Wenn der Tod vor dem Leben kommt: Eltern, die ein Kind verlieren, noch bevor es das Licht der Welt erblicken durfte, sprechen von einem Sternenkind. Doch diese Bezeichnung bietet kaum Trost für die Trauernden. Diese werden in ihrem Verlust oft alleine gelassen. So ziehen sich viele Menschen zurück und die Einsamkeit umfängt Mutter und Vater. «Früh verlorene Kinder wurden ehemals den Eltern gar nicht gezeigt, sondern schnell weggebracht und im Spital kremiert. Ihre Asche wurde anschliessend entsorgt. Das alles, um die Eltern vermeintlich zu schonen», sagt Anna Margaretha Neff (Leiterin der Fachstelle Kindsverlust Schweiz) über frühere Gepflogenheiten (siehe Box).

Doch seit einigen Jahren hat ein Umdenken stattgefunden, wobei das Kantonsspital Baden (KSB) Pionierin war. Vor elf Jahren kam dort eine Gruppe von Fachleuten zusammen mit dem festen Willen, etwas zu verändern. So entstand die Gedenkstätte für früh verlorene Kinder. Diese wurde an einem sonnigen Maitag 2006 eingeweiht. Der Aargauer Bildhauer Paul Agustoni hatte die unterschiedlich grossen Stelen entworfen, die nur wenige Schritte entfernt vom Spital, auf einem schönen Platz stehen. Es ist eine Gedenkstätte, die sich nicht in einem Friedhof befindet, sondern an einem Ort, wo geheilt, aber auch gestorben wird: Geht das? «Ja», sagt Stadträtin Regula Dell’Anno. «Die Gedenkstätte ist nicht nur ein Ort der Trauer, sondern auch der Hoffnung.» Dass es sie überhaupt gebe, sei jenen engagierten Menschen zu verdanken, die «mit Mitgefühl, Empathie und sehr viel Zeit eine Arbeit geleistet haben, die nicht mit Geld aufgewogen werden kann», sagt Adrian Schmitter, CEO des KSB.

Gedenkstätte bietet den Eltern Halt

Zehn Jahre später wird nun im Rahmen einer Feier im KSB an das Zustandekommen der Gedenkstätte erinnert. «Es ist eine Feier ohne viel Brimborium, doch mit vielen und auch schweren Gedanken», sagt Schmitter. Daran knüpft Leonhard Schäffer, Chefarzt für Geburtshilfe und Pränataldiagnostik an, als er von den jährlich 20 000 Frauen in der Schweiz spricht, die frühe Fehlgeburten erleiden.

«Kein Tod macht sprachloser als derjenige eines Kindes», sagt Karin Klemm, katholische Seelsorgerin am KSB, und Anna Margaretha Neff unterstreicht: «Erst wenn Eltern ihr früh verlorenes Kind begrüssen und berühren dürfen, kann der Prozess des Abschiednehmens beginnen.»

Trauer habe an der Gedenkstätte ganz unterschiedliche Gesichter, das erlebt die Theologin Karin Klemm immer wieder. Zugleich erfährt sie, wie sehr die Gedenkstätte des KSB Orientierung und Halt bietet. Den bieten auch die Musiker Stefan Müller (Harmonium) und Ueli Angstmann (Saxofon), die feinfühlig eine schlichte und würdige Feier zum zehnjährigen Bestehen einer speziellen Stätte begleiten. Inzwischen hat die Gedenkstätte auch viele Nachfolgerinnen in der Schweiz gefunden.

Eine Stätte für Sternenkinder

2006 wurde im Park des Kantonsspitals Baden (KSB) die Gedenkstätte für früh verlorene Kinder – Kinder, die vor der 22. Schwangerschaftswoche tot geboren werden – eingeweiht. Damit bekamen betroffene Eltern die Möglichkeit, die sterblichen Überreste ihrer früh verlorenen Kinder würdig beizusetzen. Bis zur Einrichtung dieser Gedenkstätte im Jahr 2006 wurden die sterblichen Überreste von Föten oder Kindern unter 500 Gramm oder jünger als 22 Schwangerschaftswochen im spitaleigenen Ofen kremiert und die Asche entsorgt. Beigesetzte Kinder in der Gedenkstätte: 2007: 31; 2009: 51; 2011: 34; 2013: 64; 2015: 38. Vier Mal im Jahr gedenkt das KSB der früh verlorenen Kinder mit einer Abschiedsfeier und der Beisetzung der Asche dieser Kinder. Die Trauerfeier wird in einem schlichten überkonfessionellen Rahmen gestaltet. (az)

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