Montagsporträt

Dieser Mellinger ist Rennfahrer aus Leidenschaft – und fährt auch mit 61 Jahren noch Autorennen

Der 61-jährige Romeo Nüssli aus Mellingen fährt nach zwei Jahrzehnten Pause wieder Autorennen – dank seiner Söhne.

Vor 23 Jahren war die Rennsport-Karriere von Romeo Nüssli beendet. Definitiv, dachten viele. Grund: Der damals 38-jährige frisch gebackene Familienvater und gelernte Fahrzeugschlosser hängte 1994 nach zahlreichen Erfolgen in Rundstrecken- und Bergrennen den Rennoverall an den Nagel.

Er kümmerte sich in der Folge um seine junge Familie und seine Mellinger Fahrzeugbau-Firma, die er seit 1989 in zweiter Generation führt. Nüsslis erster Sohn Marc war damals ein Jahr alt, ein Jahr nach dem Rücktritt kam Sandro zur Welt. «Ich hatte mit Autorennen abgeschlossen. Für mich war das damals endgültig. Na ja, manchmal kommt es eben anders als geplant», sagt Nüssli, mittlerweile 61-jährig, und schmunzelt.

Er spricht mit ruhiger Stimme, grosse Worte sind nicht sein Ding. Kaum zu glauben, dass dieser Mann, sobald er hinter dem Steuer eines Rennwagens sitzt, zu einem Draufgänger mutiert. Daran, dass er im Frühling vor zwei Jahren wieder in einen Rennwagen stieg, haben seine beiden Söhne einen erheblichen Anteil.

Romeo Nüssli mit seinem Ford Escort Cosworth, Pöllauberg 2017

Romeo Nüssli mit seinem Ford Escort Cosworth, Pöllauberg 2017

Nun fahren drei Nüsslis

«Sandro und Marc haben mit den Jahren immer grösseres Interesse am Automobilsport gezeigt», sagt Nüssli senior nicht ohne väterlichen Stolz. Die Karriere ihres Vaters konnten die beiden Söhne im Archiv nachlesen.

So erfuhren sie beispielsweise, dass ihr Papi zu Beginn spektakuläre Beschleunigungsrennen mit einem Dodge Challenger absolvierte und lange Jahre in der Formel 3 fuhr. Oder dass Romeo Nüssli 1985 mit zehn Tagessiegen den Schweizer Vizemeistertitel in der Kategorie V holte. «Irgendwann hatten wir die Archive leergelesen und wussten genug», sagt Sandro Nüssli (23), der Fahrzeugschlosser lernte wie sein Vater. «Da sagten wir uns, dass auch wir Autorennen fahren wollen.»

Gesagt, getan. Sandro und Marc Nüssli kauften einen knallroten Fiat X1/9 mit Mittelmotor und Heckantrieb. «Aber ohne elektronische Hilfsmittel», präzisiert Sandro Nüssli. In einem solchen Auto lerne man «richtig Auto zu fahren».

Und Nüssli senior? Er leistete sich für seine zweite Karriere einen 1993er-Ford Escort Cosworth mit Allradantrieb und rund 600 PS. Mit diesem Boliden bestreitet er Bergrennen im In- und Ausland. Um auch gegen aussen professionell aufzutreten, wurde im Frühling 2015 das «Nüssli Motorsport Team» gegründet, mit Homepage und allem Wissenswerten inklusive. Für den gelungenen Internetauftritt ist Informatiker Marc Nüssli zuständig.

Romeo Nüssli in Mickhausen 2016

Romeo Nüssli in Mickhausen 2016

Mittlerweile ist die dritte Saison nach der Team-Gründung abgeschlossen, die Autos sind zurück in den Garagen und werden in den kommenden Wochen und Monaten generalüberholt. «Bei meinem ‹Cosworth› müssen Kupplung und Getriebe revidiert werden. Ich rechne mal mit Kosten von gegen 10'000 Euro», sagt Romeo Nüssli und posiert für den Fotografen auf dem Firmenareal im Gheidquartier neben dem guten Stück. Mit den Ergebnissen des vergangenen Sommers ist der Rennfahrer zufrieden. Er klassierte sich im 160 Fahrer starken Feld auf dem dritten Schlussrang der Schweizer Bergmeisterschaft für Tourenwagen.

Sohn Sandro steuerte seinen Formel Renault, ebenfalls in der Bergmeisterschaft, auf Rang neun unter 22 Fahrern. Nicht zum Einsatz gelangte der für Berg- und Rundstreckenrennen vorgesehene Fiat von Marc. «Diesen Wagen machen wir für die kommende Saison bereit», meint Sandro Nüssli. Mit anderen Worten: Vater und Söhne Nüssli werden auch im nächsten Jahr wieder hinter dem Steuer ihrer Boliden sitzen.

Meistgesehen

Artboard 1