Baden

Dieser Geologe erklärt mittels Putzlappen, wie die Alpen entstanden sind

Geologe André Lambert, hier unter dem Schartenfels, hat ein Buch über die Aargauer Erdgeschichte geschrieben.

Geologe André Lambert, hier unter dem Schartenfels, hat ein Buch über die Aargauer Erdgeschichte geschrieben.

Der Badener Geologe André Lambert ist Mitautor eines neuen Buchs über die Aargauer Erdgeschichte. Er hat seine eigenen Kommunikationsmittel entwickelt, um die Geologie spannend zu machen.

Es ist kalt und regnerisch. André Lambert kommt trotzdem mit dem Velo vom Meierhof in die Badener Altstadt. Der 72-jährige Geologe hat ein Leben lang bei Wind und Wetter Feldforschung betrieben. Das hat ihn abgehärtet.

Grund des Treffens ist das aktuelle, im ZT-Verlag Zofingen erschienene Buch «Erdgeschichte und Landschaften im Kanton Aargau», welches er mit Berufskollege Walter Wildi für die Aargauische Naturforschende Gesellschaft verfasst hat. Der Titel klingt etwas angestaubt. Interessiert die geologische Vergangenheit des Kantons zwischen zwei Buchdeckeln überhaupt jemanden?

«Bei diesem Werk handelt es sich nicht um ein akademisches Lehrbuch», betont Lambert und fügt hinzu, «es soll für Wanderer und Biker eine kleine Wegleitung sein und leicht verständlich aufzeigen, wo es spannende, bis zu 300 Millionen Jahre alte Gesteinsschichten oder grosse Findlinge aus der Eiszeit zu sehen gibt.»

Vergangenheit als Zukunfts-Indikator

Der Pensionär hat schon in der 3. Klasse an der Kanti Baden gewusst, dass er Geologe werden will. Bei der Nagra war Lamberts Mission über zwei Jahrzehnte, mögliche Standorte für Tiefenlager von radioaktiven Abfällen erkunden. «Wir haben den Untergrund der Nordschweiz mit modernen Methoden exploriert und ich konnte meine Kenntnisse in das Buch einbringen.» Für ihn ist es keine Frage: Dieses Exposé über Jahrmillionen Erdgeschichte im Aargau kann alle interessieren.

«Um zukünftige Entwicklungen zu verstehen, ist die Vergangenheit ein wichtiger Indikator. Im Gestein lassen sich klimatische Bedingungen in den verschiedenen Zeitaltern ablesen und Bezüge zu aktuellen Themen machen.»

Meeresspiegelschwankungen, Erderwärmung, Treibhausgase und Co. prägen die Erdgeschichte seit Millionen. «Allerdings scheinen sich die klimatischen Veränderungen zurzeit besorgniserregend zu beschleunigen», meint Lambert.

Lägern – ein geologischer «Glücksfall»

Wer denkt, dass Naturwissenschaftler wie Lambert staubtrocken sind, wird eines Besseren belehrt. «Weil ich zu Nagra-Zeiten oft mit Leuten in Diskussion stand, die Geologie einen alten Hut interessierte, habe ich meine eigenen Kommunikationsmittel entwickelt», bekundet der topfitte Senior und zieht mit verschmitztem Lächeln ein Gebilde aus verschiedenfarbigen aufeinandergeschichteten Putzlappen aus seiner Tasche.

Er schiebt sie zusammen und versucht damit anschaulich zu machen, wie die Kollision der afrikanischen mit der eurasischen Kontinentalplatte die geologische Auffaltung der Alpen bildete. Und damit auch den Jura, dessen östlichster Ausläufer die Lägern sind.

«Die Kombination von Lägern und Flusserosion der Limmat ist ein geologischer Glücksfall», sagt er und strahlt über das ganze Gesicht, «es ist einer der wenigen Orte, wo sich die Erdgeschichte der Nordschweiz mit unterschiedlichsten Gesteinsschichten an der Oberfläche offenbart.»

Dem Leben mit Humor und heiterer Gelassenheit begegnen

Natürlich ist auch darüber in «Erdgeschichte und Landschaften im Kanton Aargau» zu lesen. Und es gibt viele weitere Ausflugstipps zu speziell interessanten Gesteinsformationen, die gut erschlossen und für jedermann sichtbar sind. Lamberts Begeisterung für die Geologie ist ungebrochen. Aber er liebt auch die Komik von Loriot und Cartoons von Tim und Struppi oder Asterix.

Dem Leben mit Humor und heiterer Gelassenheit zu begegnen ist das Credo des gebürtigen Badeners. Das gelang nicht immer. Vor 20 Jahren starb seine Frau, mit der er eine Tochter hat, an Krebs. «Das war die grösste Zäsur in meinem Leben», meint Lambert. Und auch wenn er seiner Geburtsstadt treu geblieben ist, packt ihn doch manchmal das Fernweh. Dann erkundet er die Weltmeere als Passagier auf einem Frachtschiff.

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