Mellingen

Bevölkerung soll mithelfen, Altstadt und Zentrum zu gestalten

Ortsbild von nationaler Bedeutung: Die Fahrt durch das Lenzburgertor wird für Autos künftig nur noch rechts möglich sein.

Ortsbild von nationaler Bedeutung: Die Fahrt durch das Lenzburgertor wird für Autos künftig nur noch rechts möglich sein.

In Mellingen lanciert der Gemeinderat im Zuge der Umfahrung das Projekt Plaza – dieses nimmt nun Formen an.

Die Umfahrung der Altstadt beschäftigt die Mellinger Bevölkerung seit bald 50 Jahren. Der politische Prozess für das aktuelle 36,5-Millionen-Franken-­Projekt startete im Jahr 2000: Es wurden vom Grossen Rat und der Gemeindeversammlung Kredite gesprochen, Richtplananpassungen und Mitwirkungsverfahren durchgeführt, zahlreiche Einsprachen und Beschwerden behandelt. Letztlich war gar eine kantonale Volksabstimmung nötig, um dem Projekt zum Durchbruch zu verhelfen.

Nachdem die Umfahrung grünes Licht erhalten hat und im Sommer der Baustart erfolgen soll, kommt die nächste Aufgabe auf die Bevölkerung zu: Im Projekt Plaza soll sie ihre Vorstellungen und Wünsche zur Entwicklung der Zentrumsbereiche sowie zur Gestaltung der verkehrsberuhigten Altstadt einbringen. Am 4. April findet in der Dreifachturnhalle Kleine Kreuzzelg ein Workshop dazu statt.

«Wir wollen wissen, was den Leuten wichtig ist»

«Wir hoffen auf ganz viele gute Ideen», sagt Gemeindeammann Bruno Gretener (FDP). Es sei elementar, dass die Bevölkerung ihre Gedanken einbringe. «Wir wollen wissen, was den Leuten wichtig ist, wie sich in ihren Augen das Zentrum unserer Gemeinde und die Altstadt entwickeln sollen.»

Plaza steht einerseits für «Planung Zentrumsentwicklung und Aufwertung Altstadt», andererseits verbirgt sich das spanische Wort für Platz, Marktplatz dahinter. Die Gemeinde hat bereits definiert, welche Ziele mit dem Projekt Plaza erreicht werden sollen. Diese Woche wurde nun auch die Projektorganisation vorgestellt.

Für die Projektsteuerung verantwortlich ist eine Delegation des Gemeinderates, bestehend aus Gemeindeammann Gretener und Gemeinderat Roger Fessler (SVP). Als strategisch-beratendes Gremium wird die Kommission Plaza eingesetzt.

Die operative Projektleitung liegt bei Gemeindeschreiber Beat Deubelbeiss. Die Mitarbeitenden der Verwaltung helfen ihm bei Kommunikations- und Organisationsaufgaben. Dem Projektleiter stehen zudem das Fachbüro Mitwirkung (Michael Emmenegger) sowie das Fachbüro Raumentwicklung (Planar AG) zur Seite.

Im Verlauf des Projektes werden Arbeitsgruppen gebildet. Es steht bereits fest, dass es Arbeitsgruppen zu den Themen «Öffentlicher Verkehr» und «Aufwertung Hauptgasse» geben wird. Ob und welche zusätzlichen Arbeitsgruppen eingesetzt werden, wird im Anschluss an den Workshop festgelegt.

Nur noch 1500 statt 17'000 Durchfahrten pro Tag

Einige flankierende Massnahmen sind durch das Umfahrungsprojekt bereits vorgegeben. So soll der Durchgangsverkehr in der Altstadt mit verschiedenen Massnahmen wie Sperrzeiten, Ampeln und entsprechenden Signalisationen von täglich 17'000 Fahrzeugen auf 1500 Durchfahrten reduziert werden.

«Falls dies nicht reicht, müssen wir uns überlegen, mit welchen zusätzlichen Massnahmen wir das erreichen wollen», sagt Gretener. Klar ist jetzt schon, dass die linke Seite des Lenzburgertors für den motorisierten Verkehr gesperrt und die Hauptgasse zur Begegnungszone wird.

Für Gretener ist klar, dass es mehrere Massnahmen und Projekte geben wird. Im Idealfall kann deren Umsetzung gleich nach der Eröffnung der Umfahrung beginnen. Die Gemeinde ist bestrebt, die Massnahmen im Agglomerationsprogramm Aargau-Ost unterzubringen. Gelingt dies, übernimmt der Bund bis zu 35 Prozent der Kosten. Die 4. Generation des Programms ist in Vorbereitung. Die Aufwertung der Hauptgasse wurde bereits in der 3. Generation aufgenommen.

Wird die Altstadt zur Schlafstadt?

Gibt es auch die Sorge, dass die Altstadt mit der Verkehrsberuhigung zu leblos werden könnte? «Das ist ein grundsätzliches Problem von kleineren Altstädten», sagt Gretener. «Die Altstadt muss frequentiert werden», deshalb seien sogenannte Anker-Gewerbetreibende wichtig.

Auch muss es attraktive Wege in die Altstadt geben, «sodass die Leute nach dem Einkauf im Zentrum noch rasch ins Café oder in den Laden in der Altstadt gehen», wünscht der Ammann.

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