Baden

Die Stadt stellt ihr Grundstück zur Verfügung – das sorgt für Verwunderung

So könnte der Neubau am Schadenmühleplatz aussehen: Im Erdgeschoss soll es zwei Läden geben, darüber 17 Wohnungen.

So könnte der Neubau am Schadenmühleplatz aussehen: Im Erdgeschoss soll es zwei Läden geben, darüber 17 Wohnungen.

Am Badener Schadenmühleplatz entsteht ein Neubau. Nun ist klar, warum die Stadt nicht als Bauherrin auftritt, obwohl das Projekt auf ihrem Boden geplant ist.

Dort, wo heute noch das «Pilzhüsli» des Pilzvereins der Region Baden steht und im Herbst Tag für Tag die Pilzkontrolle stattfindet, sollen bald neue Mietwohnungen und Läden entstehen. Auf zwei Grundstücken an der Ecke Mellingerstrasse/Schadenmühleplatz planen die Meier Schmocker Immobilien AG aus Wettingen und die Tinoph AG des Dättwiler Unternehmers Christoph Schoop einen Neubau.

Für Verwunderung sorgte in der Stadt die Tatsache, dass die privaten Bauherren auf zwei Grundstücken planen, von denen eines derzeit noch dem Kanton Aargau gehört und das andere im Besitz der Stadt Baden ist. Der Kanton will seine Fläche an die Bauherrschaft verkaufen.

Das Grundstück der Stadt ist bislang aber immer noch Teil des SchadenmühleplatzAreals und dient als kleine Grünfläche am Eingang zum Meierhof-Quartier. Neben dem «Pilzhüsli» stehen ein grosser, alter Kastanienbaum, der das Ortsbild an der Stadtbachstrasse prägt, sowie eine WC-Anlage und zwei Sitzbänke auf der Wiese.

In welcher Form die Zusammenarbeit der Stadt mit der privaten Bauherrschaft besteht, wurde aus dem Baugesuch, das im September öffentlich auflag, nicht klar. Das Team Baden plante deshalb, im Einwohnerrat eine dringliche Anfrage an den Stadtrat einzureichen. Damit wollte die Partei unter anderem erfahren, ob der Stadtrat die Eignung des Grundstücks für andere Zwecke geprüft hat und ob es ähnliche Pläne für weitere Standorte in der Stadt gibt.

Nicht zuletzt hat der Stadtrat schon seit längerem den Auftrag des Einwohnerrats, eine Boden- und Immobilienstrategie auszuarbeiten. Das Team wollte deshalb auch wissen, ob man nicht erst das Ergebnis dieser Strategie abwarten müsse, bevor es zu solchen Abgaben von Grundstücken kommt. «Wir haben das Gespräch mit dem Stadtrat und der Abteilung Immobilien gesucht und sehen mittlerweile von einer offiziellen Anfrage im Einwohnerrat ab», sagt Parteipräsidentin Iva Marelli.

«Die meisten Fragen und Unklarheiten konnten geklärt werden.» Nichtsdestotrotz habe man gestaunt über das gewählte Vorgehen. «Wir werden das Projekt sicher auch weiterhin im Auge behalten. Besonders im Hinblick auf die kommende Boden- und Immobilienstrategie», sagt Marelli.

Gibt es ein Baurecht oder wird das Grundstück verkauft?

Wie das Vorgehen zwischen Stadt und Bauherrschaft aussehen wird, ist immer noch unklar, wie Stadtrat und Immobilienvorsteher Philippe Ramseier (FDP) sagt: «Denkbar ist eine Landbereitstellung im Baurecht oder eine Beteiligung im Miteigentum.» Die Stadt leiste damit einen Beitrag an eine qualitätvolle innere Verdichtung.

Und sie trage zur Umsetzung der städtischen Wohnbaustrategie (nicht zu verwechseln mit der Immobilienstrategie, Anm. d. Red.) bei, indem sie Kooperationen mit Privaten eingeht und eine aktive Rolle beim Bau von Wohnungen einnehme.

So könne unter anderem bezahlbarer Wohnraum geschaffen und die Siedlungsentwicklung «nach innen» gesteuert werden. Und nicht zuletzt könne man hier «brachliegendes Bauland» aktivieren. Klar ist: Mit dieser öffentlich-privaten Partnerschaft begeht die Stadt Baden neue Wege. Dass die Stadt hier als Vermieterin auftrete, sei aber nicht vorgesehen.

Das Grundstück mit der Grünfläche vom Schadenmühleplatz abzutrennen und zu überbauen, sei sinnvoll, sagt Stadtrat Ramseier. Die Grünfläche liegt, anders als der eigentliche Platz, schon bisher in der Bauzone. Dass mit dem Neubau der Zugang zum Quartier verändert wird und eine öffentliche Freifläche verschwindet, ist dem Stadtrat bewusst. «Nach der Bebauung wird es kein öffentlicher Aussenraum mehr sein», sagt Ramseier.

Die Bauherrschaft sei aber mit der Stadt und vor allem auch mit der Stadtökologie im Austausch, um die Gestaltung der Umgebung und auch den Umgang mit dem Kastanienbaum zu klären. Ein Erhalt des Baums dürfte allerdings schwierig sein, wenn man sich die Bauprofile anschaut.

Einsprachen wegen Fragen zur Zufahrt und Abständen

Dem Vernehmen nach gab es gegen das Neubauprojekt mehrere Einsprachen. «Ja, es sind mehrere Einwendungen eingegangen. Diese betreffen die verschiedensten baurechtlichen Parameter», sagt Monika Suter, Leiterin Planung bei der Stadt Baden. Dazu würden etwa Lärm, Abstände, die Zufahrt zum Gebäude oder grundsätzliche Einordnungsfragen zählen. Mehr könne man derzeit nicht sagen, da es ein laufendes Verfahren sei, so Suter.

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