Diesen Donnerstag wird in Ennetbaden an der Gemeindeversammlung über die neue Bau- und Nutzungsordnung abgestimmt. Eine Änderung, die der Gemeinderat vorschlägt, sorgt dabei für viel Gesprächsstoff: In der Wohnzone W2S, die rund einen Fünftel des Ennetbadener Baugebiets umfasst, soll der Bau von Terrassenhäusern verboten werden. Dadurch soll «eine bessere Durchgrünung und Einpassung in die vorhandene Baustruktur» erreicht werden, heisst es in der Vorlage.

Schon im Juni zeichnete sich Widerstand gegen den Vorschlag ab: 38 Einsprachen gingen gegen das geplante Terrassenhausverbot ein. Zu den Gegnern des Verbots sowie der BNO-Revision an sich gehört Robert Egloff. Er hat in den vergangenen Wochen zusammen mit seiner Frau sowie einem befreundeten Ehepaar Dutzende Mails an Ennetbadener Stimmbürger verschickt, mit der Empfehlung, an der Versammlung teilzunehmen und die neue BNO abzulehnen.

Keine Terrassenhäuser mehr in Ennetbaden?

Keine Terrassenhäuser mehr in Ennetbaden?

Das sagt Andreas Müller von der Bauverwaltung der Gemeinde und die Bevölkerung von Ennetbaden. (April 2016)

Egloff wohnt in einem Haus älteren Jahrgangs. Er sagt, er sei kein prinzipieller Fan von Terrassenhäusern, doch das geplante Verbot verletze die Eigentumsgarantie, denn der Wert einer Parzelle drohe durch das Verbot zu sinken. «Gleichzeitig sind wir der Ansicht, dass das Verbot nach dem Grundsatz der Rechtsgleichheit in allen oder keiner der Bauzonen der Gemeinde gelten müsste, und nicht nur in einer spezifischen Gegend, wie nun vorgeschlagen wird.» Hinzu komme, dass Ennetbaden am Hang liege, und Terrassenhäuser seien deshalb eine clevere Überbauungsform. «Es gibt zweifellos auch schöne Terrassenhaussiedlungen in unserer Gemeinde, und die vom Gemeinderat gelobten Punkthäuser hätten den Nachteil, dass die Aussicht eingeschränkt würde.»

Auch die restlichen Punkte der BNO-Revision überzeugen Egloff nicht. «Eine Bau- und Nutzungsordnung sollte klar und verständlich formuliert sein. Stattdessen beinhaltet der Vorschlag des Gemeinderates, über den wir abstimmen, diverse Begriffe, die grossen Interpretationsspielraum offenlassen.» Zum Beispiel die Sorgfalt: Was «sorgfältige Umgebungsgestaltungen» oder eine «sorgfältige Einpassung ins Quartier» bedeuten, sei Geschmacksache, sagt Egloff. Dasselbe treffe auf Adjektive wie angemessen, ausreichend, zweckmässig oder einwandfrei zu, die in der BNO-Revision mehrfach verwendet werden. Die BNO drohe wegen der unklaren Begriffe zu Juristenfutter zu werden. Rechtliche Streitigkeiten seien vorprogrammiert. Unter dem Strich erschwere die vom Gemeinderat vorgeschlagene Revision die Planung und schränke Projekte technisch und ökologisch ein, ist Egloff überzeugt. «Die Risiken für die Bauherren nehmen zu.»

«Fast so wie Terrassenhäuser»

Gemeindeammann Pius Graf (SP) entgegnet: «Wir haben vergangene Woche an einer Informationsveranstaltung mittels Visualisierungen aufgezeigt, dass man auch gemäss der neuen BNO Häuser bauen kann, die fast so aussehen wie Terrassenhäuser.» Der Unterschied bestehe darin, dass gegliederte Bauten maximal 22 Meter lang und 12 Meter hoch sein dürfen, «währenddem das Terrassenhaus in dem Sinne keine Höhe kennt, sondern sich pro Stockwerk immer wieder neu misst». Ob das mögliche Volumen künftig in einer Punktbaute oder als gegliederter Bau – einem Terrassenhaus ähnlich – realisiert werde, würde gemäss neuer BNO keine Rolle spielen und sei frei anwendbar für den Bauherrn, sagt Graf. «Mit der Einschränkung auf 22 Meter möchten wir verhindern, dass diese gut einsehbaren Hänge flächendeckend mit überlangen Terrassenhäusern bebaut werden.»

Zum Vorwurf der BNO-Kritiker, das Terrassenhausverbot missachte das Gebot der Rechtsgleichheit, sagt Graf: «Es macht keinen Sinn, ein Terrassenhausverbot in einer Zone durchzusetzen, die flach ist oder bereits überbaut wurde.» Als Polemik bezeichnet er den Vorwurf, die Formulierungen der neuen Vorlage seien missverständlich. «In der noch geltenden BNO wird häufig das Wort «optimal» verwendet. An dessen Stelle haben wir nun Begriffe gewählt, die sich in der Planungssprache etabliert haben, wie etwa die Sorgfalt.»