Dättwil
Die exotischen Tiere sind Peter Sandmeiers Leidenschaft

Vor 20 Jahren begann Tierarzt Peter Sandmeier als Vogelexperte – morgen gibt er Einblick in seine Praxis, die stetig gewachsen ist. Gewundert hat ihn das nicht: «Der Kleintierboom hält unvermindert an»

Roman Huber
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Peter Sandmeier (l.) und Dominik Kaiser bei der Operation eines Weissstorches, der eine Schnabelfraktur erlitten hat. zvg

Peter Sandmeier (l.) und Dominik Kaiser bei der Operation eines Weissstorches, der eine Schnabelfraktur erlitten hat. zvg

Aufgewachsen ist Praxis-Gründer Peter Sandmeier in Afrika. Mit 15 Jahren kam er in die Region. Die exotischen Vögel, die er in Afrika erlebte, wurden zu seiner Passion.

Er war sich der Ambivalenz bewusst: Vögel in Freiheit dort, hier in Volieren und Käfig gehalten. «Zum Glück ist punkto tiergerechter Haltung einiges gegangen», sagt Sandmeier.

Die Vögel sind sein Spezialgebiet geblieben. «Doch die Realität in der Kleintierpraxis ist heute eine andere», sagt Sandmeier: Die Katzen und Hunde dominieren klar. Und auch der Kleintierboom halte unvermindert an.

«Immer mehr Menschen möchten sich ein Tier halten», sagt Sandmeier. Dafür werde viel Geld ausgegeben.

«Auch ein Zeichen unserer Wohlstandsgesellschaft», meint er. Das zeige sich, wenn ein Tier vom Leiden erlöst werden müsse.

«Für manche Halter ist es mit der Spritze vorbei. Andere wollen nichts unversucht lassen, auch wenn es nicht mehr zum Wohl des Tieres ist.» Da müsse ein Tierarzt mit Gespür intervenieren.

Auch schon ein Leopard als Patient

Peter Sandmeier hat in 20 Jahren einige Trends beobachtet. «Bei den Hunden haben wir es zunehmend mit kleinen Rassen zu tun. Und, auch wenn wir uns nicht Reptilienpraxis nennen, haben wir es vermehrt mit exotischen Tieren zu tun.»

Es gebe auch seltene Patienten, beispielsweise eine Vogelspinne, da müsse man sich zusätzliches Wissen aneignen. «Wir hatten auch schon Störche, einen Marabu, Krallenäffchen, einen Gepard oder einen Leoparden auf dem Behandlungstisch», erzählt Sandmeier.

Oft sei eher der Tierbesitzer Patient, sagt Sandmeier und schmunzelt. Viele Leute seien zwar auf ihre Tieranschaffung vorbereitet. Andere kämen erst auf die Welt, wenn sie mit den Eigenheiten konfrontiert würden, so bei einem pubertierenden Hund. Er erzählt zudem von einer kleinen Schildkröte, im Süden am Markt für das Kind gekauft, die nach einigen Jahren eine beträchtliche Grösse erlangen wird.

Tierhalter wollen mehr wissen

Nebst Kunden, die sich ein seriöses Wissen angeeignet hätten, gebe es die Gutgläubigen oder aber die heiklen, die sich ein zweifelhaftes Halbwissen angeeignet hätten. In der Veterinärmedizin sei das Grundwissen weiterhin gültig. Doch vieles habe sich verändert. «Früher erfolgte die Narkose beim Hund in den Muskel, heute intravenös.»

Überhaupt sei der Einsatz von Schmerzmitteln vorangetrieben worden. «Auch bei unserem Denken hat sich einiges geändert.» Der laborklinische Bereich habe sich ebenfalls entwickelt: «Es wird mehr und vertieft untersucht.»

Trends in der Veterinärmedizin würden jeweils im Team diskutiert: «Wir versuchen auf einen Nenner zu kommen, damit wir eine einheitliche Meinung vertreten können», so Sandmeier.

Im Praxisalltag bezieht man immer den Kunden mit ein. Sandmeier nimmt die Kastration bei Hunden als ein Thema: «Wir besprechen mögliche Vor- und Nachteile mit dem Kunden und beziehen ihn beim Entscheid mit ein.»

Schöne und traurige Momente

Die neuen Gesetze haben laut Sandmeier einiges verändert. Die Tierschutzvorschriften sind schärfer geworden. «Ich denke an die obligatorische Registrierung bei der Datenbank Anis oder an den Sachkundenachweis.» Es werde heute mehr verlangt, auch vom Staat. «Und das ist gut so», ist der Tierarzt überzeugt.

Ein Tierarzt erlebe schöne Augenblicke, erzählt Sandmeier. Erst kürzlich habe er erlebt, wie zwei angefahrene Katzen, welche die Besitzer für verloren erklärt hätten, wieder gesund geworden seien. Man könne zwar nicht immer helfen, oder dann, indem ein leidendes Tier erlöst werde. Das seien tragische Augenblicke, so Sandmeier: «Wenn ich bei der Euthanasie eines Hundes spüre, dass eine ältere, alleinstehende Person ihr Ein und Alles, die Lebensperspektive verliert, kommen mir auch mal die Tränen», schildert er. «Ältere Leute denken dann oft, sie könnten es nicht mehr verantworten, wieder einen Hund zu halten. Manchmal widerspreche ich ihnen.»

Tag der offenen Tür:, Morgen Samstag, 11–16 Uhr, Täfernstrasse 11b, Dättwil.