11.30 Uhr, an der Mellingerstrasse 140 in Baden: Während andere Firmenchefs zu dieser Zeit bereits den Business-Lunch zu sich nehmen, läuft Robin Deb Jensen auf Hochtouren. Gleichzeitig nimmt der 44-Jährige telefonisch Bestellungen entgegen, bereitet Hamburger und Hotdogs zu und instruiert seine Angestellte, zu welcher Adresse sie die Lunchbox bringen soll.

Jensen ist nicht der Typ Chef, der im stillen Kämmerlein das Geld zählt, für das seine Angestellten hart schuften mussten. Nein, Jensen packt an der Front an. Vor zwei Jahren gründete er zusammen mit seiner Frau die Geissepeter GmbH mit den Standbeinen Streetfood, Catering und Restaurant inklusive Lieferservice.

Im Herbst 2017 eröffnete Jensen in Untersiggenthal sein erstes Lokal an der Landstrasse. Heute beschäftigt er 21 Mitarbeitende. Nebst Burgern sind dänische Hotdogs die grosse Spezialität – Jensens Mutter ist Dänin, sein Vater Inder.

Das Restaurant erlangte schnell grosse Bekanntheit, nahm doch Restauranttester Daniel Bumann das Lokal im März unter die Lupe. Während Bumann den Hotdog in höchsten Tönen lobte, sah er beim Salat Verbesserungspotenzial («Euer Salat spielt in der untersten Liga»; die AZ berichtete). «Die Resonanz auf die Sendung war riesig, eine bessere Plattform hätten wir uns nicht wünschen können», blickt Jensen zurück.

Auschnitte aus der Sendung

Auschnitte aus der Sendung vom letzten März

Daniel Bumann entdeckt den 250-Franken-Hotdog, lobt und kritisiert vor allem den Salat – und so kommen die Veränderungen bei den Gästen an.

Mini-Streetfood-Meile geplant

Die Geschäfte laufen so gut, dass Jensen vor einigen Wochen an der Mellingerstrasse in Baden – gleich neben der Voi-Migros – sein zweites Lokal eröffnen konnte. Betritt man es, fühlt man sich in einen amerikanischen Tankstellen-Shop der 1960er-Jahre zurückversetzt. Was das mit Dänemark zu tun hat? «Hamburger und Hotdog haben den Weg von Dänemark in die Vereinigten Staaten gefunden», sagt Jensen mit einem Lachen.

An der dicht befahrenen Mellingerstrasse fühlt man sich denn auch ein wenig wie an einem Highway. Wie kommt man auf die Idee, hier ein Lokal zu eröffnen? «Es haben hier für mich einfach alle Parameter gestimmt», so Jensen. Es gebe ein grosses Einzugsgebiet, viele Arbeitsplätze und rund um das Lokal viele Parkplätze.

Und bald schon werde die Häuserzeile noch attraktiver. «Ich werde auch die angrenzenden Lokale mieten. In einem ist ein Lokal mit Spezialitäten aus den 70ern aus Bali, Saigon, Tokio, Singapur, Mumbai und Bangkok geplant. Was im anderen angeboten wird, ist noch offen.» Es werde hier also eine kleine Streetfood-Meile entstehen.

Doch der umtriebige Jensen hat noch viele weitere Pläne. So wird er im Oktober in Döttingen sein drittes Restaurant eröffnen. 2019 sollen dann weitere Restaurants in Aarau, Lenzburg und Wohlen folgen. Zudem will Deb Jensen mit einem israelischen Unternehmen den ersten Lieferservice mit Drohnen in der Schweiz testen.

Um die Mittagszeit soll die Drohne an einem vorher festgelegten Landepunkt das bestellte Essen ausliefern. Dazu sucht er noch Unternehmen in der näheren Umgebung. Jensen: «Bis jetzt haben zwei Unternehmen zugesagt.» Deren Namen will er zu einem späteren Zeitpunkt verraten, wenn alles unter Dach und Fach ist. «Weitere Firmen sind aber noch willkommen.»

Bilder aus dem Lokal in Baden:

Für einen guten Zweck

Gut möglich, dass sich dann wieder die nationalen Medien auf ihn stürzen werden. So wie damals, als er mit seinem Edel-Hotdog «Luksus» für Furore sorgte. An seinem Streetfood-Stand «Heissihønd» verkaufte Jensen den Hotdog für 250 Franken. Das Verrückte: Jensen verdient am Hotdog kaum einen Franken. Denn die Materialkosten von Kobe-Rindfleisch über Alba-Trüffel, persischen Safran bis zum sündhaft teuren Cristal-Champagner belaufen sich auf rund 225 Franken. Die restlichen 25 Franken werden an den Verein «Mütter ohne Grenzen» überwiesen, der sich für Einelternfamilien einsetzt. Ähnlich verhält es sich übrigens mit dem «Schwulen Burger», der immerhin nur 75 Franken kostet: Neben vergleichsweise hohen Kosten für die Zutaten fliessen zehn Prozent der Einnahmen an die Schwulenorganisation Pink Cross.

Die Beispiele zeigen zweierlei: An kreativen Ideen mangelt es Robin Deb Jensen nicht. Und: Er legt grossen Wert auf hochwertige Produkte, die er vorzugsweise aus der Region bezieht. Dies im Kontrast zum US-Look seiner Lokale und der dänischen Sprache, in der er sich mit einigen seiner Angestellten austauscht.