Urbane Entwicklung

Die Zukunft der Wakkerpreis-Stadt: 4 Badener Quartiere stehen vor einem grossen Wandel

Die Innenstadt ist eines von vier Quartieren, die sich markant verändern dürften.

Die Innenstadt ist eines von vier Quartieren, die sich markant verändern dürften.

Wie wird sich Baden bis 2040 weiterentwickeln? Ende Januar wird darüber abgestimmt.

Diese Woche hat Baden für seine vorbildliche Ortsbildentwicklung den Wakkerpreis des Schweizer Heimatschutzes erhalten. Die Kommentare in Schweizer Zeitungen sind sich einig: Die Auszeichnung ist Ehre und Verpflichtung zugleich. Der Preis sei eine Aufforderung, auch künftig sorgfältig mit dem historischen Erbe umzugehen und der Verdichtungswelle mit qualitätsvoller Weiterentwicklung zu begegnen.

Die Ausgangslage ist zweifellos eine Herausforderung. Denn die Prognosen rechnen für Stadt zwischen 2013 und 2040 mit einem Bevölkerungswachstum von 34 Prozent oder 6330 Personen. Jedoch sind bereits 97 Prozent der bestehenden Wohn- und Mischzonen überbaut. Kann und soll Baden ­überhaupt noch wachsen? «Ja», antwortet Stadtammann Markus Schneider (CVP), «wir stehen von der Grundhaltung her zum Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum. Wir möchten uns qualitativ hochstehend ­weiterentwickeln.»

Oberstadt wird dichtes und urbanes Quartier

Antworten auf die Frage, wie sich Baden in den nächsten zwei Jahrzehnten verändern könnte, gibt das Raumentwicklungskonzept der Stadt. Das Dokument formuliert Vorgaben für die Stadtentwicklung. Ausgerechnet an der nächsten Einwohnerratssitzung Ende Januar – also wenige Tage nach Erhalt des Wakkerpreises – kommt es im Parlament zur Debatte über die künftige Entwicklung Badens.

Das Raumentwicklungskonzept macht unmissverständlich klar: Einige Badener Quartiere werden sich grundlegend verändern, wenn auch ihre Identität bewahrt werden soll. Den stärksten Wandel wird es voraussichtlich in jenen vier Quartieren geben, die als sogenannte Transformationsgebiete definiert worden sind. Erstens soll sich das Gebiet rund um den Bahnhof Oberstadt zu einem dichten, urbanen Wohnquartier entfalten. Rund 700 Menschen lebten hier im Jahr 2016; je nach Ausgestaltung besteht das Potenzial, mittels Innenverdichtung Flächen für 1500 zusätzliche Personen und 1000 neue Arbeitsplätze zu schaffen. Die Zusammensetzung der Bevölkerung soll durchmischt bleiben, dies dank eines preislich vielfältigen Wohnraumangebotes.

Die Stadt will dafür sorgen, dass das Quartier gut an Naherholungsgebiete wie den Chrüzliberg und die Limmat sowie an Freiräume wie den Park der Villa Boveri angebunden wird. Zur Debatte steht auch ein neuer Schulstandort in diesem Quartier.

Das zweite Quartier, das sich verändern wird: Dättwil. Dieser Stadtteil bietet gute Voraussetzungen, sich zu einem urbanen Wirtschaftsstandort zu entwickeln. Bisher herrscht hier ein heterogenes Nebeneinander, künftig sollen die Areale besser miteinander verbunden werden. Bereits viel diskutiert in diesem Zusammenhang: die Idee, die beiden Wirtschaftsstandorte Segelhof und Kantonsspital mittels Überdachung der Autobahn zu verbinden und die Fläche zu nutzen. Belebt werden soll Dättwil zudem durch den Bau von «nicht alltäglichen Wohnungen» wie Lofts, Attikas oder Grosswohnungen für Wohngemeinschaften. Hochhäuser, die auf gewissen Parzellen bereits heute erlaubt wären, werden hier wohl in Zukunft gebaut. Und: Auf dem Dättwiler Galgenbuck steht die letzte grosse zusammenhängende Landreserve in Baden, hier soll ein neues Stadtquartier für 2000 Menschen verwirklicht werden.

Bisher wenige Freiräume im Kappelerhof

Grosses Potenzial für mehr Einwohner bietet drittens der Kappelerhof. Hier leben aktuell rund 450 Menschen, durch Verdichtung könnte die Zahl auf 1800 ansteigen und Platz für mehr als 1000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Die ­Herausforderung: Ausser der Schulanlage gibt es im Siedlungsgebiet keine öffentlichen Frei­räume. Und zahlreiche Einzelprojekte sind bereits bewilligt worden, sie müssen gemäss Stadt aber noch besser aufeinander abgestimmt werden.

Viertens wird sich die Innenstadt verändern, allerdings brauche es in Kooperation mit den Grundeigentümern eine Gesamtidee, wie sich Bad- und Bäderstrasse in Zukunft baulich und funktional entwickeln sollen, heisst es im Raumentwicklungskonzept.

Dass der Wakkerpreis Ehre und Verpflichtung zugleich darstellt, weiss man in Badens Nachbarort Turgi, ausgezeichnet im Jahr 2002. Die Gemeinde habe es geschafft, den Preis als Ansporn zu sehen, mit der Folge, «dass sich die Saat aus der Zeit vor dem Wakkerpreis in voller Blüte entfaltete», sagt Buchautor und Architekt Ruedi Dietiker. Ob in 20 Jahren dies auch Baden von sich wird behaupten können, hängt eng mit dem Raumentwicklungskonzept zusammen, das in zehn Tagen verabschiedet werden soll.

Baden wurde diese Woche mit dem Wakkerpreis ausgezeichnet – für «kluge Investitionen in die öffentlichen Freiräume». Die Karikatur zeigt einen der Stadtplätze, die wiederholt in der Kritik stehen, weil sie trist und leer seien.

Baden wurde diese Woche mit dem Wakkerpreis ausgezeichnet – für «kluge Investitionen in die öffentlichen Freiräume». Die Karikatur zeigt einen der Stadtplätze, die wiederholt in der Kritik stehen, weil sie trist und leer seien.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1