Nacktselfie Affäre
Doktor JoBo und der Einäugige: Chat-Protokolle entwirren Geri-Gate

Gab es eine Verschwörung gegen Geri Müller und wenn ja, wer war beteiligt? Das mehrere hundert Seiten lange Chat-Protokoll, das die Staatsanwaltschaft zusammenstellte, bringt Licht ins Dunkel.

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Auf über 1700 Seiten Papier soll sich der Nachrichtenverlauf zwischen Müller und seiner Chat-Partnerin summieren. (Archiv)

Auf über 1700 Seiten Papier soll sich der Nachrichtenverlauf zwischen Müller und seiner Chat-Partnerin summieren. (Archiv)

Keystone

Einen ganzen Stapel-Papier beträgt das von der Kantonspolizei Bern im Auftrag der Staatsanwaltschaft Berner Seeland/Jura zusammengestellte Protokoll des Nachrichtenverkehrs in der Affäre Geri Müller. Die «Neue Zürcher Zeitung» konnte nun die mehreren hundert Seiten in Augenschein nehmen.

Dabei fällt Licht auf die Rolle von Müllers 33-jähriger Chatpartnerin. Es ensteht der Eindruck, dass vor allem sie die treibende Kraft war bei der Publikation von intimen Details – und dass sie sich aktiv an politische Feinde Müllers wandte, um diesem den grösstmöglichen Schaden zuzufügen, schreibt die «NZZ».

Josef Bollag, der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Baden und einer von Müllers Gegenspielern in der Lokalpolitik, kann keine aktive Rolle unterstellt werden. Im Gegenteil: Er ermunterte die Frau mehrere Male, «die Sache zu beenden».

Auch wird durchaus greifbar, wie wenig Freude er über die vielfachen Annäherungsversuche der Frau hatte. So liess er sie wissen, dass er hoffe, dass er ihr gut gehe – er wolle nämlich endlich wieder einmal eine Nacht durchschlafen. Ein anderes Mal schrieb er frühmorgens, er müsse sich jetzt entschuldigen, da er einige Stunden Schlaf nachholen müsse.

Im Adressbuch der 33-Jährigen war Bollag unter «Dr. JoBo» gespeichert. Er selbst meldete sich bei der Frau nur unter «Freund eines Freundes».

Wigdorovits bleibt auf Distanz

Dieser «Freund» war PR-Berater Sacha Wigdorovits.. Als es zum endgültigen Zerwürfnis mit Geri Müller kam, wendete sich die Frau an ihn. Es kam zu einem Treffen in Zürich. Erkennungszeichen war Wigdorovits' weisse Augenklappe, die dieser vorübergehend wegen einer Operation trug. Er riet ihr, sich einen Anwalt zu nehmen und die Daten zu sichern. In der Folge übermittelte die Frau ausgewählte Screenshots an Wigdorovits.

Doch auch Wigdorovits wollte keine treibende Rolle in der Affäre übernehmen. In verschiedenen Mails sagte er der Frau, er wolle ihr keine Ratschläge geben und lieber aus der ganzen Affäre rausgehalten werden. Einzig diverse Kontakte von Chefredaktoren und einen Anwalt vermittelte er der Frau.

Als die Gymnasiallehrerin einen psychischen Zusammenbruch erlitt, ins Kantonsspital Baden eingeliefert wurde und sich daraufhin bei Wigdorovits meldete, putzte dieser sie mit der Bemerkung ab, sie solle ihm doch lediglich die Ereignisse in sachlicher Weise schildern und Emotionen weglassen. Auch Interpretationen brauche er nicht, die könne er gut selber machen.

Screenshots gezeigt

Wigdorovits wehrte sich stets gegen die Behauptung, er habe die Screenshots Medienvertretern weitergeleitet. Die NZZ mutmasst aber, dass Wigdorovits zumindest «Schweiz am Sonntag»-Chefredaktor Patrik Müller die Auszüge aus dem Chat gezeigt haben könnte.

Noch nicht ausgewertet ist der Chat-Verkehr zwischen Geri Müller und der Frau. Ausgedruckt soll es sich dabei um rund 1700 Seiten handeln. (rhe)

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