Seit 1986 arbeitet Kurt Vogt als Förster und unterhält die Wälder in Gebenstorf und Turgi. In den 30 Jahren auf seinem Beruf hat er schon einiges erlebt. Doch was sich vergangene Woche im Turgemer Wald zutrug, habe selbst er noch nie gesehen: Auf einer Fläche von 35 Aren mussten zahlreiche Fichten gefällt werden. Das ist halb so gross wie ein Fussballfeld.

Borkenkäfer haben die Bäume angegriffen, der Boden sei voller Bohrspäne gewesen. «Wie eine Schicht Sägemehl um die Bäume», beschreibt Vogt den Zustand im Turgemer Wald. Als «Totalausfall» bezeichnet er die momentane Situation. Die Bäume hätten keine Chance gehabt, alle mussten gefällt werden.

Verlust von etwa 10 000 Franken

Wieso der Befall heuer so schlimm ausfällt, darüber muss Vogt nicht lange nachdenken: Starke Hitze und Trockenheit setzen den Wäldern zu. «Wenn es so trocken ist, ist die Rinde nicht vital», sagt Vogt. «Normalerweise können sich die Bäume gegen die Käfer wehren, indem sie Harz produzieren und die Schädlinge ertränken.» Weil es aber kaum geregnet hat, fehle den Fichten die nötige Feuchtigkeit dazu.

250 Kubikmeter Holz ergaben sich aus den Rodungen. Weil es anderen Wäldern ähnlich ergehe, sei es schwierig, einen Abnehmer zu finden. «Es gibt so viel Käferholz, dass der Markt tot ist», sagt Vogt. Wann er das Holz verkaufen kann, kann er nicht sagen. Den Verlust schätzt der erfahrene Förster auf etwa 10 000 Franken. Ein hoher Betrag, bedenkt man die Grösse der dafür verantwortlichen, winzigen Käferchen. Machen könne man nichts. «Wir können nur hoffen, dass wir alle kranken Bäume erwischt haben», sagt Vogt. «Und regelmässige Kontrollen machen.» Das schütze zwar nicht vor weiteren Rodungen, aber immerhin könne so die Ausbreitung der Schädlinge schnellstmöglich eingedämmt werden.

Waldbild wird sich in Zukunft verändern

Auch andere Forstgebiete sind betroffen: «Uns geht es im Zurzibiet nicht anders», sagt Felix Keller, Förster der Forstverwaltung Klingnau-Döttingen-Koblenz-Rietheim. «Aber in dem Ausmass habe ich das noch nie gesehen.» Der Borkenkäfer sei nur der Vollstrecker. Denn der Schädling greife ausschliesslich bereits geschwächte Bäume an. «Ursache sind die Hitze und die Trockenheit», sagt Keller. Als Förster könne man nur noch Schadenbegrenzung betreiben und die befallenen Bäume abholzen. «In den nächsten Jahren wird das noch schlimmer», prognostiziert Keller. Peter Muntwyler vom Forstbetrieb Heitersberg mit den Wäldern der Gemeinden Spreitenbach, Bellikon, Killwangen, Oberrohrdorf und Remetschwil klagt ebenfalls: «Das ist nicht das erste Jahr, dass wir mit der Hitze zu kämpfen haben. Es wird aber auch im nächsten Jahr voraussichtlich kaum ein Ende nehmen.»

Wo sinnvoll und möglich, seien Abholzen und Warten, bis sich der Prozess natürlich reguliert die einzige Lösung. Am meisten unter der Hitze leiden Fichten, Buchen, Weisstannen, Föhren und Ahorne. «Die machen über 85 Prozent unserer Schweizer Wälder aus und sind stark gefährdet», sagt Muntwyler. Da würden bei ihm die Alarmglocken läuten. Doch schwarzmalen wolle er nichts: «Den Wald wird es auch weiterhin geben. Nur das Bild wird sich verändern.»