Baden
Die Regionalwerke kaufen ihren Strom auswärts und günstiger ein

Vermehrt beziehen Endverteiler elektrische Energie nicht mehr bei der AEW Energie AG, sondern von der Swisspower, einem Verbund von Stadtwerken. Die Kunden freuts: Seit Oktober zahlen sie dadurch 1,2 Rappen weniger pro Kilowattstunde.

Roman Huber
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Die Regionalwerke AG Baden bezieht 20 Prozent der elektrischen Energie aus Limmatwasserstrom.

Die Regionalwerke AG Baden bezieht 20 Prozent der elektrischen Energie aus Limmatwasserstrom.

Roman Huber

Die Strombezüger im Einzugsgebiet der Regionalwerke AG Baden (RWB) dürfen sich freuen: Per 1. Oktober haben die Regionalwerke den Strompreis um 14,8 Prozent senken können. Dies macht durchschnittlich für den Verbraucher ungefähr 1,2 Rappen pro Kilowattstunde aus. Möglich geworden sei das, weil man den Strom etwas günstiger einkaufen könne, sagt Geschäftsführer Christoph Umbricht.

Seit Anfang 2013 beziehen die RWB nämlich die elektrische Energie nicht mehr bei den AEW Energie AG, sondern bei der Swisspower Energy AG. Swisspower ist ein Verbund von inzwischen 22 Stadtwerken, unter ihnen auch die RWB. Deren Energiehandelsfirma Swisspower Energy kauft die elektrische Energie auf dem Markt zu möglichst günstigen Konditionen ein.

Grosskunden sind abgesprungen

Nach der Öffnung des Strommarktes im Jahre 2009 blieb es zuerst eher ruhig. Der Marktpreis lag noch einiges über dem Grundversorgungspreis der Axpo. Die Wirtschaftskrise in Europa und der teure Franken respektive der eingebrochene Euro brachten Bewegung in den Strommarkt.

Der Marktpreis kam plötzlich unter den Grundversorgungspreis zu liegen, den die Kantonswerke – so auch das AEW – von den Endliefernaten für den von der Axpo bezogenen Strom verlangten. Grosse Industriekunden wandten sich von den RWB ab; weitere spielten mit dem Gedanken damit. «Wir haben den Markt im Jahr 2012 genau beobachtet und sind darob natürlich hellhörig geworden», sagt Umbricht.

Man habe sich aufgrund des errechneten Bedarfs für 2013 sowohl vom AEW als auch von Swisspower Energy ein Angebot machen lassen, erklärt Umbricht. Dabei sei jenes von Swisspower etwas günstiger ausgefallen. Darum wechselten die RWB nun direkt zu Swisspower.

Limmatwerke mit AEW-Beteiligung

Laut Umbricht hat dieser Fremd-Einkauf keinerlei Auswirkungen auf die Zusammenarbeit bei der Limmatkraftwerke AG, an denen das AEW mit 40 Prozent und die RWB mit 60 Prozent beteiligt sind. «Der Wechsel verlief frei von Emotionen und ausserdem sehr transparent ab», sagt Umbricht.

Die Freude über den Absprung der Badener dürfte sich beim AEW in Grenzen halten. Zumal ab 2014 unter anderen auch Spreitenbach sowie die Elektrizitätsgenossenschaft Siggenthal den Strom auswärts einkaufen.

Bei der AEW Energie AG heisst es: Aufgrund der aktuell tiefen Strompreise an den europäischen Börsen ist der Strommarkt mehr und mehr in Bewegung gekommen. Neben den Industriekunden prüfen auch Endverteiler alternative Beschaffungsoptionen. Es ist festzustellen, dass es immer mehr Marktanbieter gibt, die nun auch ausserhalb ihres Versorgungsgebiets aktiv werden.

Strom aus ganz Europa

Während der Kunde weiterhin nur den Schalter zu betätigen und die Rechnungen zu bezahlen hat, wird der Strommarkt laut den Werken immer komplexer. So wird der Strom heute nicht nur als Basis- und Peak-Energie (Spitze), sondern in verschiedensten Produkten und auch zu Tagespreisen gehandelt. Es sei vergleichbar mit Warentermingeschäften, sagt Umbricht. Die Regionalwerke beziehen jährlich 150 Gigawattstunden für ihr Versorgungsgebiet.

Für 60 Prozent beschafften die RWB den Herkunftsnachweis für Strom aus Schweizer Wasserkraft, wovon 20% aus den Limmatkraftwerken. Die weiteren 40 Prozent sind Marktenergie. Bei diesem sogenannten Graustrom – ohne Herkunftsnachweis – ist nicht definiert, ob er aus Wasser-, Atom- oder Kohlekraftwerken stammt und woher er kommt.