Bezirksgericht Zurzach
Hitzige Zweiradfahrer im Clinch

Ein Rennvelofahrer stand vor dem Bezirksgericht Zurzach, weil sein Arm einen Motorradfahrer touchiert hatte.

Rosmarie Mehlin
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Der Rennvelo-Fahrer und ein Motorradlenker standen vor Gericht in Zurzach.

Der Rennvelo-Fahrer und ein Motorradlenker standen vor Gericht in Zurzach.

Sandra Ardizzone / BRU

Der 45-jährige Thomas (alle Namen geändert), ist nicht sehr gross, braungebrannt, drahtig und trägt ein italienisches Sport-Shirt mit dem Emblem eines Velorennfahrers. Auf die Frage von Einzelrichter Cyrill Kramer, ob es sich um Felice Gimondi handle, zuckt Thomas irritiert die Schultern, was nicht weiter erstaunte: Als Gimondi Sieger der Vuelta, der Tour de France sowie dreimal des Giro wurde, war Thomas noch nicht mal auf der Welt. Inzwischen ist er Ingenieur und in seiner Freizeit ein begeisterter «Gümmeler».

Als solcher sass er vor dem Richter, beschuldigt des vorsätzlichen ungenügenden Rechtsfahrens und der Behinderung eines anderen Strassenbenützers. An einem Samstagnachmittag im Juni letzten Jahres hatten Thomas und seine Partnerin von Wettingen aus eine Tour unter ihre Rennvelo-Räder genommen. Auf der kurvenreichen Vogelsangstrasse von Lengnau Richtung Baldingen – seine Partnerin sei hinter ihm gefahren – habe er gehört, dass sich von hinten ein Motorfahrzeug näherte. «Da ich der Meinung war, die Stelle sei zu wenig breit zum Überholen, habe ich den linken Arm seitlich ausgestreckt.»

In der Folge touchierte der Arm das überholende Motorrad, wodurch dessen rechter Rückspiegel nach innen geklappt wurde. Der Motorradfahrer hielt kurz an, nannte den rechts von ihm vorbeifahrenden Thomas «verdammtes Arschloch» und gab ihm einen leichten Stoss.

Motorradfahrer bezahlte seinen Strafbefehl anstandslos

Thomas brachte den Vorfall bei der Polizei zur Anzeige, die Motorradfahrer Klaus mit den Vorwürfen konfrontierte, worauf der Rentner seinerseits Anzeige gegen Thomas einreichte. Beide Kontrahenten wurden per Strafbefehl gebüsst. Während Klaus anerkannte, den Velofahrer beschimpft sowie ihn mit zu geringem Abstand überholt zu haben, bestritt Thomas die gegen ihn erhobenen Vorhaltungen. Klaus akzeptierte die bedingte Geldstrafe und bezahlte die 600 Franken Busse samt Kosten und Gebühren anstandslos. Thomas, für den die Staatsanwältin eine Busse von 300 Franken beantragt hatte, hingegen erhob Einspruch.

Vor Einzelrichter Cyrill Kramer erklärte der 45-Jährige, er habe wegen des Motorengeräusches zwar nicht nach hinten geschaut, sei aber ganz rechts gefahren. Auch mit ausgestrecktem linkem Arm habe er nicht die ganze Fahrspur gebraucht. Er sagte auf die entsprechende Frage von Richter Kramer:

«Ja, ich war erstaunt, dass der Töff
mich überholte.»

Der Richter sprach Thomas von Schuld und Strafe frei. Zwar stehe Aussage gegen Aussage, doch nachdem Klaus rechtsgenüglich wegen Überholens mit ungenügendem Abstand verurteilt wurde, könne Thomas mit ausgestrecktem Arm nicht zu wenig rechts gefahren sein.