Bellikon

Der Ort für die Pioniere der Metallindustrie: Seine Geschichte zeigt nun das Ortsmuseum

Die Geschichte der Metallbetriebe nahm in der Region ihren Anfang. Das zeigt eine Sonderausstellung im Ortsmuseum Bellikon.

Vor dem Besuch des Ortsmuseums Bellikon müssen Besucher und Besucherinnen ihr Erscheinen auf der Stempeluhr nachweisen. Die Zeiterfassung der Firma Birchmeier-Künten war bis im Jahr 1971 im Einsatz. In der Vergangenheit hat die Uhr vielen Mitarbeitern ihr verspätetes Erscheinen mit einem «roten Stempel» nachgewiesen. «Die Firma Birchmeier-Künten hatte eine enorm grosse Bedeutung als Arbeits- und Ausbildungsplatz für die ganze Region», sagt Josef Monn, Präsident des Museumsvereins Bellikon.

Die Geschichte der Metall-Betriebe in der Region nahm mit Kastor Egloff seinen Anfang. 1820 kam er als sechstes von zehn Kindern in Niederrohrdorf zur Welt. Der Knabe hatte mit 6 Jahren grosses Glück: Dank dem Kinderheim Pestalozzi wurde er kein Verdingkind und konnte in Birr Handwerk und Schulbildung erfahren. Er erhielt schliesslich eine Lehrstelle in Zürich.

Vater legte die Grundlage für expansionsfreudigen Sohn

1849 kehrte der gelernte Spengler nach Niederrohrdorf zurück und gründete im Elternhaus die Firma Egloff – die nachmalige EGRO (Egloff Niederrohrdorf). Die einfachen Metallwaren wurden über den Berg nach Killwangen getragen und mit der Spanisch-Brötlibahn von Baden nach Zürich auf den Markt gebracht.

Diese umständliche Abwicklung veranlasste Kastor Egloff dazu, ein Angebot der Firma Oederlin als Werkmeister zunächst anzunehmen. Seine Gattin Barbara riet ihm jedoch davon ab.
Der erste Sohn der Familie Egloff – Wilhelm wurde 1851 geboren und arbeitete bereits als Kind beim Vater in der Firma. 20-jährig gründete Wilhelm neben dem Betrieb des Vaters ein eigenes Geschäft und schon mit 25 Jahren mit seinem Schwiegervater Trost in Künten am Belliker Bach die Firma Egloff & Trost.

1898 entstand daraus die Firma Birchmeier. Die Firma verkaufte Haushaltsartikel, darunter Laternen, Bienenzucht-Artikel und Spritzen für Pflanzenschutz. Für den umtriebigen Wilhelm war das noch nicht genug, in Zürich übernahm er einen bestehenden Betrieb und gründete in Turgi eine grosse Metallwarenfabrik und Giesserei die spätere BAG Turgi.

Kleiner Ort – grosse Geschichten

Doch was machte die Region im 19. Jahrhundert für Metall-Betriebe so attraktiv? «Zum einen herrschte zu dieser Zeit eine grosse Armut und ein Mangel an Arbeitsplätzen. Die Egloff‘s schufen mit Ihren Firmen attraktive Arbeitsplätze und Verdienst. Doch ohne Pestalozzi-Heim, hätte Kastor Egloff diese Entwicklung nicht begründen können, sagt Josef Monn.

Auch das Ortsmuseum ist von den Corona-Schutzmassnahmen betroffen. Alle Führungen finden mit Maskenpflicht statt. «Wir nehmen an, dass wir die momentane Ausstellung bis zum Museumstag im Mai erhalten werden, statt wie geplant nur bis Anfangs 2021», sagt Monn. Schliesslich steckt viel Leidenschaft in der Ausstellung.

«Seit 25 Jahren – steckt Josef jeden Tag viel Herzblut ins Ortsmuseum», sagt der Vize-Präsident Peter Gysi über seinen Kollegen. Das soziale Engagement an einem kleinen Ort wie diesem liegt den beiden sehr am Herzen: Schliesslich erzählt das Ortsmuseum grosse Industriegeschichte über mehr als 20 Firmen – von A wie ABB Baden bis W wie Wetter Busslingen.

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