Digitale Stadt

Baden will eine Smart City werden – doch ist sie bereit dazu?

Der Stadtrat will die Möglichkeiten der Digitalisierung besser nutzen. Die Informatikabteilung muss dafür gerüstet sein?

Bill Gates plant in der Wüste von Arizona angeblich den Bau einer «Smart City» für 150000 Einwohner. Das Land dafür hat der Multimilliardär bereits gekauft. Die wohl einfachste Definition einer Smart City: Mit modernen Technologien sollen die Herausforderungen der Urbanisierung angegangen werden. Im Falle von Gates’ Projekt ist die Rede von digitalen High-Speed-Netzwerken, Datencentern, autonomen Fahrzeugen und Logistik-Hubs.

Während der zweitreichste Mann der Welt einen solchen Ort quasi aus dem Boden stampfen will, befinden sich viele Städte weltweit in der Transformation. Man muss nicht weit suchen, um eine Pionierin zu finden: Zürich belegt im weltweiten Smart-City-Index Platz 2 hinter Singapur. Das entscheidende Stichwort lautet «Internet der Dinge», das sich langfristig zu einem kommunalen Datengehirn entwickeln soll. Über die ganze Stadt verteilte Sensoren sammeln in Zürich Daten, die anonymisiert und anschliessend zentral analysiert und ausgewertet werden. Dies können Glasfasernetze, Mobilfunknetze, Bluetooth oder Gebäudeleitsysteme sein. Die «Handelszeitung» schrieb diese Woche, Zürich nutze mit ihrer frische gestarteten Smart-City-Strategie das Potenzial der Digitalisierung, um die hohe Lebensqualität zu erhalten und die Sicherheit des Standortes zu fördern. Mittelgrosse und kleinere Schweizer Städte hingegen warteten mit Internet-der-Dinge-Projekten oftmals ab; die Vorzüge wären jedoch gross. Clevere Lösungen könnten dazu führen, dass digitale und wirkliche Welt interagieren.

Nun will sich eine weitere Stadt zu einer Smart City transformieren: Der Badener Stadtrat beantragt vom Einwohnerrat 500000 Franken als Anschubfinanzierung. «Die Stadt Baden als attraktiver und lebendiger Wirtschafts-, Arbeits- ,Wohn- und Begegnungsort soll erhalten und weiterentwickelt werden. Neue Technologien eröffnen dazu zahlreiche Chancen», schreibt der Stadtrat.

App soll auf freie Parkplätze hinweisen

Ein Strategie-Papier zeigt, welche konkreten Projekte in Baden realisiert werden könnten. Anschaulichste Idee: das Smart Parking. Ein Parkleitsystem ist in Baden zwar bereits heute in Betrieb–allerdings nur auf Schildern neben der Strasse. Sie zeigen an, wie viele Parkplätze in welchem Parkhaus aktuell leer stehen. Das digitale Parkleitsystem soll in Zukunft via App den Zugang zu verfügbaren Parkplätzen anzeigen, auch Reservation und Bezahlung sollen smart abgewickelt werden können. Das führt zu mehr Effizienz und weniger Parkplatzsuchverkehr.

Zwei weitere Ideen der Stadt: Erstens «E-Partizipation», also eine digitale Vernetzungsplattform, die eine vereinfachte Beteiligung der Bevölkerung am politischen Entscheidungsprozess ermöglicht, unter anderem mittels Online-Fragebogen oder Diskussionsforen. Zweitens «Digital Signage», eine smarte Stadtkarte als App, die den städtischen Raum für den Fussverkehr erlebbar macht und sich primär – aber nicht nur – an Touristen richtet.

«Es müssen sehr, sehr viele Daten verarbeitet werden»

Intensiv mit der Thematik von Smart Citys befassen sich die beiden Einwohnerräte Stefan Jaecklin und Mischa Brandmaier (beide FDP). Sie begrüssen es, dass es diesbezüglich nun auch in Baden vorwärtsgeht, hätten sich aber eine andere Vorgehensweise gewünscht: «Das Projekt wird Top-down angegangen. Es wäre in unseren Augen sinnvoll gewesen, von Beginn an das enorme Know-how zu nutzen, das in der Badener Privatwirtschaft vorhanden ist.» Ein Problem auf dem Weg zur Smart City sehen sie darin, «dass sehr, sehr viele Daten verarbeitet werden müssen und es dafür Cloud-basierte Modelle braucht.» Die Stadt Baden aber setze im Rahmen der Informatikzusammenarbeit mit der Stadt Aarau auf eine zentrale Infrastruktur.

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