Spreitenbach

Ex-Gemeindepräsident Schmid über Blitz-Rücktritt seines Nachfolgers: «Sein Rücktritt hat mich schockiert»

Valentin Schmid (links) über Marcel Lang: «Ich war überzeugt, dass er das Amt als Gemeindepräsident meistern wird.»

Valentin Schmid (links) über Marcel Lang: «Ich war überzeugt, dass er das Amt als Gemeindepräsident meistern wird.»

Der langjährige Spreitenbacher Gemeindepräsident Valentin Schmid äussert sich zum Abgang seines Nachfolgers Marcel Lang nach nur 22 Tagen.

Gewählt am 17. Mai, zurückgetreten am 8. Juni: Marcel Langs überraschender Rücktritt als Gemeindepräsident von Spreitenbach beschäftigt auch Valentin Schmid. Er übte das Amt acht Jahre lang aus. Wie er mit der hohen Belastung umging – und welches Talent es für diesen Job braucht.

Sie kennen Marcel Lang seit einigen Jahren aus der gemeinsamen Zeit im Gemeinderat. Ihr erster Gedanke, als Sie vom Abgang erfahren haben?

Valentin Schmid: Sein Rücktritt hat mich schockiert. Damit hatte ich keine Sekunde gerechnet. Ich war komplett überrascht, da ich ihn gut kenne. Wir haben zwei Jahre im Gemeinderat zusammengearbeitet, und er hat seinen Job gut gemacht. Ich war davon überzeugt, dass er auch das Amt als Gemeindepräsident meistern wird.

Nun ist er abgetaucht, beantwortet die Fragen der Medien beziehungsweise der Öffentlichkeit nicht. Haben Sie dafür Verständnis?

Ja, habe ich. Momentan möchte ich nicht in seinen Schuhen stecken. Man tritt nicht einfach so nach 22 Tagen zurück. Es sind für ihn mit Sicherheit schwierige Momente.

In seinem Rücktrittsschreiben nennt Lang die hohe Belastung als Grund und sagt, er wolle seine Gesundheit schützen. Wie anstrengend ist es, Gemeindepräsident zu sein?

Spreitenbach hat rund 12'000 Einwohner. Der Gemeindepräsident ist Vollzeit angestellt. Die Belastung ist ohne Zweifel hoch. Vor allem an die Präsenzzeit muss man sich gewöhnen: Eigentlich ist man rund um die Uhr im Dienst. Und man ist eine öffentliche Person, sobald man die Türe verlässt. Das Leben ist während vieler Stunden am Tag fremdbestimmt von der politischen Agenda.

Wie kamen Sie mit der Belastung zurecht?

Ich brauchte eine Zeit der Eingewöhnung. Danach war es wie bei jedem Job mit Führungsverantwortung: Man kann und darf nicht alles selber machen. Es braucht eine grosse Portion Delegationstalent. Gerade in Spreitenbach, wo so viel los ist, die Limmattalbahn wird gebaut, die Gemeinde wächst stark und es gibt 7500 Arbeitsplätze. Ich habe gelernt, Prioritäten zu setzen. Die Zahl der E-Mails, die jeden Tag im Postfach landen, ist enorm hoch. Stets innerhalb kurzer Zeit zu antworten – unmöglich. Dass mal eines untergeht: gehört dazu. Dass es deswegen Kritik gibt: Muss man aushalten lernen.

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