Eine Rallye mit über 90 Fahrzeugen fährt am frühen Mittwochabend in Baden ein – und doch hört man sie kaum, dank der leisen Elektromotoren. Die Teilnehmer der «Wave Trophy», der grössten Elektro-Auto-Rallye der Welt, fädeln sich nahtlos in den Feierabendverkehr ein. Auch optisch – abgesehen der bunten Beschriftungen – fallen die Autos kaum mehr auf. Vorbei sind die Zeiten der futuristisch anmutenden Elektromobile mit ihren ausgefallenen Formen. Nur wenige von diesen sind zu sehen. Beim T-Systems-Team um Alex Decker durften wir auf der kurzen Teiletappe von Brugg nach Baden mitfahren. 

Unterwegs bei der E-Mobil-Rallye «Wave Trophy»

Unterwegs bei der E-Mobil-Rallye «Wave Trophy»

Lärmkulisse sucht man vergebens

Ich nehme Platz auf dem Beifahrersitz eines kompakten BMW i3. Den Start verpasse ich beinahe, da beim Anlassen das übliche Aufbrummen fehlt. «Habt ihr wieder den Motor abgewürgt?», ruft Alex durchs offene Fenster einem anderen Team zu. Sprüche, wie sie während der Rallye täglich vorkämen, lasse ich mir erklären. Die Reise durch den abendlichen Stossverkehr verläuft ruhig und angenehm. Plötzlich fährt Alex eine rasante Kurve: Ich stelle fest, Sportlichkeit lässt auch das Elektroauto nicht vermissen. Eine permanente Geräuschkulisse, wie sie bei Verbrennungsmotoren üblich ist, sucht man hingegen vergebens. «Das leichte Ruckeln bei den Schaltungen entfällt ebenfalls», erklärt Alex. Denn das Elektromobil verfügt nicht über ein herkömmliches Getriebe, den Gang muss man deshalb nie wechseln.

Für die 10 Kilometer benötigen wir etwa 25 Minuten. Als wir Baden erreichen, bemerkt Alex, dass die Batterie nach über 100 Kilometer Fahrt beinahe leer ist. Bei der ABB stehen Schnellladestationen bereit, «als eines der Teams, das als letztes ankommt, werden wir uns aber etwas gedulden müssen».

Alex Decker sagt: «Jeden Monat werden neue Schnellladestationen errichtet, nicht zuletzt dank des Engagements von Tesla Motors.» Noch wichtiger sei jedoch: «Wenn die Autos, Ladestationen und Ersatzbatterien über das Internet miteinander vernetzt werden können, wird uns das Navigationssystem in Zukunft die freien Lademöglichkeiten anzeigen und gleich reservieren.» So sollen mögliche Wartezeiten minimiert werden.

Ziel: Alltagstauglichkeit beweisen

Die einwöchige «Wave Trophy»-Rallye findet vom 12. bis 21. Juni statt und führt von Ostdeutschland über Berlin, Bern und das Südtirol nach St. Gallen. Der Schweizer Organisator und Solarpionier Louis Palmer – er umrundete 2007/08 als erster Mensch die Erde in einem Solarmobil – möchte mit der 2500 Kilometer langen Rallye beweisen, dass Elektromobile alltagstauglich geworden sind.