Baden

Der Kappelerhof fürchtet sich vor Abtrennung und Abkopplung

Am Ende des Kappelerhofs (oben) soll ein Tunnelportal entstehen.

Am Ende des Kappelerhofs (oben) soll ein Tunnelportal entstehen.

Das Verkehrsprojekt Oase des Kantons sorgt nun auch in Baden für Sorgen: Wegen der Zufahrt zum geplanten Martinsbergtunnel.

Immer, immer wieder verbreiten die Gegner des geplanten Verkehrsprojekts Oase folgende Botschaft: Baden werde vom Vorhaben profitieren, während umliegende Gemeinden wie Obersiggenthal die Lasten zu tragen hätten.

Ganz so einfach präsentiert sich die Situation aber offenbar nicht, wie sich nun zeigt: Denn auch in der Stadt Baden sehen sich nicht alle als Profiteure des Projekts, das unter anderem einen Umfahrungstunnel durch den Martinsberg zum Liebenfels vorsieht.

Vier Mitglieder des Badener Einwohnerrates aus unterschiedlichen Parteien, die im Kappelerhof-Quartier wohnen, haben vor wenigen Tagen eine Anfrage an den Stadtrat verfasst. Selena Rhinisperger (SP), Antonio Ventre (CVP), Luca Wälty (Team) und Daniel Glanzmann (SVP) wollen wissen, wie sich die Stadtregierung zum Regionalen Gesamtverkehrskonzept Oase stellt.

«Das Quartier wäre vom Stadtzentrum abgekoppelt»

Die vier Parlamentarier halten fest: «Das Zentrum von Baden soll mit den vorgeschlagenen Massnahmen vom Durchgangsverkehr entlastet werden und wird wohl am meisten vom vorgesehenen Projekt profitieren. Jedoch werden insbesondere Badener Quartiere, in denen die Tore des geplanten Martinsbergtunnels zu stehen kommen, auch mit grossen Nachteilen konfrontiert sein.»

Selena Rhinisperger, die dem Bau eines Tunnels kritisch gegenübersteht, sagt: «Der Kappelerhof wird bereits durch die Bruggerstrasse getrennt. Das Portal des Martinsbergtunnels würde das Quartier nun auch noch vom Stadtzentrum abkoppeln. Falls der Tunnel gebaut würde, wäre entscheidend, wie Fussgängerinnen und Velofahrer die Tunneleinfahrt queren und gut ins Zentrum gelangen könnten.»

«Ich sehe nicht grundsätzlich schwarz, aber...»

Maurizio Savastano, Präsident des Quartiervereins Kappelerhof, hat den Vorstoss mitunterzeichnet: «Ich sehe nicht grundsätzlich schwarz für unser Quartier im Zusammenhang mit dem Projekt Oase.» Eine Verkehrszunahme werde so oder so auf die Region zukommen, und nichts am Status quo zu ändern, wäre auch keine Option, hält er fest.

«Aber es gibt ungeklärte Fragen, die uns Sorge bereiten. Wir befürchten, dass der Kappelerhof wegen des Tunnelportals durch den Martinsberg vom Rest der Stadt abgeschnitten werden könnte», sagt auch Savastano. «Uns interessiert, ob und wie sich der Stadtrat in den Planungsprozess einbringen wird, um negative Auswirkungen auf einzelne Quartiere in der Stadt auszugleichen.»

Schulweg sei nicht ungefährlich

Weiter soll die Regierung die Situation des Kappelerhofs bewerten, die neben Obersiggenthal als zweite grosse Zubringerachse zum Martinsbergtunnels fungieren wird. Insbesondere interessiere es die Bewohner des Kappelerhofs, wie die verkehrsberuhigenden Massnahmen an der Bruggerstrasse aus Sicht der Stadt aussehen könnten.

Die «Oase» biete für den Kappelerhof auch grosse Chancen, sagt Savastano. «Wir erhoffen uns Verbesserungen für den Veloverkehr. Der Schulweg beispielsweise der Kinder und Jugendlichen, die zum Oberstufenzentrum Burghalde gelangen wollen, ist heute nicht ungefährlich.»

Auch für Autofahrer könne die Oase positive Aspekte mit sich bringen: «Durch das nahe Tunnelportal erhalten wir beinahe einen Autobahnzubringer.» Der Stadtrat liess vor einem Jahr verlauten, dass er das Oase-Konzept im Grundsatz unterstütze; Vorbehalte habe er aber gegen die Idee einer Autobrücke über die Limmat nach Wettingen.

Der Kappelerhof in Bildern:

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