FC Baden

Durstige Fans, leere Kassen

Der FC Baden in Aktion.

Der FC Baden in Aktion.

Kolumnist Simon Balissat darüber, wie beim FC Baden Geld für unsinnige Aktionen ausgegeben wird.

Ich mag mein Bier herb und bitter. Aber so bitter wie es am Samstag im Stadion Esp geschmeckt hat, ist es auch mir zuviel. Und es lag nur zum Teil an der 0:2 Niederlage gegen den FC Gossau in der 1. Liga Classic.

Nach dem Abstieg aus der zweithöchsten Spielklasse in der Saison 2006 heissen die Gegner schon lange nicht mehr Lugano, Winterthur oder Schaffhausen. Sie heissen Wettswil-Bonstetten, Balzers oder Thalwil. Während Aarau und Wohlen es hinkriegen, einen einigermassen funktionierenden Fussballverein in den oberen Ligen zu halten, sind die grossen Ambitionen in Baden schon längst begraben.

Es fehlt offenbar an Geld. Klar, die lokalen Unternehmer zahlen alle schön artig ihren Beitrag, machen Bandenwerbung und spenden Matchbälle. Was erhalten sie aber als Gegenleistung vom Präsidenten Thomi Bräm und dem FC Baden? Sie werden an ein nettes Golfturnier eingeladen und können so offenbar ihr Netzwerk ausbauen. Spitzenfussball erhalten sie nicht.

Direkt nach dem Abstieg waren die Ambitionen grösser: Eine Lounge wurde gebaut mit der Begründung, das sei wichtig bei einem allfälligen Aufstieg. Heute dient die Lounge an Spieltagen vor allem dazu, das wenige vorhandene Geld gemeinsam bei einem Apéro zu vernichten. Geld vernichtet wird auch in unsinnigen Aktionen wie dem Aufzeichnen der Spiele auf Video fürs Internet – ausgeführt durch die Dokumentarfilm AG von Präsident Thomi Bräm. Das Geld fliesst in die eigenen Taschen, der Nutzen ist marginal.

Dabei hätte es der FC Baden oft selber in der Hand, die Kasse aufzubessern. Grosse Gelegenheiten werden mit erschreckender Regelmässigkeit verpasst. Bei den sporadischen Cup-Spielen gegen Super League Gegner beklagt man sich lieber über die hohen Sicherheitskosten, als dass man versucht, Profit aus den attraktiven Partien zu ziehen. Wenn auf der Gegentribüne gerade einmal zwei Zapfanlagen für über 1000 durstige Fans bereitstehen, bleiben die Zuschauer durstig und die Kassen leer.

Ein solcher Verein ist einer Stadt wie unserer nicht würdig. Dabei wäre das Potenzial riesig: Ein Stadion mit modernstem Kunstrasen. Perfekt gepflegte Trainingsanlagen. Ein grosses Einzugsgebiet mit vielen potenziellen Fans. Müsste da nicht das Präsidium abtreten? Es wäre wohl höchste Zeit. Aber wer übernimmt dann? Es gibt niemanden, der diesen enormen, freiwilligen Aufwand betreiben will und bereit ist, seine Freizeit in den FC Baden zu investieren und richtige Geldgeber zu finden.

Die Geldgeber sind nämlich vorhanden: Die Region ist die Heimat vieler, namhafter Firmen, die über Geld verfügen würden und den Fussball schon fördern: Axpo oder Brack.ch sind dick im Schweizer Fussballgeschäft. Liebherr gehört mit Southampton sogar ein Premier League Verein. Weshalb investieren diese Firmen also nicht im grösseren Stil in den FC Baden? Weshalb wird immer noch mit einem «Supporter Verein» Geld gesammelt, der eher die Kleingewerbler der Region vernetzt, als Geld für den Aufstieg zu sammeln?

Kein Wunder gibt es seit Kurzem ein ambitioniertes Fan Projekt namens 54er-Club, welches Geld für den FC Baden sammelt. Die Fans haben die Nase voll und nehmen das Heft selbst in die Hand. Ich zahle meinen Beitrag daher lieber in die Kassen des 54er Clubs, als den FC Baden direkt zu unterstützen. Und wer weiss? Vielleicht bringt dieser Club den nötigen, frischen Wind und gar einen neuen Präsidenten in den Verein?

Bis es so weit ist, trinke ich halt weiterhin mein Bier mit bitterem Abgang und träume am Spielfeldrand von besseren Zeiten.

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