Das Buch «8957 Spreitenbach» will mit den Klischees der Gemeinde als Urbild der schweizerischen Agglomeration aufräumen. «Die Tatsache, dass viele Schweizer Spreitenbach als Durchgangsort mit amerikanischen Touch, Hochhäusern und Migrationsproblematik wahrnehmen, hat mich nicht mehr losgelassen», sagt Grafiker Marco Müller.

Während vier Jahren haben er und sein fünfköpfiges Team am Porträt der Gemeinde gearbeitet. Dabei sind 3000 Fotografien und 65 Interviews entstanden. Dieses Material haben Marco Müller und Corinne Gisel in eine Form gebracht, die den Ort erlebbar machen soll.

Für den Killwanger Müller, der in Spreitenbach die Oberstufe besucht hat, geht es bei «8957 Spreitenbach» auch darum, dass sich in der Agglo-Gemeinde die aktuellen Fragen zum künftigen Leben in der Schweiz stellen: Wie viel Dorf, wie viel Stadt will eine Gemeinde sein, wie viel Industrie und wie viel Natur will sie haben? Dabei sackt das Buch nicht in einen historischen Abriss ab.

Im Gegenteil: Es porträtiert die Menschen, die heute in Spreitenbach leben und arbeiten und schafft dadurch ein Spreitenbach, das auch als Schweizer Gesellschaftsspiegel lesbar wird.

Lokales Gewerbe kein Interesse

Eigentlich könnte das Buch «8957 Spreitenbach» bereits gedruckt auf den Verkaufstischen der Buchhandlungen liegen. Doch just für den Druck fehlen dem Team um den Grafiker Müller die letzten 9500 Franken und damit 10 Prozent der Gesamtkosten. «Wir haben durch Sponsoren wie Gemeinde, Kanton, aber auch Firmen wie Zweifel, Ikea oder das Shoppi Tivoli grosse Unterstützung bekommen», sagt Müller, «doch wir haben nicht erwartet, dass sich gerade die kleinen lokalen Firmen kaum am Buchprojekt über Spreitenbach beteiligen wollen».

Müller, der schon einige Erfahrung mit Buchprojekten gesammelt hat, liefert gleich mehrere Erklärungen: «Zwar kommen ‹Shoppi› und ‹Zweifel› im Buch vor, wir wollten aber nicht einfach Firmenporträts machen, sondern unabhängig bleiben. Das ist für das lokale Gewerbe weniger attraktiv; zweitens gehen viele Firmen, die früher kulturelle Projekte unterstützt haben, heute davon aus, dass von öffentlicher Hand und Stiftungen genug Geld fliesst.» Und drittens seien viele kleine Firmen heute weniger mit der Gemeinde verwurzelt als früher.

Zusammen mit der Autorin Anna Miller und dem Fotografen Goran Galić hat Müller nun einen Spendenaufruf auf der Crowdfunding Plattform «wemakeit.ch» gemacht. Innert 30 Tagen muss der fehlende Betrag gesammelt sein. Bereits nach der ersten Woche ist die Hälfte des Geldes beisammen. «Wir sind überzeugt, dass die zweite Hälfte in den verbleibenden Tagen gespendet wird», sagt Müller.

Das Bundesamt für Kultur hat Müllers Buchgestaltung in der Vergangenheit schon mehrmals ausgezeichnet. Darunter als eines der «Schönsten Schweizer Bücher 2009» «Die Stimme der Natur – 100 Jahre Pro Natura» und die Stiftung Buchkunst in Leipzig verlieh demselben im Rahmen des internationalen Wettbewerbs «Schönste Bücher aus aller Welt 2010» die Silbermedaille.

Als Grafiker und Art Director gestaltet Müller auch Plakate und Websites. So stammen die Plakate für die 2010er-Ausstellungen im Badener Trudelhaus von Müller. Auch wer sich schon mal eine Freitag-Tasche gekauft hat, tat dies möglicherweise auf der Freitag-Website, an der Müller mitgearbeitet hat.