Pandemie
Corona-Verschärfung: Badener Restaurants stellen Betrieb ein – eines für immer

Das Restaurant "Piazza" ist bereits Vergangenheit. Mindestens drei weitere aus der Stadt Baden schliessen vorübergehend komplett. Mehrere Pächter kritisieren den Bundesrat für die 19-Uhr-Sperrstunde.

Philipp Zimmermann
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Romina und Christoph Ettisberger vor ihrem Restaurant «Piazza». Das Bild wurde im Februar 2020 gemacht - vor der Coronakrise.

Romina und Christoph Ettisberger vor ihrem Restaurant «Piazza». Das Bild wurde im Februar 2020 gemacht - vor der Coronakrise.

Alex Spichale

Gastrobetriebe dürfen seit dem Entscheid des Bundesrats vom Freitag nur noch bis 19 Uhr geöffnet haben. Mehrere Restaurants aus Baden zogen schon wenige Stunden später die Konsequenz. "Daher macht es für uns keinen Sinn mehr, unseren Betrieb zu öffnen", schreiben Romina und Christoph Ettisberger vom Restaurant Piazza am Theaterplatz. Sie bieten nun einzig noch einen "Take-Away"-Service für Fondue Chinoise an - bis Heiligabend. Bestellungen können bis Punkt 12 Uhr abgeholt werden.

"Es tut sehr weh, so von unserem Betrieb und vor allem von unseren Gästen Abschied nehmen zu müssen", schreiben die Gastgeber, die auf regionale und saisonale Produkte setzen und bekannt sind Events, die Kulinarik und Musik vereinen.

Geschäftsführerin Romina Ettisberger hatte das Restaurant im Jahr 2015 übernommen. Auf eine Abschiedsparty nach fast sechs Jahren im "Piazza", das seit 2005 besteht, müssen sie verzichten.

Nachfolger eröffnen im Frühling

Ihren Abschied auf Ende Jahr hatte das Paar bereits vor wenigen Tagen angekündigt. Sie übergeben das "Piazza" an einen neuen Pächter. Im Frühling soll es unter neuem Namen und mit neuem Konzept wiedereröffnet werden. Als Grund gaben Romina und Christoph Ettisberger eine private Veränderung an: "Wir sind seit letztem Jahr stolze Eltern, was uns dazu bewogen hat, uns zu verändern."

Geschlossen sind auch mindestens drei weitere bekannte Adressen in Badens Gastronomie: das "Torre" an der Rütistrasse (im 10. Stock), das Restaurant "Bodega-Bar" am Cordulaplatz sowie der "Trudelkeller".

«Torre»-Betreiber Peter Albiez (l.) und Tobias Koller. (Archivbild)

«Torre»-Betreiber Peter Albiez (l.) und Tobias Koller. (Archivbild)

Sandra Ardizzone/Archiv

Das «Torre» und die «Bodega-Bar» bleiben zumindest solange zu, bis die Sperrstunde 19 Uhr wieder gelockert wird. «Mit 19 Uhr & Homeoffice-Pflicht entzieht man der Gastronomie und auch uns jegliche Existenz und Handlungsspielraum», schreiben «Torre»-Pächter Tobias Koller und Peter Albiez. «Für uns eine äusserst belastende Situation», kritisieren sie den Entscheid des Bundesrats. Die beiden übernahmen das Restaurant im Mai 2015.

Ähnlich klingt es bei der Bodega-Bar. «Unverständlich und mit schweren Herzen sagen wir tschüss!», schreibt das Bodega-Team. 21 Uhr wäre eine tolerierbare Lösung gewesen für das Gastgewerbe, heisst es weiter - und: «Unser Gastroherz blutet.»

Das Restaurant Bodega am Cordulaplatz.

Das Restaurant Bodega am Cordulaplatz.

Alex Spichale

Denise Waglechner und René Marti, die das «Kafi Zwoi» im Bäderquartier auf Ende Dezember schliessen, verzichten nun «schweren Herzens» auf die Austrinkete. Diese war für den 27. Dezember geplant gewesen. Der Abverkauf gestern und heute finde dagegen statt. Andere Restaurants bleiben geöffnet – allerdings mit Anpassungen.

Das Badener «Isebähnli» schliesst neu schon um 16 Uhr, der «Freihof» in Wettingen um 15 Uhr. Das Restaurant «Höhtal» in Ehrendingen reduziert die Karte und bekocht Gäste abends ab 17 Uhr. Das «Hertenstein» in Ennetbaden oder der «Frohsinn» in Würenlingen bleiben bis 19 Uhr geöffnet. Diverse Restaurants weisen explizit auf ihr «Take-Away-Angebot» hin.

Auch die Badener Rossini-Bar trotzt der Corona-Krise mit notgedrungen verkürzten Öffnungszeiten angepasst. Wie in so vielen anderen Gastro-Betrieben muss der Schlummertrunk auch hier um 19 Uhr geleert sein.