Der Verein Behinderten-Reisen Zürich (VBRZ) stellte im November beim Badener Stadtrat ein Gesuch für eine Ausnahmebewilligung für Fahrten über die Schiefe Brücke. Diese ist für den motorisierten Individualverkehr gesperrt, ausgenommen für Busse und Taxis.

VBRZ-Geschäftsführer Martin Egli erklärt: «Wir transportieren Menschen, die öffentliche Verkehrsmittel oder Taxis wegen ihrer Behinderungen nicht benutzen können. In Baden passiert es immer wieder, dass unsere meist ehrenamtlichen Fahrer über die Schiefe Brücke fahren und gebüsst werden.»

Es handle sich bei den Verlegungsfahrten, die im Sinne der Patienten so kurz wie möglich dauern sollen, nicht um privaten Verkehr, den die Stadt mit ihrem Verbot verständlicherweise von der Brücke fernhalten möchte, sagt Egli. «Wir ersetzen exakt die beiden Verkehrsmittel, für welche die Sonderbewilligung gilt. Eine Gleichstellung der durch uns durchgeführten Krankentransporte wäre darum plausibel.»

Nachdem das Gesuch abgelehnt worden war, stellte Martin Egli ein Wiedererwägungsgesuch, das er an Regula Dell’Anno (SP), Vorsteherin des Ressorts Gesundheit und Soziales, richtete. «Sie leitete das Gesuch der Polizei weiter, die es wiederum mit einem kurzen Satz ablehnte.»

Egli kritisiert: «Dass eine sozialdemokratische Stadträtin, die auch zum Schutze von schwächeren Personen gewählt ist, keinerlei Sensibilität zeigt und in keiner Weise auf das Problem eingeht, ist im Rahmen der Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen und Krankheiten eigentlich ein kleiner Skandal.»

Regula Dell’Anno (SP): «Ich habe das Schreiben an die Polizei weitergeleitet, weil die Frage, wer über die Schiefe Brücke fahren darf, nicht in der Kompetenz meines Ressorts liegt.» Der Stadtrat habe schon mehrfach über ähnliche Gesuche entschieden, die zum Teil ebenfalls von Organisationen gestellt wurden, die Gutes für Menschen tun. «Ich kann die Forderung des Vereins einerseits nachvollziehen, andererseits verfolgen wir im Stadtrat eine klare Linie und halten am Fahrverbot fest», sagt Dell’Anno. «Wenn wir damit beginnen würden, Ausnahmen zu machen, dann wäre es schwierig, weitere ähnliche Gesuche abzulehnen.»