100 Jahre sind es diesen Sommer her, dass der FC Turgi im Restaurant Fankhauser, der späteren Traube, gegründet wurde. Peter Vogelsang und Manfred Illi haben die Vereinsgeschichte in einer lesenswerten Chronik aufgearbeitet.

Die Gründer seien «mutige Pioniere» gewesen», denn die politischen und wirtschaftlichen Umstände waren ein Jahr nach Ende des Ersten Weltkrieges (und wenigen Monate nach den Landesstreik) schwierig. In der Umgebung existierten zwar unter anderem bereits der FC Baden und der FC Brugg, doch Schulen, Kirche und politische Institutionen seien vom «neumodischen Spiel» alles andere als begeistert gewesen.

Unvergessene Jahrzehnte

In den ersten Jahrzehnten bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges schaffte Turgi den Aufstieg bis in die 2. Liga, der vierthöchsten Schweizer Spielkasse. Ein erstes Mal landesweit für Furore sorgte der Verein im Schweizer Cup: In der Saison 1944/1945 bescherte das Los ein Duell mit Nationalliga B-Vertreter Luzern. Turgi ging in Führung und musste sich nur knapp mit 1:2 geschlagen geben.

In den 1970er-Jahren lieferten sich Turgi und Baden in der 1. Liga spannende Duelle.

In den 1970er-Jahren lieferten sich Turgi und Baden in der 1. Liga spannende Duelle.

Die erfolgreichste Zeit der Vereinsgeschichte fällt auf die Jahre zwischen 1946 und 1979: Stets gehörte Turgi mindestens der 2. Liga an, holte insgesamt acht Aargauer Meistertitel, drei Mal gelang der Aufstieg in die 1. Liga. Im Jahr 1966 schrieb Turgi Cupgeschichte. Dank einem 2:1-Heimsieg gegen den FC Baden (NLB) vor offiziell 1500 Zuschauern im Steig (weitere rund 500 verfolgten die Partie auf der Strasse hinter dem Sportplatz) qualifizierte sich der Zweitligist für die Sechzehntelfinals. Der Gegner: Der FC Lugano aus der Nationalliga A. Die Partie hätte eigentlich am 6. November ausgetragen werden sollen, fand aber wegen der Sperrung der Gotthard-Linie erst am 11. Dezember statt. Vor 2300 Zuschauern im Cornaredo verlor Turgi zwar 0:4, doch der Auftritt wurde auch in Fachmedien wie der Zeitschrift Sport gelobt. Torhüter Kurt Zimmermann wurde gar ins «Team der Woche» gewählt, in dem auch Nationalspieler wie Köbi Kuhn und Karl Odermatt figurierten.

Heute unvorstellbar das Aufeinandertreffen, das ein Jahr danach stattfand: Zu Gast im Steig war das Juniorenteam von Manchester United, das wegen des Blue-Stars-Juniorenturniers in der Schweiz weilte. Diverse United-Spieler, die auf der Steig aufliefen, machten später grosse Karrieren: Don Givens etwa absolvierte 56 Länderspiele für Irland, Goalie Jimmy Rimmer holte 1982 mit Aston Villa den Europapokal der Landesmeister (heute Champions League). Auch im Spiel gegen Manchesters Nachwuchs schlug sich Turgi wacker, verlor «nur» mit 0:5.

Das Matchprogramm des Spiels gegen die Junioren von Manchester United.

Das Matchprogramm des Spiels gegen die Junioren von Manchester United.

Siege gegen den FC Baden

Die beste Ligaklassierung erreichte die Mannschaft im Jahr 1971 (Rang 9 in der 1. Liga). Unvergessen: die Derbys gegen den FC Baden zu Beginn der 1970er-Jahre. Turgis Bilanz in den sechs Direktduellen in der 1. Liga waren positiv (3 Siege, 1 Untenschieden, 2 Niederlagen).

Chronist Manfred Illi sagt: «Dass ein kleiner Verein wie Turgi erstaunlich viele Erfolge feiern durfte, lag zweifellos an der fantastischen Juniorenabteilung. Natürlich profitierte danach auch die 1. Mannschaft von diesen starken Jahrgängen.» In den vergangenen zwei Jahrzehnten konnte Turgi nicht mehr an die früheren Erfolge anknüpfen. Seit 2001 gehörte die erste Mannschaft stets der 3. Liga oder der 4. Liga an.

Mehr Infos zum Jubiläumsfest: www.seit1919.ch