Baden

«Barbecue-Superbowl» in den USA: Badener Grillmeister tritt gegen beste Teams der Welt an

Grillmeister Dennis Amende vom «Gecko-BBQ»-Team mit den bereits gewonnenen Auszeichnungen.

Grillmeister Dennis Amende vom «Gecko-BBQ»-Team mit den bereits gewonnenen Auszeichnungen.

Der Badener Grillmeister Dennis Amende misst sich dieses Wochenende in den USA mit 150 der besten Grillmeister-Teams der Welt.

Die Rauchschwaden verbreiten den Geruch von gegrilltem Fleisch. An dem roten Haus, das direkt an der Birmenstorfer Hauptstrasse steht, prangt in grossen Lettern «zur alten Schmitte». Aus dem Inneren des Lokals drängen gedämpfte Stimmen.

Am Grill steht «Big Sam», dem das Restaurant gehört. Bei ihm ist Dennis Amende, Teamchef des Badener «Gecko BBQ»-Teams, das sich dieses Wochenende als erstes Schweizer Team beim American Royal Invitational BBQ in den USA mit den besten Grillmeistern der Welt misst. Der 38-Jährige erzählt, was er von dem veganen Trend hält und was die Schweizer Grillkultur von der amerikanischen unterscheidet.

Bei einem Wettbewerb grillieren Sie kiloweise Fleisch, obwohl der Trend momentan in Richtung vegan geht. Kein schlechtes Gewissen?

Dennis Amende: Nein, das habe ich nicht. Wir bereiten viel Fleisch zu, es ist schliesslich ein Barbecue-Wettbewerb. Wir verschwenden aber nichts, da wir das Übriggebliebene den Zuschauern zur Verfügung stellen. Dass der Trend in Richtung vegan geht, das stimmt. Die Menschen wollen sich bewusster ernähren, ich selbst achte auch mehr darauf.

Sie fliegen in die USA zum American Royal Invitational BBQ in Kansas City. Was erwartet Sie da?

Das ist der grösste Barbecue-Wettbewerb der Welt. Dort treten wir gegen 150 der besten Barbecue-Teams an. Dann findet noch ein weiterer Wettbewerb mit über 500 Teams statt, bei dem dann jeder mitmachen kann. Es ist sehr speziell.

Inwiefern?

Das American Royal ist der Superbowl des Barbecues. Das ist ein riesen Spektakel, mit Bands, Pokerturnieren und solchen Dingen. Dazu kommt, dass wir das erste Schweizer Team sind, das sich überhaupt dafür qualifiziert hat.

Pitmaster Dennis Amende erklärt den Unterschied zwischen Grillieren und Barbecue.

Pitmaster Dennis Amende erklärt den Unterschied zwischen Grillieren und Barbecue.

Ist der Wettbewerb stark reglementiert?

Ja, sehr stark. Das Gewicht des Fleischs ist vorgegeben, dann muss es noch den richtigen Schnitt haben. Es muss gekühlt und roh sein, also ohne Salz oder sonstiges Gewürz. Danach kann man machen, was man will. Also der «Magic stuff», wie ich es nenne.

«Magic stuff», was meinen Sie damit?

Das darf ich natürlich nicht verraten. Beim American BBQ wird auf lange Zeit mit tiefen Temperaturen gearbeitet. Die sechs bis sieben Kilogramm schwere Schweinsschulter wird langsam im Rauch gegart. Das Fleisch muss so gewürzt werden, dass der Juror in einem Biss den vollen Geschmack hat.

Benutzen Sie dafür spezielle Gewürze?

Es sind die Gleichen, die wir im Alltag benutzen. Aber für den Wettbewerb würzt man das Fleisch natürlich mehr und kombiniert süss mit scharf, damit der Juror ein Erlebnis hat.

Was bewerten die Juroren?

Das ist ein Blind-Tasting. Jeder Juror gibt eine Bewertung für Aussehen, Geschmack und Zartheit ab. Wir geben unser Bestes, um die Juroren zu beeindrucken.

Wer ist wir?

Das «Gecko BBQ»-Team besteht aus «Big Sam», zwei weiteren Kollegen, meiner Frau und mir. Das fing alles als Spass an. Meine Freunde und ich haben das Grillieren schon immer
geliebt, also haben wir uns die selben Grills gekauft und uns einfach bei einer Schweizer Meisterschaft angemeldet. Weil das so gut lief, haben wir uns entschieden, aus unserer Leidenschaft etwas Grösseres als «nur» ein Hobby zu machen. Und dann kam meine Frau dazu.

Sie teilt Ihre Leidenschaft also?

Ja, seit zwei Jahren macht sie sehr aktiv mit. In der Küche funktionieren wir sonst eher weniger, aber in den Wettbewerben passt das super. Sie ist die gute Seele der Truppe.

Wenn Sie den Wettbewerb gewinnen würden, was hiesse das für das «Gecko BBQ»-Team?

Das wäre sensationell. Das ist der Barbecue Olymp. Bis auf letztes Jahr hat noch nie ein ausländisches Team den Wettbewerb gewonnen. Wir müssen aber trotzdem realistisch bleiben.

Also rechnen Sie nicht mit einem Sieg?

Wir machen mit, um zu gewinnen, sonst müssten wir gar nicht hinfliegen. Chancentechnisch sind wir aber klare Aussenseiter. Da sind Teams, die das über Generationen machen, die verdienen damit ihr Geld.

Sie verdienen damit kein Geld?

Nein, es ist unsere Leidenschaft. Wir alle haben einen Beruf und machen das nur als Hobby. Das Preisgeld in der Höhe von 15 000 Dollar ist natürlich verlockend, viel wichtiger sind jedoch die Möglichkeiten, die ein Sieg mit sich bringt. Sponsoren und Werbung beispielsweise. Der amerikanische Markt ist viel grösser als der Schweizer. Das ist eine ganze Nation, die sehr «Barbecue addicted» ist. Dort essen sie das jeden Tag.

Bestellen Sie in einem Restaurant noch Barbecue?

Da bin ich sehr kritisch. Dafür mache ich das schon zu lange. In Restaurants ist das Fleisch meistens im Ofen oder auf dem Grill gemacht, und das ist nicht das, was ich unter Barbecue
verstehe.

Machen es die Schweizer nicht richtig?

Hierzulande geht es mehr um das Grillieren als um das Barbecue. In den Schweizer Wettbewerben ist ein ganzes Menu mit Beilagen gefragt, das auf dem Grill zubereitet wird. Das schätze ich auch sehr, jedoch ist das kein richtiges Barbecue. Wir haben in der Schweiz eine Grillkultur, aber Barbecue ist etwas anderes.

Wo liegt der Unterschied?

Beim Barbecue geht es darum, grosse Fleischstücke langsam im Rauch
garen zu lassen, bis man butterzartes Fleisch hat. Dazu braucht man Zeit. Wir reden von bis zu 24 Stunden.

Ist das nicht langweilig?

Nein, gar nicht. Fleisch ist ein Naturprodukt, jedes Mal ist es etwas anderes. Ausserdem mache ich es natürlich so, dass es mich nicht langweilt. Ich bin da sehr einfallsreich.

Nennen Sie mir ein Beispiel.

Wenn ich auf Reisen gehe, schaue ich immer in den verschiedenen Märkten, was es da zu essen gibt und mit welchen Gewürzen gearbeitet wird. Immer mehr Menschen kritisieren die Fleischindustrie. Jetzt soll es eine höhere Mehrwertsteuer auf Fleisch geben.
Dem Thema bin ich mir sehr bewusst, jedoch merke ich davon nicht viel. Ganz im Gegenteil, die Grillkultur boomt in den letzten Jahren. Die Leute interessieren sich dafür, sie wollen nicht irgendeinen Müll essen, sondern mehr darauf achten, was sie essen.

Was meinen Sie mit «irgendeinen Müll»?

Ich vergleiche das mit Autos. Leute achten sehr darauf, welches Benzin sie tanken, achten aber im Umkehrschluss nicht darauf, was sie für den körpereigenen Motor benutzen. Sie kaufen billiges Industriefleisch. Das verstehe ich nicht. Mit schlechter Qualität kann man nicht viel machen, auch als Grillmeister nicht.

Apropos Qualität. Grillen Sie auch qualitativ hochwertiges Gemüse?

Ja, absolut. Gemüse gehört für mich zu einem guten Gericht dazu. Wir
haben mit unserem Team schon einen 1. Platz für einen vegetarischen Gang abgeräumt.

Meistgesehen

Artboard 1