Wettingen

Das Museum Eduard Spörri erscheint in neuem Gewand – und zeigt «Künstlerpaare»

Gillian White an der Vernissage zur Ausstellung «Künstlerpaare» im Museum Eduard Spörri.

Gillian White an der Vernissage zur Ausstellung «Künstlerpaare» im Museum Eduard Spörri.

Mit Marc Philip Seidel weht im Museum Eduard Spörri ein neuer Wind. Der Kurator tritt mit innovativen Ideen an die Öffentlichkeit.

Neu ins Leben gerufen hat Marc Philip Seidel die Serie «Künstlerpaare». Unter diesem Format sollen künftig Werke von berühmten kreativen Ehepaaren gezeigt werden, die sich privat sehr nahe standen und trotzdem ihre künstlerische Eigenständigkeit entwickelten. Den Anfang machen Bildhauerin Gillian White und ihr 1984 verstorbener Gatte Albert Siegenthaler, der früher vom Bekanntheitsgrad her Bernhard Luginbühl und Jean Tinguely in nichts nachstand. Die zweite Ausstellungsreihe «freidimensional» stellt Skulpturen von zeitgenössischen Künstlern zehn Plakaten mit Kultstatus aus der Schweizer Industriegeschichte gegenüber.

Wer schon öfter im Eduard- Spörri-Museum war, wird es nicht wiedererkennen. Die mit Skulpturen vollgestopften Regale sind weg und haben einer neuen Luftigkeit Platz gemacht. Nur noch eine Büste und ein paar Reliefs sind als Hommage an den Wettinger Bildhauer geblieben. Aber Seidel hat Pläne: Er will einen Lagerraum im Untergeschoss in ein Spörri-Schaudepot verwandeln.

Ins Auge stechen zurzeit Original-Plakate von bekannten und teils vergessen gegangenen Schweizer Markenprodukten. «11 Erfindungen aus dem Aargau errangen weltweiten Bekanntheitsgrad. Darunter der Zuckerwürfel, die Alufolie und die Velokette», meinte Seidel bei seiner Vernissagenansprache und wies auf die seit jeher höchst wichtige Verbindung von Industrie und Kunst hin.

«Sterile Museumsräume sind nicht meins»

Zu den historischen Industrieplakaten gruppiert Seidel humorvoll und unkonventionell Werke von den zeitgenössischen Kunstschaffenden Micha Aregger (AG), Mike Cadurisch (ZH), Notta Caflisch (GR), Max Grüter (ZH), Dominik Lipp (AG), Kathrin Severin (ZH) und Aletheia Zoeÿs (BS). Sie arbeiten zu einem grossen Teil mit neuen Materialien und Techniken.

Seidel dazu: «Sterile Museumsräume sind nicht meins. Ich möchte viel mehr die Hürden runterbrechen und einen Begegnungsort für die ganze – auch nicht kunstaffine – Bevölkerung schaffen.» Sein erklärtes Ziel ist es, dem Museum Eduard Spörri schweizweit zu einem grösseren Bekanntheitsgrad zu verhelfen.
Der Blick von Gillian White schweifte an der Vernissage über die Werke von ihr und Albert Siegenthaler.

Und sie sagt: «Ich bin zwar überhaupt nicht sentimental. Aber es freut mich doch unheimlich, dass endlich wieder einmal Werke meines Mannes gezeigt und mit meinen kombiniert werden.» Statt der gigantischen Skulpturen und Plastiken der beiden Bildhauer, die schweizweit im öffentlichen Raum präsent sind, werden Modelle und Miniaturen gezeigt. Es sind Entwürfe zu den grossen Arbeiten, die bereits bis ins letzte Detail durchdacht sind. Dank einer neuen Museumsbeleuchtung werfen sie dramatische Schattenspiele an die Wände.

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