Baden

Besuche im Pflegeheim weiter erlaubt – Direktor Schwendeler sagt warum

RPB-Direktor Hans Schwendeler

RPB-Direktor Hans Schwendeler

Ältere und schwächere Menschen sind besonders vom Corona-Virus gefährdet. Obwohl andere Pflegeheime Besucherverbote verordnen, sagt Direktor Hans Schwendeler sagt, warum im Regionalen Pflegezentrum Baden courant normal herrscht.

Bislang waren die am neuartigen Corona-Virus erkrankten Personen mehrheitlich junge Leute. Doch man müsse davon ausgehen, dass nun in der Schweiz auch ältere Menschen vermehrt erkranken, teilte das Bundesamt für Gesundheit mit. Gewisse Pflegeheime reagieren mit Besucherverboten. Keine gute Idee, «denn soziale Kontakte sind für unsere Bewohner enorm wichtig», sagt Hans Schwendeler, Direktor des Regionalen Pflegezentrums Baden (RPB).

Das Corona-Virus gefährdet vor allem die ältere und schwächere Bevölkerung. Also genau jene Menschen, die im RPB leben. Wie reagieren Sie und Ihr Team?

Hans Schwendeler: Die Achtsamkeit beim Pflegepersonal betreffend Hygiene ist sicherlich noch einmal gestiegen. Besondere Massnahmen haben wir aber keine ergriffen. Es herrscht bei uns courant normal. Denn wir sind auf Situationen wie die aktuelle vorbereitet. Unsere Bewohner so gut wie möglich vor Viren zu schützen, gehört für uns zum Alltag. Wenn zum Beispiel das Norovirus ausbricht, kann es passieren, dass innerhalb eines halben Tages Dutzende Menschen erkranken, die wir isolieren und unter Quarantäne stellen müssen. Das aktuelle Drumherum ist aber speziell. Wir erhalten viele Anrufe von Angehörigen unserer Bewohner, die sich nach der aktuellen Situation im RPB, dem Gesundheitszustand ihrer Lieben oder nach weiteren Anweisungen erkundigen.

Sind Besuche von Angehörigen noch erlaubt?

Ja. Wir haben zwar Anrufe von Leuten erhalten, die uns dazu auffordern, keine Besuche mehr zuzulassen. Soziale Kontakte sind für viele unserer Bewohner aber enorm wichtig. Wichtig ist, dass Besucher nur zu uns kommen, wenn sie sich kerngesund fühlen. Ansonsten bitte zu Hause bleiben und bei entsprechenden Symptomen ihren Arzt anrufen.

Was halten Sie von der Informationskampagne des Bundesamtes für Gesundheit?

Die Verhaltensvorschriften, die aufgestellt werden, sind gut und werden von uns genau umgesetzt. Ich frage mich nur, ob es Sinn macht, täglich neue Regeln aufzustellen. Das stumpft die Menschen mit der Zeit ab. Was ich hoffe: Dass die Kampagne einen langfristigen Nutzen haben wird.

Finden Sie, die Menschen achten grundsätzlich zu wenig auf die Hygiene, wenn sie erkältet oder krank sind?

Das Problem ist, dass zum Beispiel eine Grippe sozial akzeptiert ist, Erkältungen ebenso. Die Menschen sind sich nicht bewusst, dass sie eine Gefahr für gewisse Bevölkerungsgruppen darstellen. Es gibt Jahre, in denen wegen der Grippe in den Alters- und Pflegeheimen viele Menschen sterben. Das ist einfach ein Fakt. Und kaum jemand stellt sich die Frage, wer und ob jemand Schuld trägt. Momentan schlägt das Pendel in die Gegenrichtung aus. Es herrscht grosse Nervosität. Auch bei uns werden Hy­gienemasken geklaut. Sie wären dafür da, dass kranke Menschen andere nicht anstecken. Der Hype, auch in den Medien, ist momentan so gross, dass viele Leute sehr verunsichert sind.

Haben Sie persönlich Angst vor dem Corona-Virus?

Nein. Ich bin zwar mit über 61 nicht mehr der Jüngste, hoffe aber, genug fit zu sein, um eine Infektion überstehen zu können. Gefährdet sind vor allem jene, die schon angeschlagen sind. Diese Menschen gilt es zu schützen. Wir im RPB machen dafür das Menschenmögliche, wir sind nun aber auch auf die Bevölkerung ausserhalb des Pflegezentrums angewiesen.

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