Baden

Felix Mendelssohns sakrale Musik füllt die alten Kirchengemäuer

Der Schola-Cantorum-Wettingensis-Chor präsentiert das Oratorium Paulus.

Imposante chorale Gesänge erfüllen an diesem Freitagabend die alten Gemäuer der katholischen Stadtkirche. Zwischen heiligen Figuren und prunkvollen Bildern präsentieren rund sechzig Sängerinnen und Sänger des Chors Schola Cantorum Wettingensis zusammen mit dem Orchester Collegium Cantorum das Oratorium Paulus von Felix Mendelssohn Bartholdy. Das Stück behandelt in zwei Teilen das Leben und Wirken des Apostels Paulus. Rund zweihundert Klassikfans kann das Konzert anlocken.

Gottesfürchtiger Gesang

Drei Solisten erzählen dabei die Haupthandlung. Mit ihrer klaren hellen Sopranstimme lässt Maria Schmid an diesem Abend die Fenster der Kirche erzittern, während Claude Pia seine kraftvolle Tenorstimme einsetzt und Rudolf Rosen den Bass singt. Alle drei Solisten ziehen den Zuhörer dabei mit eindrucksvollem Gesang in ihren Bann. Im Stück entsteht zwischen den Solisten und dem Chor ein Wechselspiel. Kraftvoll und emotional kommentiert der Chor das Geschehen oder unterstützt die Handlung. Unter der Leitung von Roland Fitzlaff erfüllen die Stimmen der Sänger den Kirchensaal. Dabei bietet das Oratorium eine Vielfalt an musikalischen Formen und Besetzungen.

Bald pompös und schauerlich und dann wieder verspielt und träumerisch lädt die Musik den Zuhörer auf eine emotionale Reise ein. «Die Musik ist grandios, nur mit dem Text kann nicht jeder was anfangen», sagt eine junge Zuhörerin. Tatsächlich ist der Gesang sakral und es wird leidenschaftlich die Ehrfrucht vor Gott besungen. Umso eindrucksvoller ist die Musik in den Mauern der alten Kirche. Engelhafte Stimmen geben den alten Gemäuern ihren einstigen Glanz aus gottesfürchtigeren Zeiten zurück. Mit beinahe demütig gesenkten Blicken sitzen die Zuhörer auf den kahlen Holzbänken der Kirche und lauschen bedächtig der Musik. Im Durchschnitt ist das Publikum eher älter, nur ein paar wenige Mitzwanziger haben den Weg in die Kirche gefunden.

Felix Mendelssohn gilt als einer der bedeutendsten Musiker der Romantik. Gleichzeitig setzte Mendelssohn als Dirigent neue Standards, die das Selbstverständnis der Dirigierens bis heute mitprägen.

Der Anfang des 19. Jahrhundert geborene deutsche Komponist wurde in seinem Wirken von Bach und Händel geprägt. 1836 erlebte das Paulus Oratorium seine Uraufführung. Jedoch überarbeitete Mendelssohn das Stück danach noch einmal. Dabei war es ein Anliegen Mendelssohns, die verloren geglaubte Tradition der spätbarocken Musik wiederzubeleben, indem er diese mit zeitgenössisch-modernen Stilmitteln verbindet.

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