Baden

Einkaufen ohne Plastik – sieben Badener rufen zum grossen Experiment auf

«Baden geht voran. Das Plastikexperiment» und ruft die Menschen dazu auf, im März 2020 einen Monat lang auf Plastik zu verzichten, keine Plastiksäcke mehr zu kaufen und auch keine Waren, die in Plastik verpackt sind. (Symbolbild)

«Baden geht voran. Das Plastikexperiment» und ruft die Menschen dazu auf, im März 2020 einen Monat lang auf Plastik zu verzichten, keine Plastiksäcke mehr zu kaufen und auch keine Waren, die in Plastik verpackt sind. (Symbolbild)

Im März 2020 soll die Bevölkerung demonstrativ auf den Kauf von in Plastik verkauften Waren verzichten. Das wünscht sich eine Gruppe Badenerinnen und Badener.

Laut einer Studie des Bundesamts für Umwelt landen in der Schweiz jährlich 5000 Tonnen Plastik am Boden und in der Natur. Vor dem Kunststoff gibt es kaum ein Entrinnen. Eine lose Gruppe von Badenerinnen und Badener will mit einer besonderen Aktion gegen den «Plastikwahnsinn» ein Zeichen setzen und wünscht sich, dass auch der Rest der Schweiz nachzieht: Ihr Projekt heisst «Baden geht voran. Das Plastikexperiment» und ruft die Menschen dazu auf, im März 2020 einen Monat lang auf Plastik zu verzichten, keine Plastiksäcke mehr zu kaufen und auch keine Waren, die in Plastik verpackt sind.

«Wir wollen die Bevölkerung einerseits dafür sensibilisieren, was alles überhaupt in Plastik verpackt daherkommt, andererseits aber auch ein Zeichen von unten nach oben setzen, in Richtung Politik und Wirtschaft», sagt Brunhilde Mauthe, eines von sieben Gesichtern der Aktion. Wenn viele Konsumenten auf Plastik verzichten, soll das die Detailhändler dazu bewegen, bei Lieferanten und Produzenten Alternativen für Plastikverpackungen nachzufragen.

«Politik und Wirtschaft sind zu langsam, wir wollen das selbst in die Hand nehmen», sagt Mauthe. «Aber wir wollen die Bevölkerung nicht dazu zwingen, sondern dass die Menschen freiwillig etwas gegen den Plastikwahn tun möchten», so Mauthe weiter. Also nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern aus Eigeninitiative, aber mit einem kleinen Anschubser durch die neuformierte Gruppierung, die sich gerade erst Ende Oktober zum ersten Mal im Restaurant Roter Turm zu diesem Thema zusammengesetzt hat.

Von der Vision zur Umsetzung

In der Gruppe hat jede und jeder inzwischen die Aufgaben übernommen, die ihren Talenten und Fähigkeiten am ehesten entsprechen. Mauthe ist für die Medienarbeit zuständig, Roman Hofer hat der Aktion das «Gesicht», also die Grafik dazu verpasst und SRF3-Moderatorin Judith Wernli widmet sich schon länger dem Thema Plastikreduktion und macht mit dem Hashtag #lessplastic regelmässig auf Facebook und Twitter auf die Thematik aufmerksam. Die Badener Stadträtin Sandra Kohler ist ebenso dabei wie auch Andreas Schärer und Monika Gerber. Sie alle sind als Privatpersonen mit an Bord.

Am Ursprung des Experiments steht aber der Badener Hausarzt Christoph Broens, der sich vorstellte, was wohl passieren würde, wenn sich ganz viele Menschen einen Monat lang dem Plastik verweigern. Schon manche Volksbewegung hat in der Vergangenheit etwas bewirken können und dienten Broens sozusagen als Inspirationsquelle. Er entwickelte die Vision einer Bewegung, die nachhaltige Veränderungen mit sich bringt, damit die Zeit des Plastikwahns schneller ein Ende findet.

Am Mittwochabend gibts den ersten Infoanlass

Broens teilte seine Idee mit anderen und stiess rasch auf offene Ohren. Innert kürzester Zeit wurden aus den Worten Taten, er fand Weggefährten, eine eigene Website wurde kreiert und der Startschuss auf den Social Media-Kanälen Instagram und Facebook ist ebenfalls bereits erfolgt. Die Seite hat in kurzer Zeit über 200 Follower gewonnen, welche die Idee ebenfalls mögen. So richtig los geht es heute Mittwochabend mit dem ersten Info-Anlass. Judith Wernli wird moderieren und Christoph Broens die Motivation hinter seinem Experiment vertiefter erläutern.

Erste Ideen sollen aufgenommen und freiwillige Arbeitsgruppen gebildet werden: «Wir sehen unsere Aufgabe darin, die Fülle an Ideen und Interessierten an diesem Anlass zusammenzubringen, um im März 2020 etwas Grosses in Gang zu setzen», so Mauthe. Die Geschäfte könnten Wettbewerbe mit Kunden lancieren und der Konsument gewöhnt sich daran, Baumwollsäckli oder andere Behälter für Früchte und Gemüse mitzunehmen.

Plastikverpackungen könnten aber auch bei der Kasse zurückgelassen und nur der Inhalt, also das eigentliche Produkt, mitgenommen werden. «Unser Ziel ist es, so etwas wie einen Leitfaden für Private, Unternehmer und Gastrobetriebe zu erstellen, um es der Bevölkerung, den Detailhändlern und den Unternehmen so einfach wie möglich zu machen», so Mauthe weiter.

Drastisch reduzierte Abfallmenge

Brunhilde Mauthe selbst ist nicht erst seit ihrem Hausarzt Christoph Broens auf die Idee gekommen, ihren Plastikkonsum zu reduzieren. «Im Gegenteil», sagt sie, «ich sammle seit sieben Jahren Plastik separat. Dadurch hat sich meine Abfallmenge drastisch reduziert.» Auch deshalb sei es der Gruppe ein grosses Anliegen, Firmen dazu anzuregen, Alternativen für Plastikverpackungen zu entwickeln.

Es wird aber nicht beabsichtigt, einen Verein für die Aktion zu gründen: «Wir wollen das Projekt nicht anführen, sondern nur der Katalysator sein, der etwas zum Rollen bringt», so Mauthe, «die Idee ist eben, dass nicht einer hinsteht und das Gesicht der Aktion ist, sondern dass sich die Veränderung aus der Bevölkerung heraus entwickelt.»

Die Menschen sollen das ganze Experiment mit Lust und Freude angehen, ganz ohne Zwang: «Mit dem Spirit, der den Badenerinnen und Badenern so eigen ist, etwa so wie er bei der Badenfahrt herrscht.»

Der ganz grosse Traum ist, dass die Idee nicht einfach nur auf Badener Boden beschränkt bleibt, sondern «das Experiment auf andere Städte und Regionen überschwappt, Fahrt aufnimmt und ein nachhaltiges Zeichen setzt».

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