Aussergewöhnliches trug sich gestern am Bezirksgericht Baden zu, als ein anwesendes Einbruchsopfer ein Plädoyer für den Angeklagten hielt: «Ich finde die von der Staatsanwaltschaft geforderten Strafe im Verhältnis zu den Strafen gegen die Haupttäter zu hoch.»

Auf der Anklagebank huschte Robert* ein kleines Lächeln übers Gesicht. Dies im krassen Kontrast zu seiner Gemütslage wenige Minuten zuvor, als ihn Gerichtspräsidentin Gabriella Fehr fragte, ob er sich denn Gedanken gemacht habe zu einem möglichen Gefängnisaufenthalt. Schluchzend und unter Tränen presste er ein «Ja» hervor.

Das Gericht hatte einen schwierigen Fall zu beurteilen. Schwierig deshalb, weil ihm einerseits ein höflicher und reuiger junger Mann gegenübersass, der so gar nichts von einem Kriminellen an sich hatte. Andererseits war da die Deliktssumme von über einer halben Million Franken gepaart mit einer hohen Portion Naivität, welche die Badener Einbrecherbande geschickt auszunutzen wusste (siehe rechts).

Schmuckwert: Halbe Mio. Franken

Vor vier Jahren eröffnete der Familienvater einen Schmuckladen in der Region. 2010 sei dann Jadran* zum ersten Mal in seinen Geschäft aufgetaucht und habe ihm Schmuck zum Verkauf angeboten.

In der Folge sei er immer öfters aufgetaucht, um Schmuck oder Uhren zu verkaufen. «Doch Verdacht haben ich keinen geschöpft», sagte Robert. Einen Grossteil des Schmucks habe er direkt an eine Schmelzerei weiterverkauft. Ausweise habe er von den Verkäufern – es kamen noch weitere dazu – nie verlangt, und auch nach der Herkunft des Schmucks habe er nicht gefragt.

So gingen zwischen März 2010 und Februar 2012 Schmuck und Uhren im Wert von rund 550 000 Franken bei Robert über den Ladentisch. Für die Ware zahlte er zwischen 70 000 und 80 000 Franken und verkaufte sie anschliessend wieder mit einem Gewinn von rund zehn Prozent.

«Als Jadran immer öfters erschien, wurde mir das Ganze dann doch unangenehm und ich habe ihn gebeten, mein Geschäft nicht mehr aufzusuchen», sagte Robert. Auf die Frage der Gerichtspräsidentin, ob er nicht etwas gar naiv gehandelt habe, antwortete er: «Ich würde mich nicht als naiv bezeichnen.»

Staatsanwaltschaft forderte vier Jahre

Ansonsten zeigte sich Robert durchaus reuig und anerkannte auch, dass den Einbruchopfern nebst des materiellen auch ein emotionaler Schaden entstanden sei. Anders als die Staatsanwaltschaft erachtete das Gericht das Handeln von Robert nicht als gewerbsmässig.

«Aber es trifft Sie ein grosses Verschulden, weil sie Augen und Ohren verschlossen haben und egoistisch an Ihren Profit gedacht haben», hielt die Gerichtspräsidentin fest. Und doch blieb das Gericht unter den von der Staatsanwaltschaft geforderten vier Jahren Gefängnis. Mit einer bedingten Freiheitsstrafe von zwei Jahren (bei einer Probezeit von vier Jahren) für mehrfache Hehlerei und moderaten Schadenersatzforderungen ist Robert nochmals mit einem blauen Auge davongekommen.

Seine Lehren habe er ohnehin aus dem Fall gezogen: «Seit einem Jahr betreibe ich das Geschäft viel sorgfältiger, indem ich von jedem Verkäufer einen Ausweis verlange und ein Formular unterschreiben lasse.»

*Namen der Redaktion bekannt