Für Jürg Altorfer war es die dritte Generalversammlung als Verwaltungsratspräsident der Stadtcasino Baden AG. Nach dem letzten Abstimmungssonntag dürfte er sich besonders auf die GV gefreut haben, hat doch das Schweizer Stimmvolk das neue Geldspielgesetz mit 73 Prozent angenommen (in Baden waren es 68 Prozent). Im Vorfeld der auch für das Grand Casino Baden wegweisenden Abstimmung hatte Altorfer in einem Leserbrief höchstpersönlich für die Vorlage geweibelt. In der vollbesetzten Trafo-Halle macht er denn gestern auch keinen Hehl aus seiner Freude und Genugtuung. «Der letzte Sonntag war ein besonderer Tag für unsere Gruppe. Endlich ist es klar, dass auch wir den Schritt in die digitale Welt machen dürfen», begann Altorfer seine Begrüssungsrede zur 33. GV der Stadtcasino Baden AG.

«Es liegen nervenaufreibende Monate hinter uns. Die letzten Tage waren nicht einfach», gab Altorfer unumwunden zu. Im Abstimmungskampf sei die Stadtcasino Baden AG zusammen mit den Lotterien und dem Verband vor der schwierigen Aufgabe gestanden, «wie man dem Stimmvolk beibringt, um was es bei diesem Gesetz überhaupt geht». Besonders an seinen Nerven zehrte ganz offensichtlich die Vorberichterstattung zur Abstimmung, wie seine Medienschelte offenbarte: «Der Stimmbürger, der sich sachlich orientieren wollte, durfte dazu nur in Ausnahmefällen Medien konsumieren. Zum Glück gibt es noch das rote Abstimmungsbüchlein.»

Die Themen seien von den Gegnern diktiert, von den Medien dankend aufgenommen und unreflektiert verbreitet worden. «Die Vorteile, die Hintergründe und der Zweck dieses Gesetzes sind kaum beachtet worden», kritisierte Jürg Altorfer. Dank dem neuen Gesetz rechne der Bund mit rund 300 Millionen Franken Mehreinnahmen, die für die Allgemeinheit generiert würden. «Für die Schweiz bedeutet das neue Geldspielgesetz mehr Beiträge an die AHV, die Bereiche Soziales, Kultur und Sport.» Zudem werde es mit der Erweiterung der Konzessionen für die schweizerischen Casinos möglich, auch in der digitalen Welt den Spielerschutz zu gewähren.

Dann kam Altorfer auf das Casino Baden zu sprechen. «Mit den Vorarbeiten für das Onlinegaming haben wir schon vor über drei Jahren begonnen. Unsere Onlineplattform Jackpots ist jetzt seit einem Jahr aktiv.» Es könne dort zwar noch nicht um Geld gespielt werden. Trotzdem wachse die Community laufend. «Nach dem deutlichen Ja am letzten Sonntag seien jetzt der Bundesrat und die Eidgenössische Spielbankenkommission gefordert. «Vorgesehen sind die Einführung des Gesetzes und der Verordnung auf Anfang 2019. Dann müssen sofort die Ausschreibungen für die Konzessionserweiterungen folgen. «Wir sind bereit, im Frühling oder Sommer 2019 zu starten», so die klare Botschaft von Altorfer Richtung Bern.

Bergcasino Davos mit Verlusten

Erfreulich hingegen der Blick in die Vergangenheit: Während die 21 Schweizer Spielbanken 2017 mit 682 Millionen Franken Bruttospielertrag 1,2 Prozent weniger als im Vorjahr erwirtschafteten, konnte das Grand Casino Baden den Ertrag wieder leicht auf 62 Millionen Franken steigern. Der Gewinn nach Steuern stieg von 2,7 auf 3,2 Millionen Franken. Sorgen bereitet das Bergcasino Davos, an dem die Stadtcasino Baden AG ebenfalls beteiligt ist. Jährlich resultiert in Davos ein Minus von 300 000 Franken.

«Damit bleibt für Davos nur noch das Online-Gaming als Chance. Wenn wir eine Onlinekonzession erhalten, können wir das Casino Davos weiterführen. Sonst nicht», stellt Altorfer klar. Erfreulich hingegen die Entwicklung in Sachsen-Anhalt, wo die Stadtcasino Baden AG mit 25 Prozent an den Casinos in Leuna und Magdeburg beteiligt ist. Der Umsatz konnte um satte zwei Drittel auf 11,8 Millionen Franken gesteigert werden. «Wir erreichten damit schwarze Zahlen und sind nun in ruhigen und stabilen Gewässern angekommen», resümierte Altorfer.

Casino-Wein wurde ausgeschenkt

Abschliessend wurden alle Anträge gutgeheissen, so auch die ausgeschüttete Dividende von 20 Franken pro Aktie. Den meisten anwesenden Aktionären dürfte der reichhaltigen Apéro riche fast wichtiger gewesen sein als die ausgeschüttete Dividende. So wurden die Gäste in der Halle 37 von der Trafo- Crew kulinarisch und vom Trio Marco Figini musikalisch verwöhnt. Ausgeschenkt wurde zudem erstmals der Casino-Wein, der zusammen mit der Trottenkommission der Ortsbürger kreiert wurde.

In der Goldwand in Ennetbaden gibt es seit den 60er-Jahren-Casino-Reben. Ursprünglich wurden diese vom Kursaal bewirtschaftet. Nach dem Konkurs im Jahre 1985 ging die Parzelle zurück an die Ortsbürger und damit auch vergessen. Erst 2017 hat die Trottenkommission die Geschichte wieder aufgegriffen. Zusammen mit dem Grand Casino Baden wurde ein Pinot Noir Réserve kreiert, der den zahlreichen Aktionären offenbar mundete.