Badener Biscuitsfabrik
Buch über die Zuckerbäcker: Das Geheimnis der «Badener Kräbeli»

Das neue Buch über die Biscuitsfabrik Schnebli beleuchtet die 150-jährige Geschichte der Zuckerbäcker und den Hintergrund der Badener Spezialität.

Dieter Minder
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Inspirierte den Autor zum Buch: Schnebli-Blechdose.

Inspirierte den Autor zum Buch: Schnebli-Blechdose.

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Adolf Schnebli (1836–1906) begründete die Zuckerbäckerdynastie. Aufgewachsen war er als Sohn des «Kronen-»-Wirtes und Stadtrats Franz Adam Schnebli in der Kronengasse. Er absolvierte eine Konditorlehre, wo genau konnte Hans Peter Schnebli nicht eruieren. Auf jeden Fall heiratete er 1865 Anna Maria Kohler, und im selben Jahr, also vor 150 Jahren, eröffnete er eine Confiserie im Hotel Rössli in den Bädern.

Schon zwei Jahre später richtete er in der Dependance des Gasthofs Bären einen Produktionsbetrieb ein. Heute befindet sich in diesem Borsingerhaus genannten Gebäude das Restaurant Brunello. 1873 erwarb er das Haus zum Schwarzen Bären neben dem Stadtturm und richtete dort seine zweite Confiserie ein.

Zum Angebot der Confiserie gehörte auch das «Badener Kräbeli». Hans Peter Schnebli zitiert in seinem Buch nicht nur das Rezept, sondern auch eine kurze Geschichte dieses Gebäcks. Und er stellt fest: «Nein, die Schneblis haben die Kräbeli nicht erfunden.» Es gehörte lange vor den Schneblis zu den Spezialitäten der Badener Bäcker. Die Schneblis nannten ihr wichtigstes Produkt konsequent Kräbeli, obwohl es sonst mit Ch geschrieben wird. Was sie zu dieser Schreibweise verleitete, ist nicht überliefert. An das schmackhafte Kräbeli mit K und die glorreiche Zeit im Kappelerhof erinnert die einst am Fabrikareal vorbeiführende Kräbelistrasse.

1895 hatte Vater Adolf zusammen mit seinen Söhnen, dem Konditor Adolf und dem Kaufmann Ernst, die «Confiserie- und Biscuits-Fabrik A. Schnebli und Söhne» gegründet. Die Fabrik liessen sie beim Übergang der Bruggerstrasse über die Bahnlinie erstellen, also ungefähr dort, wo heute die Stadtturmstrasse als Blinddarm unter der Bahn durchführt. Die Firma lief so gut, dass die Produktionsanlagen bald zu klein waren. Im Kappelerhof liessen sie durch Architekt Karl Moser eine neue Fabrik planen. Sie wurde 1905, also vor 110 Jahren eröffnet. Das Gebäude beim Bahnübergang wurde an die Druckerei Heller, später Aargauer Volksblatt, verkauft.

Der jüngste Sohn von Adolf, Karl, war nie in die Biscuitsfabrik eingestiegen, sondern führte die Confiseriegeschäfte in den Bädern und beim Stadtturm weiter. Um 1930 hat er die Confiserie im Borsingerhaus aufgegeben, sie wurde zum Cafe Vogelsanger. Die Confiserie beim Stadtturm wurde verpachtet und später wurde daraus die Konditorei Disler.

«Die Firma prosperierte und wuchs vor allem durch Exporte», schreibt Hans Peter Schnebli. Dazu beigetragen haben die blechernen Biscuitdosen, die alle deutlich den Schriftzug Schnebli trugen. Aus diesen Blechdosen war auch der Stand an der «Aargauischen Industrie- und Gewerbe-Ausstellung» 1925 in Baden gestaltet.

Badener Zuckerbäcker
4 Bilder
Inspirierte den Autor zum Buch: Schnebli-Blechdose.
Das alte Fabrikgebäude im Gstühl an der Bruggerstrasse.
Luftaufnahme des Firmengeländes der Biscuitsfabrik Schnebli im August 1928. 1865 wurde die Geschichte der Badener Zuckerbäcker-Dynastie im Gstühl begründet.

Badener Zuckerbäcker

Alex Spichale

Das Areal wurde verkauft, die Fabrik am 4. Juni 1976 gesprengt. 30 Kilogramm Sprengstoff waren nötig, wie Redaktor Peter Riner damals im Badener Tagblatt berichtete. Alle Gebäude, auch die Fabrikantenvilla, wurden abgebrochen. An ihrer Stelle wurde die Gartensiedlung Kappelerhof erstellt.