Es fallen Schüsse. Ein lauter Knall ertönt über dem Steinbruch in Birmenstorf. Weisser Rauch steigt auf. Die Zuschauer verfolgen gespannt, wie sich die Panzer in Position bringen. Die Explosionen sind nur gestellt. Aus Sicherheitsgründen. Die Panzerflotte der Schweizer Armee ist eine der Attraktionen am «Convoy to Remeber» – und zum ersten Mal dabei.

«Das hat meine Erwartungen übertroffen», sagt ein Besucher aus Gossau ZH nach der Übung begeistert. «Das Militär ist eine gute Sache. Es ist mein Leben.» Auch dem Grossvater, der mit seinem Enkel aus Reinach angereist ist, hat die Demonstration gefallen. «Ich war selber Panzerfahrer», verrät er.

Die Flugshow der Patrouille Suisse am «Convoy to Remember» in Birmenstorf

Die Flugshow der Patrouille Suisse am «Convoy to Remember» in Birmenstorf

Bis zum Sonntag präsentieren sich rund 700 Fahrzeuge, 100 Töffs und 20 historische Panzer aus ganz Europa den etwa 20 000 Besuchern. Der Anlass soll an die Landung der Alliierten in der Normandie erinnern, die vor 75 Jahren stattfand und Europa von der Diktatur des Nationalsozialismus befreite. 25 militärische Gruppen stellen ausserdem historische Kriegsszenen nach. In einem dieser sogenannten Reenactors Camps sitzt Kurt Wyss (72) aus Oftringen auf einem Klappstuhl.

Daneben stehen in Reih und Glied grüne Zelte der US-Armee, allesamt aus dem Zweiten Weltkrieg, die Wyss mit seinen Freunden aufgestellt hat. Davor sind mehrere Militär-Oldtimer parkiert. Auch sie aus dem Zweiten Weltkrieg. «Die Vielfalt, die Kameradschaft und der Austausch. Das macht hier in Birmenstorf den Reiz aus», sagt Wyss. «Wir sind aber alle friedliebend», wirft einer seiner Kameraden ein. Wyss und seine Freunde kommen jedes Jahr nach Birmenstorf. Sie fahren auch regelmässig an Treffen in der Normandie, in Tschechien oder Belgien. «Dort spürt man den geschichtlichen Hintergrund sehr. Es werden auch jedes Mal Kränze an den Gedenkstätten niedergelegt», so Wyss.

Ein anderer Besucher – Turnschuhe, Hose und Mütze in Camouflage – interessiert sich vor allem für die Oldtimer-Ausstellung. Seinen eigenen Willys-Jeep hat er aber in Davos gelassen. Über das «viele Blech» freut sich auch ein Würenlinger, dessen Bat-Jeep 58 eines der 600 Oldtimer-Militärfahrzeuge aus 15 Nationen ist, das die Besucher an der Ausstellung bestaunen können. Er interessiere sich für Geschichte, sagt er. «Und das Militär ist Teil davon.» Er sei aber froh, wenn die Fahrzeuge nie in einem Ernstfall zum Einsatz kommen würden. Dass der «Convoy to Remember» in diesem Jahr zum letzten Mal stattfindet, bedauert ein älterer Herr aus Bayern. «Dieses Militärtreffen ist schon besonders», sagt er. Hosen, Hemd und Hut trägt er natürlich in Tarnfarbe, seine Füsse stecken trotz 30 Grad in Militärstiefeln.

Um 17.30 Uhr jagen die Tiger der Patrouille Suisse zu den Klängen der Schweizer Nationalhymne durch die Luft. «Das sind ja sechs Flieger!», ruft ein Junge kaum hörbar, als die Flieger über die Köpfe der Zuschauer donnern. Nach den spektakulären Flugmanövern begrüsst Militär-Oldtimer-Fan und Regierungsrat Markus Dieth die Besucher. Es sei wichtig, unseren Frieden nicht für selbstverständlich zu nehmen, sagt er. Und er ruft die Besucher auf: «Tauchen Sie in die gelebte Geschichte ein!»

Die Panzer der Armee rückten in aller Früh an:

Birmenstorf wird zur Hochburg der Panzer

Birmenstorf wird zur Hochburg der Panzer.