Während mit dem Café Himmel ein Traditionsunternehmen aus der Badener Innenstadt zu verschwinden droht, gibt es zu einem weiteren Geschäft, das über die Stadtgrenzen hinaus bekannt ist, erfreulichere Nachrichten. Das Kleidergeschäft Laube & Gsell geht in neue Hände über – es wird aber weiterhin unter dem selben Namen weitergeführt.

Die aktuellen Besitzer, das Familienunternehmen «Phänomen» aus Luzern, wollten sich auf Anfrage nicht zu den Gerüchten äussern. Andrin Waldburger, CEO der «Pearl Lady Fashion AG», hingegen bestätigt gegenüber der AZ: «Es stimmt, wir werden den ‹Laube & Gsell› an der Badstrasse 3 übernehmen. Es handelt sich für mich persönlich um eine Herzensangelegenheit, denn ich stamme ursprünglich aus der Region, kenne das Geschäft gut und habe dort jahrelang selber eingekauft.»

Waldburgers «Pearl Fashion Gruppe» betreibt mit dem «Fashion Vestis by Fidelio und Tierra» an der Badstrasse 20 – im ehemaligen Restaurant «Da Franco» – sowie dem «Street One» in der Weiten Gasse bereits zwei Geschäfte in der Stadt. Der «Laube & Gsell» wird nun die dritte Filiale in Baden sein. Hinzu kommen 14 weitere Geschäfte in diversen Schweizer Städten, unter anderem in Zürich und Luzern.

Arbeitsverträge gekündigt

Die Angestellten des «Laube & Gsell» wurden über den bevorstehenden Besitzerwechsel an einem Samstag Mitte Januar informiert – und allen wurde der Arbeitsvertrag gekündigt. Von Nervosität war bei den Mitarbeitern bei einem Besuch in der Filiale vor wenigen Tagen jedoch wenig bis nichts zu spüren. Sie seien zuversichtlich, dass sie auch in Zukunft für das Modehaus arbeiten dürften, sagten sie.

Sie müssen beziehungsweise können sich aber neu bewerben. Andrin Waldburger sagt dazu: «Die schnelle organisatorische Eingliederung ganz generell und insbesondere in Baden steht im Vordergrund.» Dazu gehöre auch das Aussprechen von Kündigungen für das Personal und der Abschluss von neuen Arbeitsverträgen im Rahmen einer Reorganisation der Tätigkeiten in verschiedenen Geschäftssegmenten auf dem Platz Baden. «Mit den Mitarbeitenden von Laube & Gsell, die ihr Bewerbungsdossier bereits eingereicht haben – und dies sind bereits praktisch alle –, wurden bereits mehrheitlich Interviewtermine im Februar vereinbart. Alle werden vor Ende Februar 2019, also einen Monat vor Ablauf der Kündigungsfrist, Klarheit haben, ob und an welchem Standort in Baden oder woanders ihr zukünftiges Wirkungsfeld sein wird.» Waldburger lässt durchblicken, dass die Löhne sich mindestens auf dem bisherigen Niveau bewegen werden.

Geschäft wurde 1922 gegründet

Baden sei betreffend der Mietpreise ein hartes Pflaster, sagt Waldburger. «Für eine Kleinstadt bewegen sich die Preise im obersten Segment.» Dass er ausgerechnet hier expandiere, hänge zweifellos auch mit seiner emotionalen Verbundenheit zu Baden zusammen, sagt er. Waldburger, ausgebildeter Betriebswirtschafter, stieg in die Modebranche ein, weil er sich schon immer dafür interessiert habe.

«Laube & Gsell» prägt den Mode-Detailhandel in Baden seit 97 Jahren. 1922 wurde das Geschäft von den Gebrüdern Laube gegründet, heisst es auf der Firmen-Website. Nach der geschäftlichen Trennung der Brüder wurde Armin Gsell der neue Partner. Die Firma hiess von nun an «Laube & Gsell». Als 1933 Anton Laube in den Ruhestand ging, fand Armin Gsell seinen neuen Partner in Emil Meier, einem jungen Zürcher Kaufmann. Der Firmenname blieb erhalten. Als Armin Gsell 1957 altershalber zurücktrat, wandelten Meier und sein Sohn Jacques die Firma in eine AG um. 1959 bis Ende 2009 führte Jacques Meier den «Laube & Gsell», ehe das Luzerner Unternehmen Phänomen vor zehn Jahren die Geschicke übernahm.