Im Jahr 2002 zog das Schweizer Kindermuseum an den Ländliweg 7 in Baden. Nun haben die Museumsmacher Daniel und Marcel Kaysel gemeinsam mit dem wissenschaftlichen Mitarbeiter Reto Boschung der Dauerausstellung von damals ein Facelifting verpasst. Neu sind interaktive Elemente und Hörstationen. Doch es bleibt ein Museum zum Anfassen, denn das Spielen und Erleben stehen nach wie vor im Zentrum. Am Samstag war Vernissage.

Wussten Sie, dass das Spielen einst als schädlich galt? Noch im 17. und 18. Jahrhundert wurden Kinder in der Gesellschaft wie kleine Erwachsene behandelt. Mit Zucht und Ordnung wurden sie schnell auf Trab gehalten. Die Arbeit auf dem Hof oder in Fabriken bestimmte für die meisten von ihnen den Alltag. Erst mit der Geistesbewegung der Aufklärung (1650–1800) und den Schriften der Pädagogen Heinrich Pestalozzi und Friedrich Fröbel und später von Maria Montessori ging ein Umdenken durch die Gesellschaft. Ein Verständnis von Kindheit als schützenswerter Abschnitt im Leben eines Menschen konnte sich entwickeln.

300 Jahre Kinderkultur

Mit der neu überarbeiteten Dauerausstellung begibt sich das Kindermuseum auf eine Zeitreise in die Vergangenheit, es behält die Gegenwart im Auge und es wagt sogar einen Blick in die Zukunft. An verschiedenen Hörstationen dürfen die Besucherinnen und Besucher eintauchen in die Vergangenheit und erfahren, wie der Alltag eines Kindes im 18. Jahrhundert ausgesehen haben mag.

Da berichtet zum Beispiel die Bürgersfrau Elisabeth Märki, Frau eines Handelskaufmanns und Mutter von zwei Kindern, aus ihrem Alltag im Jahr 1790. Oder es erzählt Johanna Bürki, ein Mädchen, das um 1850 in der nahegelegenen Spinnerei arbeiten muss. Gelesen werden die kurzen fiktiven Geschichten von der Schauspielerin Mirjam Japp und vom Schauspieler Heiner Hitz. Mit dem Zukunftsforscher Georges T. Roos wagt das Kindermuseum auch einen Blick ins Jahr 2050. Werden die Kinder in 30 Jahren alle einen persönlichen Avatar erhalten, der sie beim Lernen individuell unterstützen wird?

Grüsse von der Regierung

«Nur wer erwachsen wird und ein Kind bleibt, ist ein Mensch», mit diesem Zitat von Erich Kästner begrüsste Museumsleiter Daniel Kaysel das Vernissage-Publikum. Erich Obrist, Stadtrat von Baden, und Regierungsrat Alex Hürzeler überbrachten dem Museum ihre Glückwünsche. Das Kindermuseum sei ein kultureller Leuchtturm, sagte Hürzeler als Vorsteher für Bildung und Kultur: Es sei eine jener Institutionen im Kanton, die weit über die Kantonsgrenzen hinaus strahlen. Rund 26 000 Besucherinnen und Besucher verzeichnet das Kindermuseum jährlich. Das sind rund 400 000 seit der Eröffnung im Jahr 2002.

«Wie lange brauchte eigentlich ein Zeppelin um das Jahr 1930 für die Fahrt von Europa nach Amerika?», fragte Stadtrat Erich Obrist. Finden Sie es heraus! An den neuen interaktiven Stationen im Kindermuseum Baden kann nach Herzenslust gespielt werden.