Birmenstorf

Ein Schulhaus, das sich den Schülerzahlen anpasst — Finanzkommission befürchtet «Schnellschuss»

Hohe Fenster und flexible Räume: So soll der Anbau an die Turnhalle Träff aussehen.

Hohe Fenster und flexible Räume: So soll der Anbau an die Turnhalle Träff aussehen.

Die Birmenstorfer entscheiden Ende Oktober über den Schulhausbau und eine Steuererhöhung im Jahr 2020. Das neue Schulhaus soll an die bestehende Turnhalle Träff angebaut werden und sich in das bestehende Ortsbild einfügen.

Birmenstorf braucht mehr Platz für seine Schule. Die Schülerzahlen steigen, die Klassenzimmer werden enger. Der Startschuss für eine Erweiterung des Schulareals fiel an der Gemeindeversammlung im Juni, bei der bereits zwei Kredite gesprochen wurden. Am 31. Oktober müssen die Birmenstorfer Stimmberechtigten nun über die grösste Tranche von rund 4,9 Millionen Franken entscheiden.

In den vergangenen vier Monaten hat sich viel getan in der Planung. In einem Auswahlverfahren mit anfänglich zehn Architekturbüros wurden im Juli die Entwürfe von drei Teams ausgesucht. Diese drei Projekte sind noch bis heute im ersten Stock des Gemeindehauses ausgestellt. Im August wählte die Jury, die aus Vertretern der Gemeinde, der Schule und Bauexperten bestand, dann einen Sieger.

Der ausgewählte Entwurf für den Neubau stammt vom Basler Architekturbüro Focketyn del Río Studio. Die Architekten Miquel del Río Sanín und Hans Focketyn waren beide lange bei den Basler Stararchitekten Herzog & de Meuron angestellt. Seit der Gründung ihres eigenen Büros im Jahr 2013 haben sie sich schon an zahlreichen Projektwettbewerben für Schulhäuser in der ganzen Schweiz beteiligt.

Zimmer für Musik, Werken und Fremdsprachen

Das neue Schulhaus soll mit relativ geringem Aufwand direkt an die Turnhalle Träff angebaut werden. Dafür müssen der Garderobentrakt des bestehenden Gebäudes sowie ein kleiner Kiesplatz weichen.

Im dreistöckigen Neubau soll es sowohl Klassenzimmer für Französisch und Englisch geben, als auch Instrumentalzimmer, Räume für das Schulsekretariat und die Schulsozialarbeit, einen Werkraum, einen Aufenthaltsraum sowie Räume für die Musikvereine im Untergeschoss. Der Neubau soll Fenster und Türen aus Eichenholz und Stoffmarkisen bekommen.

Der Entwurf ist betont zurückhaltend gestaltet, sodass sich das neue Schulhaus gut ins bestehende Ortsbild einfügt. Die Jury hat laut ihrem Bericht Wert gelegt auf eine gute Wirtschaftlichkeit, aber auch auf Optik und Ökologie. Das neue Gebäude ist so gestaltet, dass man die Räume je nach Bedarf – und je nachdem, wie sich die Schülerzahlen tatsächlich entwickeln – auch mit wenig Aufwand umgestalten kann. Gleichzeitig wird es mit dem Neubau Luft im Schulhaus Gemeindehausstrasse geben.

Steuerfuss soll um fünf Prozentpunkte steigen

Schon frühzeitig hatte der Gemeinderat bekannt gegeben, dass die Schulraumerweiterung nicht ohne eine Erhöhung des Steuerfusses finanziert werden kann. Nun soll der Steuerfuss für das Jahr 2020 von 94 Prozent auf 99 Prozent erhöht werden. Der Gemeinderat will aber alles daran setzen, dass der Steuerfuss unter 100 Prozent bleibt, wie Gemeindeammann Marianne Stänz (CVP) schon im Juni betonte.

Der Rat schreibt in seiner Budgetvorlage, dass die Steuererhöhung wegen mehrerer Faktoren nötig sei. So müssen beispielsweise im kommenden Jahr auch verschiedene einmalige Kosten finanziert werden, etwa für die Sanierung des roten Platzes bei der Mehrzweckhalle. In den nächsten Jahren will die Gemeinde dagegen diverse Ausgaben überprüfen lassen und versuchen, anderswo Kosten zu sparen.

Gibt es in einigen Jahren zu viel Schulraum?

Bei der Gemeindeversammlung im Juni gab es Kritik von der Finanzkommission (Fiko) an der Schulraumerweiterung. «Wir sind der Meinung, dass man bei der Bildung nicht sparen soll», sagte deren Präsident Michael Zehnder im Sommer. «Wir sehen aber die Entwicklung der Schülerzahlen etwas anders.» Die Fiko befürchtete, dass es in einigen Jahren sogar zu viel Schulraum gebe in Birmenstorf, zudem sei das Projekt ein Schnellschuss.

Von der Schulpflege wurde entgegnet, das sei nach drei Jahren Planung keineswegs der Fall. Die ersten beiden Kredite zur Schulraumerweiterung wurden von den Stimmberechtigten mit grossem Mehr angenommen. Am 31. Oktober folgt nun der Baukredit für den Anbau. Baustart soll im Mai sein.

Heute Abend informiert der Gemeinderat die Bevölkerung über den geplanten Schulanbau und die vorgesehene Steuererhöhung ebenso wie über die weiteren Traktanden, etwa die Neuorganisation der Verwaltung und den Austritt Birmenstorfs aus dem Gemeindeverband der Jugend-, Familien- und Seniorenberatung.

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