Kurzinterview

Badener Arzt: «Ich bin positiv überrascht von der Bevölkerung»

Dieter Kissling Arzt und Leiter «Institut für Arbeitsmedizin».

Dieter Kissling Arzt und Leiter «Institut für Arbeitsmedizin».

Das Institut für Arbeitsmedizin in Baden führt Corona-Tests durch. Wer darf sich testen lassen? Geschäftsleiter Dieter Kissling im Kurzgespräch.

Dieter Kissling arbeitet derzeit sehr viel. Für ein Interview mit der Aargauer Zeitung nimmt er sich aber fünf Minuten Zeit.

Herr Kissling, Ihr Institut für Arbeitsmedizin in Baden führt Coronavirus-Tests durch. Wer darf sich denn nun testen lassen? Zu dieser Frage gab es in den vergangenen Tagen Verwirrung.

Dieter Kissling: Es gab eine Falschmeldung in den Medien. Testen lassen können sich bei uns medizinisches Personal sowie Patienten mit Symptomen. Wir führen auch Tests in Unternehmen mit gehäuften Erkrankten durch.

Wie sieht der Alltag Ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Baden derzeit aus?

Es ist gleichzeitig sehr ruhig und sehr hektisch. In den Fachbereichen unserer Praxis, die nicht Corona betreffen, herrscht fast gar kein Betrieb. Viele reguläre Termine werden abgesagt. Ganz anders sieht es natürlich bei jenen Angestellten aus, die sich um Infektpatienten kümmern und Corona-Tests durchführen oder Fragen dazu beantworten. Wir haben schon vor Wochen Plexiglas-Scheiben zum Schutz unseres Personals montiert. Natürlich ist die Belastung hoch, aber es herrscht professioneller Alltag.

Virologen in der Schweiz kritisieren, es werde zu wenig getestet. Ihre Kommentar dazu?

Ich teile die Meinung, dass so viele Tests wie nur möglich durchgeführt werden müssten. Das Problem ist, dass rund 50 bis 80 Prozent der Infizierten keine Symptome haben. Sie sind dadurch zwar nur etwa halb so ansteckend wie Infizierte mit Symptomen. Aber weil sie das Gefühl haben, gesund zu sein, laufen diese sogenannten Streuer frei herum und stecken viele Menschen an. Diejenigen, die sich krank fühlen, müssen so oder so zu Hause bleiben. Mit Tests müssten wir versuchen, die Streuer zu identifizieren und danach zu isolieren.

Dafür braucht es aber genügend Tests. Wie sieht es diesbezüglich in Ihrer Praxis aus?

Wir sind in einer guten Situation. Wir rechnen damit, dass wir in der nächsten Woche in Baden rund 800 Tests durchführen werden, und wir sind dafür gerüstet.

Seit einigen Wochen gelten besondere Hygieneregeln und seit letzter Woche gar ein Gruppenverbot von mehr als fünf Personen. Finden Sie, die Bevölkerung hier in der Stadt hält sich genügend daran?

Soweit ich das beurteilen kann – ich arbeite momentan sehr viel und bin nicht oft draussen –, werden die Vorgaben sehr gut eingehalten. Im kleinen Dorf, in dem ich lebe, genauso wie in der Stadt Baden. Man sieht kaum mehr Menschen draussen, hier in der Nähe des Instituts auf dem sonst stark bevölkerten ABB-Areal fällt das besonders auf. Die Menschen nehmen Distanz voneinander, was sehr wichtig ist, um dem Virus die Verbreitung zu erschweren. Ich bin positiv überrascht von der Bevölkerung in der Schweiz.

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